Muntean/Rosenblum: The Truth is Deep Inside

1. OKTOBER 2014 - 30. NOVEMBER 2014, ATELIER- UND GALERIEHAUS DEFET

#Ausstellung, #Institut für moderne Kunst Nürnberg, #Kolumne, #Kunst, #Natalie de Ligt

Hinter dem Künstlerpaar Muntean/Rosenblum verbergen sich Markus Muntean und Adi Rosenblum, beide Jahrgang 1962. Seit über 20 Jahren arbeiten sie zusammen, und es sieht so aus, als wollten sie mindestens weitere 20 Jahre folgen lassen. Ich frage mich bei solchen Künstlerduos, ob sie sich nach einer gelungenen Ausstellungseröffnung gegenseitig E-Mails schreiben mit dem Wortlaut: „Lieber Adi, haben Sie vielen Dank für die gute Zusammenarbeit. Einem weiteren gemeinsamen Projekt sehe ich mit Freude entgegen. Herzlichst, Ihr Markus.“

Wie auch immer. Der Kern von Muntean/Rosenblums Schaffen bildet die Malerei, die für beide laut eigener Aussage ein Grundbedürfnis ist und die sie bewusst unter Vermeidung einer individuellen Handschrift entwickeln. Das ist insofern bemerkenswert, da sie in ihren Bildern, die wie Tableau Vivants angelegt sind, äußerst individuell erscheinende Figuren auftreten lassen. Die Dargestellten sind meist junge, nach aktueller Mode gekleidete Menschen, die in einer stilisierten Gesamtkomposition eingebunden sind. Ebenso stilisiert und theatral sind ihre Gesten. Das Szenario spielt sich vor kulissenhaft, trostlos und irgendwie entmenschlicht wirkenden Landschaften ab wie u. a. Baustellen, Brachen oder Betonwüsten. Die Szenen sind mit einem Pathos aufgeladen, der aber ins Leere läuft und zu einem staffageartigen Accessoire der Figuren verkommt. Diese kommunizieren nicht miteinander, sind in sich gefangen bzw. vor lauter Hyperindividualisierung nicht mehr zu einer wirklichen Wahrnehmung des Außen und der anderen fähig. Die Frage nach Identität, allemal nach moderner Identität in einer entwickelten Industrie-, Technologie- und Informationsgesellschaft, wird in den Bildern in einen übergeordneten gesellschaftlichen Zusammenhang gerückt. Visionieren Muntean/Rosenblum etwas Zukünftiges oder konstatieren sie einen längst erreichten Zustand? Die in ihrer Ästhetik bisweilen an Illustrationen aus einem Zeugen-Jehovas-Heftchen erinnernden Bilder lassen die Frage offen.

Für die Ausstellung im Institut für moderne Kunst Nürnberg haben Muntean/Rosenblum eine Installation aus vier anonymisierten Bürozellen gebaut, welche in aggressiv machendem Grün gestrichenen sind und die den superindividuellen und zugleich aber auf seine Arbeitskraft reduzierten Menschen in sich aufnehmen wollen. An die Wände der Bürokuben hat das Künstlerduo seine Bilder gehängt. Deren Atmosphäre findet ihre Entsprechung in den Arbeitszellen und umgekehrt. Traurig aber wahr und als Kunst sehenswert.

Die Ausstellung ist vom 1. Oktober bis 30. November zu sehen.

INSTITUT FÜR MODERNE KUNST NÜRNBERG IM ATELIER- UND GALERIEHAUS DEFET.
Gustaf-Adolf-Straße 33, Nürnberg.
ÖZ: Mi.-Fr. 14-18 Uhr, Sa. 11-15 Uhr,
moderne-kunst.org

 




Twitter Facebook Google

#Ausstellung, #Institut für moderne Kunst Nürnberg, #Kolumne, #Kunst, #Natalie de Ligt

Vielleicht auch interessant...

NüRNBERG. Über 30 Jahre lang hat Petra Weigle, die dieses Jahr formal in den Ruhestand geht, einige Dutzend Ausstellungen des Instituts für moderne Kunst, sowie diverse andere als Kuratorin verantwortet. Entstanden sind mal vielschichtige, mal minimalistisch präzise Setzungen in den verschiedensten Räumen Nürnbergs. Höchste Zeit, mit einer der erfahrensten Ausstellungsmacherinnen der Stadt ein paar Worte zu wechseln.  >>
NEUES MUSEUM. Marian Wild im Gespräch mit Holger Rieß. Fotos: Instagramer*innen der @igers_nürnberg
Die Gegenwart wirft alte Gewissheiten zunehmend über Bord. Da scheint der „kontroverse Tabubruch“, nämlich Kunst und Design im direkten Gegenüber zu zeigen, im Rückblick tatsächlich recht niedlich. Seit 2020 präsentiert das Neue Museum in seinem Erdgeschoss mit der „Mixed Zone“ eine direkte Mischung aus Kunst und Design, die im Frühjahr 2022 mit der aktuellen Ausstellung „Double Up!“ in die bildgewaltige, zweite Runde ging.  >>
AUF AEG. Ein Kunstfestival für all die Kunst, die im tradierten, hochoffiziellen Sektflöten-Betrieb nicht stattfindet. Outsider Art oder Art Brut nennen die Veranstaltenden der Idyllerei das, was vom 31. Mai bis 2. Juni in der Kulturwerkstatt auf AEG gezeigt und stattfinden wird. 
Mit dabei sind natürlich die Künstler:innen aus dem Kunstraum der Lebenshilfe, aber auch viele, viele internationale Gäste.   >>
KULTUR.LOKAL.FüRTH. Mal wieder was Spannendes aus dem kultur.lokal.fürth, das sich zum Anfang des Jahres in einen artsy Postkartenshop verwandelt. Schöne Grüße aus Fürth ist ein Konzept von Barbara Engelhard und Stephan Schwarzmann, die den Raum in der Fürther Innenstadt vom 12. bis 23. Januar in ein offenes Atelier verwandeln, in dem tatsächlich Postkarten produziert und ausgestellt werden und auch erworben werden können. Die Postkarte feierte 2019 ihren 150. Geburtstag und hat es in diesen Zeiten der permanenten digitalen Kommunikation und Bilderverschickerei in die Familiengruppe wahrscheinlich so schwer wie noch nie. Aber mal ehrlich: Über so eine richtige Karte freut man sich doch eigentlich viel mehr. Insbesondere, wenn es dich dabei zudem um ein Kunstwerk handelt. Barbara Engelhard setzt und näht Karten aus alltäglichen Materialien, Zeichnungen und Malereien collagenartig zusammen. Stephan Schwarzmann greift zum scharfen Messer und Linoleum und druckt mit der Druckerpresse plakative Postkarten im Hochdruckverfahren. Ziemlich gut geeignet zum Zwecke des netten Neujahrsgrußes.

Öffnungszeiten: Vom 12. bis 23. Januar 2024 von Dienstag bis Samstag von 14 bis 18 Uhr.
Eröffnung am Donnerstag den 11. Januar 2024 um 19 Uhr statt.
   >>
20240601_Staatstheater_Wiese
20240601_Staatstheater_Erlangen
20240507_NueDigital
20240601_LESEN
20230703_lighttone
20240411_NbgPop_360
20240601_Kaweco
20220401_esw_schorsch
20240601_Retterspitz
2040301_Biennale
20240401_ION
No upcoming events found