Im Erstkontakt mit dem grünen Weib

SONNTAG, 27. MäRZ 2022

#Barbara Bess, #Comet, #Dr. Marian Wild, #Film, #Filmhaus Kino, #Johannes Felder, #Review

Käme ein Alien auf die Erde, wie würde es auf uns reagieren? Wäre es schweigsam, gelenkig, sinnlich, ausdrucksstark, grün? Sähe es womöglich aus wie eine tanzende Frau?

„COMET“ zu betrachten, immer wieder zu betrachten, heißt auch sich einzulassen auf ein fiktives Geschehen: Aliens tanzen durch die dunkle, fränkische Steppe, erleuchtet vom Licht zweier türkisfarbener Monde, ein extraterrestrisches Tai-Chi signalisiert den irdischen Beobachtern einen verständigen Geist in vertraut-menschlicher Hülle. Eingeschlossen in einem organischen, von Adern durchwirkten Sack, bernsteinfarben und zigarrenförmig, reiste die Außerirdische zu uns: technoide Aufzüge und fließende, weiße Stoffe umwehten sie schwerelos in ihrem Raumschiff, Scheinwerfer begrüßen sie beim Herabschreiten der Rampe. Zeitlich sind diese Abfolgen nicht klar, in einem fragmentierten Bewusstseinsstrom erlebt man verschiedene Ereignisse, Erinnerungen und verdrängte Traumata der Wesen. Hieroglyphisch beschriftet die grüne Frau ihren Freund mit einem Füllfederhalter, wie Blut läuft die Tinte seine Brust hinab, während dioramenhafte Bildblitze ihn am Bauchnabel durchzucken. Rätselhaft blickt Alien 3 in eine gläserne Box: Das Smartphone der Zukunft, telefoniert er nach Hause? Auf den Schultern der Stammesmutter wird er in die Steppe getragen, wer ist hier Botschafter für wen? Wer steht am anderen Ende der Scheinwerfer, die Erdenregierung, das Militär? All diese Fragen löst der Film nicht auf, alle kommunizieren und klären doch nichts: Der beschriftete Freund wankt weiter, mit und ohne Rezept auf der Brust, Alien 3 scheint keine Verbindung erhalten zu haben, die grüne Frau beschriftet fleißig ihre Mitreisenden und die Umgebung mit Tinte und Kreide, und doch bleiben alle ratlos in diesen postästhetischen Szenerien zurück wie in einem düsteren Foto von Gregory Crewdson. Alles wird getragen vom Tanz, von den fremdartigen, perfekten Bewegungen des extraterrestrischen Ensembles. Bilden Sie eine Botschaft des Friedens oder der Aggression? Gegen Ende wird man unsicher ob des hektischen Flatterns, mit denen die grüne Frau ihre Arme bewegt. Das mag am irdischen Gegenüber im Gegenlicht liegen, oder an der cellospielenden Essiggurke, die auch vorzüglich reiten kann, im Regen.

COMET ist ein rundum fabelhaftes, filmisches Gemeinschaftswerk der Tänzerin und Choreografin Barbara Bess, des Malers und Filmemachers Johannes Felder, des Musikers und Sounddesigner Lars Fischer und des Fotografen Sebastian Autenrieth.
 



Land: Deutschland, Jahr: 2021, Produktion: Barbara Bess, Co - Produktion:  TUCANfilm, Tafelhalle Nürnberg Impulsförderung der Stadt Nürnberg, Künstlerische Leitung: Barbara Bess, Choreographie: Barbara Bess, Cast: Lena Schattenberg, Cary Siu, Fabian Maria Riess, Barbara Bess, Eva Euwe, Editing: Johannes Felder, Schnitt: Johannes Felder, Kamera: Johannes Felder, Sebastian Autenrieth, Score: Lars Fischer, Sounddesign: Lars Fischer, Ton: Lars Fischer, Kostüm: Bettina Mileta, Installation: Barbara Bess, Technik: Miho Kasama, Assistenz: Eva Euwe

Am 4. April um 21 Uhr / am 2. Mai um 20:30 Uhr / am 16. Mai um 20:45 Uhr
COMET – FILMVORFÜHRUNG
FILMHAUS NÜRNBERG
Königstraße 93, Nbg
Kinokarte 5 EUR
kunstkulturquartier.de/filmhaus

Die Vorführungen finden in Kooperation mit dem DESIGNWALK.ART statt; alle Einnahmen werden an die Hilfsorganisation Frankenkonvoi e. V. gespendet, die sich um die Versorgung von Geflüchteten auf der ukrainischen Seite der Grenze zu Polen kümmert.

 




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