DIENSTAG, 14.02.2023 / 18.00 Uhr
Podiumsdiskussion, organisiert von BambergUA und derm ArtiSchocken Kollektiv

Veranstaltungstext:

Mit dabei: Tanja Ehrlein (Kulturmanagerin, Bildungsreferentin, M.A. Cultural Heritage and Museum), Andrej Novak (Osteuropa-Experte, Politikberater, Diplom-Politologe), Oleksandr Zabirko (Literatur- und Kulturwissenschaftler, Institut für Slavistik an der Universität Regensburg)

Moderation: Olga Komarova

„Normalerweise hat die blinde und eher karikierte Verehrung von Bandera einen völlig ironischen Charakter und soll keineswegs die Traditionen und die evolutionäre Entwicklung des ukrainischen Nationalismus der 30er bis 50er Jahre des 20. Jahrhunderts wiederherstellen. Es ist eher eine Anleihe der Punk-Kultur, wo es üblich war, allen Stereotypen seitens der konservativen Öffentlichkeit zuzustimmen, das heißt, ein solches "Banderaismus" ist tatsächlich ein Mittelfinger der russischen Propaganda, die Ukrainer im Allgemeinen als Nazi-Kollaborateure und Polizisten darstellt, und gleichzeitig als Partisanen der Ukrainischen Aufständischen Armee, nach Propagandamethoden und Klischees, die noch einmal aus verstaubten achtzig Jahre alten Ordnern geholt wurden. Natürlich bedeutet die Zuweisung dieses auferlegten Etiketts nicht immer ein Bekenntnis zum integralen Nationalismus und zur mystisch-verschwörerischen Ideen Dontsov, genauso wie die Zugehörigkeit zur Punkszene nicht immer bedeutet, ein Streben nach Chaos und Heroinsucht zu haben."
Boris Oglavenko, Dmytro Mrachnyk (ukrainische Publizisten), 2021

Dieses Zitat illustriert sehr treffend die allgemeine Einstellung der ukrainischen Gesellschaft, vor allem der Jugendlichen und jungen Erwachsenen, zu Stepan Bandera. Zahlreiche Memes, TikTok-Videos und Merchandise rund um Bandera haben mit seiner realen Persönlichkeit kaum etwas zu tun, sondern zeigen eine entfremdete Figur, sowas wie ein Comic-Superheld. Der junge Teil der ukrainischen Gesellschaft verbindet mit ihm den Widerstand und absurderweise den Kampf um die demokratischen Werte, was u.a an der unzureichenden politischen Allgemeinbildung liegt. Doch ist der Bandera-Kult nur eine "Modeerscheinung", die nach dem Sieg der Ukraine wieder in Vergessenheit gerät? Oder besteht die Gefahr, dass faschistische Ideen in die Köpfe der ukrainischen Gesellschaft durchdringen? Wer war überhaupt Stepan Bandera? Und vor allem, wie sollen wir – die deutsche Gesellschaft – in Anbetracht der eigenen dunklen Geschichte auf diesen Popkult reagieren?
Anmerkung:
Eintritt frei.


SüDPUNKT

Pillenreuther Str. 147
90459 Nürnberg






KARTE

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