Orangen, Obelix, Knochen und das Ende der Welt

26. DEZEMBER 2021 - 16. JANUAR 2022

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In der Galerie Bernsteinzimmer findet noch bis zum 16. Januar 2022 eine Ausstellung mit den postapokalyptischen Bildern des Musikers Adam Green statt. Unser Kunstreporter Marian war bei der Livesession dabei und hat die Ausstellung im Angesicht von Omikron nochmal angeguckt.

Man könnte manche der Blätter für Kinderzeichnungen halten, auf den ersten Blick. Auf den zweiten würden die Details aber doch auf eine bemerkenswerte politische Bildung des Kindes, und… naja… eine leicht besorgniserregende Vorliebe für aufgeschnittene Körper hindeuten.
Zum Glück sind die Bilder von Adam Green. Genau, das ist der Folk-Musiker, der in den Nullerjahren Welthits wie “Emily” oder “Jessica Simpson” produziert hat, die ich auch noch auswendig mitsingen kann. Adam Green ist ein Urenkel von Felice Bauer, der ersten Verlobten von Franz Kafka, das hat mich damals schon fasziniert und ich finde auch, man hörte das Surreale in den fabelhaften Songtexten mitschwingen. Nun also Malerei und ein wirklich langes (50 Minuten!) Gedicht »MDVL: 1,000 Years of Dark Ages«, über die Welt nach dem Zusammenbruch, eine dystopische, digital-esoterische Überwachungsphantasie, die thematisch mit den Bildern der Ausstellung korrespondiert, weil die Bilder einen Teil der Illustration sind. Adam Green beschäftigt sich sowieso unentwegt mit Kunst- und Kulturgeschichte – von prähistorischen Kult- und Alltagsgegenständen über Dürer-Stiche bis hin zu Comic-Helden wie Obelix oder Mickey Mouse. All das verschmilzt in seinen Werken zu einem einzigartigen Bildkosmos: kunterbunt und grell, aber dabei hochgradig gesellschaftskritisch. Das von ihm verfasste, im Film von ihm selbst gelesene Mittelalter-Langgedicht wird als langsam nach oben wandernde Schriftrolle von seinen Zeichnungen begleitet und von eigens komponierter Musik untermalt, es ist auf Youtube zu sehen:
 


Der Film wurde während der Livesession am 23. November in voller Länge gezeigt, unterbrochen von Auftritten des Sängers mit seiner Gitarre und viel guter Laune, im Anschluss fand ein Interviewgespräch statt. Vom Institut für moderne Kunst, das auch Mitveranstalter der Ausstellung ist, wird aktuell Adam Greens Graphic Novel »Krieg und Paradies« herausgegeben. Das Buch ist 2019 als »War and Paradise« in den USA erschienen und wurde nun von Ann Cotten erstmals ins Deutsche übersetzt. Es erscheint im Verlag starfruit publications.

Was lernt man aus dem sogar in diesen Zeiten ungewöhnlichen Kunstprojekt über unsere eigene, aktuelle Situation? Vor den Arbeiten zu stehen, mit den möglichen Pandemieverläufen der nächsten Monate im Hinterkopf, bewirkte jedenfalls bei mir zweierlei: Es löste einen existentiellen, tagesaktuellen Grusel aus, der aber bizarrerwweise gleichzeitig etwas Beherrschbares, Nostalgisches bekam. Womöglich hat Adam Green mit seiner 2020er Corona-Arbeit seine und meine Pandemieängste gleichzeitig offengelegt und überschaubar, mitunter sogar humorvoll werden lassen. Das ist vielleicht auch die Kraft seines surrealen Erbes.

Bis 16. Januar 2022
ADAM GREEN. ORANGES/SAINTS
GALERIE BERNSTEINZIMMER
Großweidenmühlstraße 11, Nbg.
geöffnet Sa+So 15-19 Uhr
geschlossen 25.+26.12.2021, 01.+02.01.2022




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