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1. DEZEMBER 2018 - 24. FEBRUAR 2019, KUNSTPALAIS ERLANGEN

#Ausstellung, #Kunst, #Kunstpalais Erlangen, #Natalie de Ligt

Natalie De Ligt über die Ausstellung mit Julian Charrière und Julius von Bismarck im Kunstpalais Erlangen

Julian Charrière (*1987) und Julius von Bismarck (*1983) haben in den vergangenen Jahren mit ihrer jeweiligen Kunst Karriere gemacht. Da die Wahlberliner auch befreundet und Ateliernachbarn sind und es außerdem starke Berührungspunkte in ihren künstlerischen Ansätzen gibt, liegt es nahe, dass die beiden hier und da in gemeinsamen Projekten zusammenfinden. Sowohl allein als auch zu zweit bewegen sich die Künstler an der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft. Gemeinsames Merkmal ist außerdem, dass Charrière und von Bismarck in ihren Projekten die üblichen Rahmen und Dimensionen sprengen. Um sie zu verwirklichen reisen sie viel und weit. Allein ihr Projekt «Kunst» führte sie u.a. nach Ägypten, Island, Mexiko und in die Schweiz. Die daraus hervorgegangenen Bilder sind die fotografische Dokumentation von Eingriffen, bei denen die Künstler Wörter, bestehend aus monumentalen Lettern, in verschiedene  Landschaften geschrieben haben – wobei die Wörter immer der Landschaft entsprechen, die sie bezeichnen: Crater, Dune, Moos, Jungle usw. Schon die Künstler der Land Art, allen voran Robert Smithson mit seiner «Spiral Jetty» (1970) oder Michael Heizers «Double Negative» (1969), haben gezeigt, dass keine Landschaft, kein Naturphänomen so beschaffen ist, dass es der Mensch sich nicht untertan machen oder wenigstens manipulieren und in Kunst verwandeln kann. Charrière und von Bismarck drehen diesen künstlerisch-konzeptuellen Ansatz ein Stück weiter, in dem sie in ihrer Rolle als Künstler auch jene des Menschen als Täter und zukunftsvergessenes Wesen einnehmen. Die Geste des Bezeichnens in der Serie «Kunst», die zugleich eine der Aneignung und des Beherrschens ist, weist auch auf den Mensch als Ursache für das schwierige Verhältnis von Mensch und Natur. Die ambivalente Rolle des Menschen kristallisiert sich auch in der Arbeit «Some Pigeons Are More Equal Than Others» (2012). Die Künstler konstruierten einen Taubenfärbeapparat, mit dem sie eine Anzahl von Tauben knallbunt einfärbten. Die leuchtenden Vögel entließen sie dann wieder in die Freiheit. Für das Objektensemble «I like the flowers» (2017) entwickelte Julius von Bismarck ein neues Hochdruckpressverfahren, um damit ganze Tiere oder größere Pflanzen zu pressen. Montiert auf Stahlplatten werden hier einst lebendige Fauna und Flora zu leblosen Pappaufstellern. Diesen Gesten des Bezwingens stehen anderseits Arbeiten gegenüber wie jene zuvor erwähnte Serie «Kunst», in der Charrière und von Bismarck die Erhabenheit und Gewalt von Natur in großformatigen Fotografien bildstark in Szene setzen. Noch eindringlicher, geradezu ikonisch, ist das Foto von Julius von Bismarck, das den Künstler beim Auspeitschen des Meeres zeigt oder jenes von Julian Charrière, das ihn auf einem Eisberg in der arktischen See zeigt, wie er versucht, das Eis, auf dem er steht, mit einem Gasbrenner wegzuschmelzen. Hier inszenieren sich die Künstler als Synonym für die Ohnmacht, aber auch die Selbstüberschätzung des Menschen gegenüber den Elementen.

Bemerkenswert ist, dass Julian Charrière und Julius von Bismarck sich weder auf die großen Themen, die sie mit ebenso großer Geste und Emphase behandeln, verlassen, noch auf den konzeptuellen Rahmen, sondern am Ende immer auch ein Artefakt, ein «Bild» wollen, das für sich stehen kann. Hier gelingt das Arbeiten an der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft, weil man der Kunst den ganzen Aufwand, das Forschen, Experimentieren und Verausgaben nicht ansieht. Das Wissen darum spielt aber bei der Glaubwürdigkeit der Werke eine Rolle.

Vom 1.Dezember 2018 – 24. Februar 2019
KUNSTPALAIS ERLANGEN
Palais Stutterheim
Marktplatz 1, Erlangen
Di-So 10-18 Uhr, Mi 10-20 Uhr
kunstpalais.de




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