Then I would like to make a happy end for once

31. AUGUST 2018 - 9. SEPTEMBER 2018, KUNSTVEREIN NüRNBERG

#Ausstellung, #Kunst, #Kunstverein Nürnberg, #Natalie de Ligt

Natalie de Ligt mit einer Besprechung der Ausstellung »Then I would like to make a happy end for once« der Fotografin Verena Kathrein und der Künstlerin und Autorin Ariane Müller, die aktuell beim “Kunstverein Nürnberg – Albrecht Dürer Gesellschaft” zu sehen ist.

“DER FEMINISMUS WIRD DAS NÄCHSTE MAL KEINE TRAGÖDIE, SONDERN EINE KOMÖDIE SEIN” (CARLA LONZI)

Ausgangspunkt bildet eine von Müller vorgenommene Deutschübersetzung der 1978 publizierten Tagebücher der Feministin Carla Lonzi, sowie von Giorgio Agambens Buch über Tiepolos Pulcinella-Zeichnungen. Daran knüpften die Künstlerinnen eine Auseinandersetzung mit ihren unterschiedlichen Arbeitsweisen, dem Medium Fotografie, dem Feld des Feminismus und jenem der Komödie. Daraus entwickelten sie für die Räume im Kunstverein ein disparates und zugleich wohl komponiertes Arrangement aus Arbeiten unterschiedlicher Medien wie Fotografie, Text, Zeichnung und Video.

Der Begleittext zur Ausstellung erläutert ausführlich die verschiedenen Referenzen: Darunter die erwähnte Carla Lonzi und den Feminismus sowie die Figur des Pulcinella aus der Commedia dell’arte. Aber auch der Kubismus als perspektivisches Gegenmodell zur Renaissancemalerei, unklare Geschlechtszugehörigkeit wie bei Donald Duck, der Witz bei Sigmund Freud und dergleichen mehr werden textlich ins Feld geführt. Die o.g. Übersetzung ist als Ausgangspunkt einer Recherche zu verstehen, »mit dem Ziel, Bilder zu finden für etwas, das entweder zu traurig ist, als dass man es sagen kann, oder aber zu komisch, als dass man es aussprechen kann« (Pressetext). In der Präsentation soll sich das durch Ensembles mit Arbeiten verschiedener Medien widerspiegeln. Eine kubistische Malerei im Stile Picassos etwa hängt neben einer schlichten Fotografie, in der das Poetische im Alltäglichen zum Vorschein kommt. Daneben findet sich ein Blatt mit einer skizzenhaften Zeichnung oder einem kurzen Text. An anderer Stelle steht ein weißes, paraventähnliches Element im Raum, auf das die Filmsequenz einer bewegten Wasseroberfläche projiziert wird. Auf einer sich permanent drehenden Papierrolle wurde ein Auszug aus Müllers Übersetzung handschriftlich vermerkt. All das enthält mal mehr, mal weniger ersichtliche Anspielungen auf die im Ausstellungstext erläuterten Hintergründe. Für sich genommen erlangen einzelne Arbeiten oder Ensembles einen gewissen Reiz, trotz oder gerade weil ihnen etwas Indifferentes eigen ist. Da übersieht man gerne, dass sich doch vieles in persönlichen Chiffren verliert, die nicht den Grad der Allgemeingültigkeit ihrer Referenzen erreichen. Doch gelingt es in der Gesamtschau nur bedingt, den als Subtext mitgelieferten intellektuellen, ästhetischen und emotionalen Anspruch zu erfüllen. Es wurde so tief in die Referenzkiste gegriffen, und derart entlegene Pfade des kollektiven, kulturellen Gedächtnisses wurden beschritten, dass die künstlerische Form, durch die sich ein solches „Projekt“ dem Betrachter vermitteln könnte, vielleicht erst noch gefunden werden muss – sofern es das Anliegen der Künstlerinnen wäre. Denn anderseits zeigt sich hier eine immer mehr zum Standard werdende künstlerische Praxis, nach der es gerade nicht um das Werk und seine formal-inhaltliche Schlüssigkeit geht. Vielmehr sind es die Referenzen selbst, die zum eigentlichen Artefakt, zum Gegenstand der „Betrachtung“ werden. So ist auch der Einstieg ins Werk nicht das Werk, sondern sein Kontext. Und zum Kontext hin verlagert sich folgerichtig die Auseinandersetzung und das Kunsterlebnis. Insofern ist die Ausstellung »Then I would like to make a happy end for once« von ihrem Ansatz her hochaktuell und auch sehr schlüssig.

Parallel ist die Ausstellung »Grass Glue« des Züricher Malers Urban Zellweger (*1991) zu sehen.

[Text: Natalie de Ligt]


Bis 9. September 2018
VERENA KATHREIN UND ARIANE MÜLLER:
THEN I WOULD LIKE TO MAKE A HAPPY END FOR ONCE


KUNSTVEREIN NÜRNBERG – ALBRECHT DÜRER GESELLSCHAFT
Milchhof
Kressengartenstr. 2, Nbg.
Di-Fr 14-18 Uhr, Sa/So 13-18 Uhr u.n.V.
www.kunstvereinnuernberg.de
 




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