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Die SØR Rusche Sammlung auf AEG

19. SEPTEMBER 2015 - 17. OKTOBER 2015, AEG-GELäNDE

#Auf AEG, #Ausstellung, #Kunst, #Natalie de Ligt

Weniger ist mehr! Fast schon traditionsgemäß wurde auch in diesem Jahr anlässlich von Offen Auf AEG mit reichlich Tamtam eine große, kuratierte Kunstausstellung eröffnet. Der anspruchsvolle Titel lautet: »Gute Kunst? Wollen! – Eine kritische Untersuchung der SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin«. Eine Schau mit grandiosen Bildern, die als Ausstellung grandios scheitert.

Thomas Rusche ist Endvierziger sowie Erbe und Inhaber der Nobelbekleidungskette SØR. Er übernahm einst die Sammlung Alter Meister seines Vaters und erweiterte sie in Windeseile und in geradezu obsessiver Manier um Kunst der Gegenwart. Aus dieser mittlerweile circa 4.000 Werke umfassenden Sammlung mit fast ausschließlich figürlich-gegenständlicher und handwerklich solide gemachter Malerei wählte die Kunsthistorikerin Teresa Bischof, zugleich Kuratorin der Ausstellung, 500 Werke aus, um sie besagter kritischer Untersuchung zu unterziehen. Leider ist die Ausstellung heillos überladen – sowohl an Werken wie auch an unerklärlichen Hängekonzepten: mal sind Werke in Petersburger Hängung präsentiert, mal in Reihe auf Bildmitte, dann auf Oberkante wie an einer Wäscheleine, dann wieder in unterschiedlich großen, ausfransenden Blöcken. Die erschlagende Bildermenge macht den Besucher unausweichlich zum Schnellverbraucher, und sie vermittelt den Eindruck, als seien Kunstwerke im Vorbeigehen konsumierbare Produkte. Kunst zu erfahren ist nicht mehr angesagt. Selten wird dem Einzelwerk Raum gegeben, meist muss es in nicht nachvollziehbaren Nachbarschaften, die es auf bloßes Beiwerk reduzieren, sein Dasein fristen. Die meisten der dicht gehängten Blöcke versammeln von allem etwas: Alte Meister, zeitgenössische Malerei, Fotografien, Collagen und Zeichnungen. In einem motivisch zwischen Stillleben und Vanitas oszillierenden Ensemble werden zwei altmeisterliche Blumenbilder u.a. mit einer „Bondage“-Fotografie des japanischen Fotografen Nobuyoshi Araki und mit einer Collage mit Landschaftselement kombiniert.

Wozu?

Ein Bild des Malers Matthias Weischer wird kommentarlos und ohne Absprache in der Transportkiste gezeigt, so dass man es für eine Wandinstallation halten muss. Das ist ein massiver Eingriff in das Werk. Man versteht nicht, was mit dieser Respektlosigkeit aufgezeigt werden soll.

Die Schau wurde in fünf Kapitel eingeteilt: Handwerkliches Können, Schönheit, Kunstwollen, Innovation, Diskurswürdigkeit. Anhand derer soll untersucht werden, ob das Kunstwollen ausreicht, um gute Kunst hervorzubringen, oder ob dazu nicht auch die anderen Kapitel vonnöten seien. Weil aber jede Abteilung zu einer Schnittmenge aus allen anderen Abteilungen gerät, führt sich dieser kunsttheoretische Überbau ad absurdum. Das Fehlen von Exponatsschildern und eines allgemeinen Ausstellungstextes, sowie das Vorhandensein eines verwirrenden und fast unbrauchbaren Ausstellungsplans, versetzen den Besucher zwangsläufig in die Lage eines Flaneurs, der durch einen Wald mit vielen schönen Bäumen wandelt, an denen er sich durchaus erfreuen, die er aber nicht bestimmen kann. Auch weiß er später nicht, was das für ein Wald war. Aber die Wanderung war oft schön. In der Tat finden sich viele grandiose Bilder in der Schau, bei der einige Entdeckungen zu machen sind. Ärgerlich ist, dass der kunstwissenschaftliche Anspruch zum Selbstzweck wird und nicht von den Werken und den künstlerischen Positionen ausgeht. Vielmehr dienen die Werke zur Illustration des kunsthistorischen Aufsatzes der Begleitpublikation (10 Euro) und eines Konzepts, das irgendwie keines ist, schon gar kein schlüssiges und kritisches. Die Schau spiegelt letztlich das Dilemma der Leidenschaft des Sammlers selbst: Der Überblick geht verloren, das Einzelwerk geht in der Menge unter, es wird zur Spielmasse und zum Werkzeug für Funktionalisierungen aller Art.

Einen Besuch der Ausstellung sollte man sich dennoch nicht entgehen lassen. Eine Anhäufung derart vieler betrachtungswürdiger Bilder wird es so schnell nicht wieder geben.

Text und Fotos:  Natalie de Ligt



SØR RUSCHE SAMMLUNG
bis 17. Oktober 2015
AUF AEG, Muggenhoferstraße 132/135, Fürther Str. 244-254, Nbg.
Do-So, 12-19 Uhr. Eintritt frei.
www.aufaeg.de
www.kunstaufaeg.de




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