Besetzt! Geschäftliches im Museum

6. APRIL 2017 - 2. JULI 2017, MUSEUM FüR KOMMUNIKATION

#Ausstellung, #CURT präsentiert, #Design, #Museum, #Museum für Kommunikation

Wir alle müssen mal für kleine Königstiger, würgen die Boa, pudern uns die Nase oder tragen Wasser weg, dorthin, wo selbst der Kaiser zu Fuß hingeht – Die Sprache und Geschichte rund um die Schüssel fürs kleine und große Geschäft ist oft sehr kreativ und oft sehr witzig. Das Nürnberger Museum für Kommunikation nimmt sich das zum Anlaß und widmet dem stillen Örtchen 12 Sitzungen über die geschichte(n) der Abörtlichkeiten ... in 12 mobilen Klo-Häuschen! Und da das schmucke curt Magazin ja schon von jeher die Toiletten der WGs, Studentenbuden und hippen Lofts ziert, werden wir hier selbstverständlich zum Medienpartner fürs grosse Geschäft!

Männer gehen meist allein, Frauen gerne zu zweit und manche kommunizieren so heftig, dass sie einige Monate später sogar zu dritt sind. Die Kommunikation auf, in, über oder ums WC, Klo, die Toilette, Latrine, den Donnerbalken oder das ordinäre Scheißhaus hält jeder anders und ist so vielfältig wie der bunte Strauß an Bezeichnungen für den Abort selbst. Das liegt schon in der Erziehung des jeweiligen Kulturkreises begründet. Während in unseren Breitengraden und in den meisten Gebieten auf der Welt die Toilette ein intimer Raum und der offene Umgang eher peinlich ist, trifft man sich in China an der öffentlichen Latrine zum Plausch, wohingegen es in Afghanistan Frauen noch nicht einmal erlaubt ist, öffentliche Toiletten zu benutzen. In Japan versucht man mit Hightech und Erfindergeist sämtliche Geräusche und Gerüche zu verbannen und für die Inder stellt sich die Frage, ob nun „Falter“ oder „Knüller“ oder warum ein australisches WC nach Norm auch sechs Telefonbuchseiten herunterspülen können muss, gar nicht, denn in Indien kennt man kein Toilettenpapier. In Hongkong wiederum ist die Klopapierrolle seit der letzten Präsidentschaftswahl sogar Zeichen des Widerstands. Bei einem Stehklo, das auch in einigen unserer Nachbarnländer immer noch Usus ist, stellt sich die Frage nach Sitz- oder Stehpinklern auch nicht. Hierzulande ist die Klo-Kultur sehr unterschiedlich und persönlich. Die einen verpassen ihrem Thron flauschige Bezüge und Vorleger, packen das Klopapier in gehäckelte Etuis und fahren es mitsamt dem Wackeldeckel auf der Ablage im Auto offen sichtbar durch die Gegend. Für andere kann es nicht steril genug sein und Bleiche und der Duftspender im Fichtennadelaroma ein Must-Have. Auch eine Form der Kommunikation. „Zeig mir Dein Klo und ich sag Dir, wer Du bist.“
 
Anders als in der privaten Aufgeräumtheit, herrscht auf öffentlichen Toiletten dagegen manchmal Anarchie. Hier sind es die Wände, die Bände sprechen. „Tritt näher, er ist kürzer als Du denkst“ dürfte wohl jeder Mann schon gelesen haben, während er versucht hat, die geklebte Fliege oder das Fußballtor im Pissoir, die Motivatoren für den zielgenauen Strahl, zu treffen. Klosprüche, Kommentare und Dialoge sind schon eine extraordinäre Gattung, ähnlich den Piktogrammen, die Mann und Frau den rechten Weg weisen. Die Anarchie, das Provokante und das Schmutzige übernehmen wir auch in unsere Sprache, wenn wir „Verpiss dich“ sagen. Auch Literatur, Film und Kunst bemühen den Kontext des Verbotenen im schmutzigen Hinterzimmer der Gesellschaft nur allzu gerne. Drogen, Sex und körperliche Gewalt. Es tun sich Abgründe auf auf dem Abort.

Architektonisches Herzstück inmitten der Ausstellung sind zwölf mobile DIXI-Toiletten, die jeweils einzelnen Themen zugeordnet sind. In einer ganz persönlichen Sitzung erfährt man alles über die Geschichte(n), Technik, Design, Medizinisches oder die Toilette in Literatur, Kunst, Film oder Musik. BesucherInnen können auch selbst kreativ werden und im Gästebuch eine geschriebene oder gezeichnete Botschaft hinterlassen.

Kuratiert wird die Ausstellung von Martina Padberg und Stefan Nies. Beide kennen sich aus im Geschäft mit dem Geschäft. Sie haben die Ausstellung im Auftrag des Wasserwirtschaftsverbandes Emschergenossenschaft/Lippeverband entworfen. Seit mehr als 85 Jahren ist dieser der größte Abwasserentsorger und Betreiber von Kläranlagen in Deutschland. Hätten wir das also auch schon wieder geklärt!


BESETZT! GESCHICHTEN IM STILLEN ÖRTCHEN.
Vom 6. April bis 2. Juli im Museum für Kommunikation Nürnberg, Lessingstraße 6, Nbg.
www.mfk-nuernberg.de
Supportet von curt!




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#Ausstellung, #CURT präsentiert, #Design, #Museum, #Museum für Kommunikation

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MUSEUM FüR KOMMUNIKATION. Gamer*innen wissen es: Lara Croft, Super Mario oder der Werwolf im Fantasy-Rollenspiel – Avatare, also steuerbare Figuren, sind wichtige Elemente in digitalen Spielen. Sie tragen zum Erzählen von Geschichten bei, verkörpern verschiedene Identitäten und mit ihnen können Handlungen in der jeweiligen Spielwelt ausgeführt werden.
Noch bis Frühjahr 2023 dreht sich im
Museum für Kommunikation alles um Avatare – in der Ausstellung „WhoAmIWantToBe – Avatare in digitalen Spielen“. Sie entstand in Kooperation mit dem Institut für Theater- und Medienwissenschaft der FAU Erlangen-Nürnberg und präsentiert studentische Arbeiten rund um die virtuellen Personifikationen aus medien- und kulturwissenschaftlicher Sicht. Wir haben uns mit Dr. Peter Podrez, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Theater- und Medienwissenschaft der FAU Erlangen-Nürnberg, und Museumsdirektorin Dr. Annabelle Hornung unterhalten.
 
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