Stephan Schwarzmann | Linoleumliebe

FREITAG, 8. JANUAR 2021

#Dr. Marian Wild, #Im Gespräch mit, #Interview, #Kunst, #Linolschnitt, #Locked in, #Stephan Schwarzmann

Locked in | 043 – Die Vielfalt der Drucke ist atemberaubend. Da wechseln sich Neo-noir-Flugzeugszenen mit postsowietischen Tiefseetaucher-Vierfarbdrucken und fast an Digitalbilder erinnernden Strandstrukturen ab, dazwischen eine kunstfertig in Linol geschnittene Feuerwerksstudie, oder sind es Quallen und Korallen?

Keine Frage, Stephan Schwarzmann lotet auf hohem Niveau das Potential des modernen Hochdruckverfahrens aus, das schon Künstler wie Picasso oder Escher in den Bann gezogen hat. Szenen mit psychedelischen Schwammerln, in die Linolplatte geschnitten: Im Gegensatz zum technisch verwandten Holzschnitt – bei dem ebenso Material aus der Platte herausgearbeitet wird und die Konturen des Drucks als Stege stehen bleiben – zeigen die Linolflächen keine Maserung, bleiben also optisch völlig unter der Kontrolle des Künstlers. Dadurch kann die entstehende Grafik beliebig stark reduziert oder belebt werden, und so können die futuristischen Landschaften, die abstrakten Geometrien und die starkfarbigen Storyboards in ihrer jeweils eigenen Strichführung zur Geltung kommen. Das ist wahre Linoleumleidenschaft.

Im Interview erzählt Stephan von angegilbten Plakaten, Gewusel auf der Linolplatte und dem Zerstören ganzer Welten.

Marian Wild: Du druckst Linolschnitte. Warum?
Stephan Schwarzmann: Einfache Antwort: Weil ich diese Technik liebe! … Mir gefällt die Ausgewogenheit im Arbeitsprozess. Zum einen gibt es die unruhige Entwurfsphase: Ich mach keine Skizzen, sondern zeichne, male und kaligrafiere direkt auf die Linolplatte. Das ist ein unstetes Arbeiten bei dem ich mich gut konzentrieren muss. Im Gegensatz dazu steht die darauffolgende Zeit des Schneidens. Spannend und entspannend zugleich – die Hauptarbeit ist scheinbar getan und ich kann während des Schnitzens viele Hörbücher lesen.

Deine Zeichnungen und Drucke zeigen geometrische Räume, aber auch Science-Fiction-Szenen, die mich manchmal an die alte Zeitschriftengrafik der Sowjetunion erinnert haben. Bei den harten schwarz-weiß-Drucken musste ich an den Comiczeichner Frank Miller denken, es scheint also ein recht weiter Bogen zu sein, den du optisch spannst. Worum geht es dir, welche Bildmotive faszinieren dich?
Wissenschaft, Forschung, Mathematik, Biologie sind Themen die erst so richtig durch meine Arbeit im Kindermuseum Nürnberg in meine greifbare Wahrnehmung gerückt sind. Und seitdem – 2003? – arbeite ich quasi an einer Endlosserie. Die Grafik der 1960er und 1970er Jahre, Propaganda- und Filmplakate sagen mir sehr zu. Vor allem deren „angegilbte“ Farbigkeit hat mich so richtig angefixt. Und ja, ich mag auch die Comic-Ästhetik und benutze diese auch bewusst. Ich will Geschichten erzählen, habe erst vor nicht allzu langer Zeit damit angefangen „Darsteller“ in meine Bilder einzuarbeiten. Wenn ich zum Beispiel Panels, also die Comic-Kästchen in meine Drucke einbaue, dann hilft es mir im Arbeitsprozess eine gewisse Struktur zu wahren und ich glaube auch, dass es für die Betrachter manchmal hilfreich sein kann sich in so manchen Teilen meines Bilderweltengewusels zurecht zu finden. Worum es mir geht? Erschaffen, erforschen, zerstören, wiederaufbauen – ich meine das gar nicht pathetisch.

Du arbeitest in Fürth als freischaffender Künstler, gehörst also vermutlich zu den hart getroffenen Personen der Krise. Was hat sich für dich und dein Arbeiten in der Pandemie geändert?
Deine Interviewanfrage erreichte mich im April, jetzt kommt meine Antwort Anfang Juli [und jetzt ist es Dezember :), Anm. des Interviewers]. Hart getroffen hat mich vor allem, nicht mehr pädagogisch arbeiten zu können. Alle Aufträge im Bereich Kinder- und Jugendarbeit sind weggebrochen. Ich liebe diese Arbeit und vermisse es mit Schulklassen in drei Tagen ein Buch zu erstellen oder, jetzt aktuell, dass ich keine Werkstatt auf dem Erfahrungsfeld anbieten kann. Das schmerzt schon sehr, natürlich auch finanziell. Dafür sind in den letzten Monaten viele, richtig gute Drucke entstanden. Jetzt sieht mein Arbeitsalltag folgendermaßen aus: Fördermittel recherchieren, Anträge schreiben – macht mir Nackenverspannung, das hatte ich „vor Corona“ noch nie – und dann ins Atelier. Ach ja! Tutorials drehen lern ich auch grad noch dazu.

Weitere Informationen zum Künstler: (KLICK!)




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