MITTWOCH, 11.09.2019 / 20.00 Uhr
Diese Band hat für euch ihr Debütalbum “Musik verändert nichts?” mit im Gepäck. Ihre Lieder sind von melancholischen Texten und rockigen Gitarren-Popklängen gekennzeichnet. Support: Sharping.

Pressetext:

Erste Beobachtung: Diese Platte klingt wie unter Wasser aufgenommen. Zweite Beobachtung: Alles auf „Musik verändert nichts“ klingt sehr homogen. Ein ganz eigener Sound, kobaltblau und kirchengelb, oder wie Neil Young (auf den sich bei Botschaft alle einigen können) mal sagte: „It’s all one song“. Dritte und letzte Beobachtung: Keine deutsche Band macht momentan Musik, die auch nur entfernt an Botschaft erinnert. Um eine ungefähre Entsprechung zu finden, muss man zurückgehen ins Jahr 1998, als die Gruppe Go Plus ihre LP „Largo“ veröffentlichte, die damals dem ein oder anderen Kritiker gefiel und unter anderem mit einem „Song for Brian“, einem Lied für Brian Wilson, glänzte.

Doch wie klingen Botschaft auf ihrem Albumdebüt „Musik verändert nichts“? Der Gesang von Malte Thran, der als einziges Bandmitglied in Berlin wohnt, ist stellenweise wunderbar effeminiert und zärtlich, die sehr konkreten Texte, mehrheitlich von Thran geschrieben, könnte man als melancholisch bezeichnen – oder als bloße, bis ins Detail ausgearbeitete Schilderungen der Verhältnisse (und als rücksichtslose Kritik dieser Verhältnisse), in denen wir gezwungen sind, zu leben. Keine Hoffnung, die durchschimmert und keine Liebe als Antwort auf irgendetwas: „Schöne Idee“, ein Lied über die Liebe, wird nicht gut ausgehen. Ganz klar: Es geht ums Scheitern – und dies ganz sicher nicht im Sinne von „Scheitern als Chance“. Auch für die Texte gilt: Niemand sonst schreibt heute so etwas wie „Treptower Park“ oder „Trotzdem“. Die Musik: Soft Rock, Yacht Rock, höflicher Gitarren-Pop, mit „Indie“ hat das nichts zu tun. Es ist ein lockerer, leichter Klang, deren Lyrics mit der Art der Musik brechen. In „Atom“ gibt es ein kurzes, schüchternes Gitarren-Solo, Botschaft haben drei Gitarristen (wie Iron Maiden), die ähnlich ökonomisch und sensibel spielen wie Peter Tiedeken (Ex-Robocop Kraus, Ex-Station 17, Thai Wolf) den Bass bedient.

Was Botschaft nicht bedienen, ist die Idee von einfachen Lösungen, von Utopien. Botschaft beschreiben ihre eigenen Biographien („Sozialisiert in der BRD“, „Hinter dem Haus“) und fangen damit auch die Härten ein, die man in der Kindheit und Jugend hinnehmen musste und die bis heute Einfluss auf unser Leben nehmen. Im formidablen Video zu „Sozialisiert in der BRD“ spricht die Erinnerung: Schlingensief, Boris Becker, Henry Maske, Rudi Völler, Stefan Raabs „Vivasion“ und Frank Spilker mit Zahnlücke, „Piratensender Powerplay“, Springsteen, Nina Hagen und die „Mini Playback Show“. Eine Jugend, beschädigt, noch naß und glänzend vom Tau der Vergangenheit. Botschaft wollen veranschaulichen, was wahr ist und, durchaus in Brechtscher Manier, etwas Aufklärendes singen (wozu dann wieder der Bandname der Hamburger passt). Während der Aufnahmen zu „Musik verändert nichts“ hörte die Band fast ausschließlich Joni Mitchell und Steely Dan. Und so erschütternd wie ein guter Steely-Dan-Song ist auch „Daseinszweck“: „Wenn sie morgen aufwacht, ist er weg / Das schönste Gefühl / Begründet keinen Daseinszweck“. Ein bröckelndes Reich, ein klimatisierter Alptraum in 34 Zeilen. Jetzt Botschaft hören!
Jan Wigger
www.facebook.com/botschaftband


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