Herbert Achternbusch - Das Gespenst

13. OKTOBER 2018 - 2. DEZEMBER 2018, KUNSTBUNKER

#Ausstellung, #Kunst, #Kunstbunker, #Natalie de Ligt

Es gibt kaum jemanden, dem der Name Herbert Achternbusch kein Begriff ist. Und doch ist der 1938 in München geborene Filmemacher, Schriftsteller und Maler aus der öffentlichen Wahrnehmung fast verschwunden, und mit ihm die Rezeption seines umfangreichen Oeuvres.

Die seit einigen Jahren in München lebende Künstlerin Eva Raschpichler trat diesem gespenstischen Umstand entgegen und organisierte eine Ausstellung «mit dem, was sie kriegen konnte oder nicht». Einfach war das nicht, weil etwa die DVD-Box seiner Filme längst vergriffen ist, seine Stücke selten gespielt und seine Bilder kaum gezeigt werden. Aber, um mit Herbert Achternbusch zu sprechen: «Nix ist besser als gar nix». Schließlich konnte Eva Raschpichler doch eine ganze Menge für die Ausstellung mit dem Titel «Das Gespenst» beschaffen, in deren Fokus vor allem großformatige Bilder des Künstlers stehen. Dicht gehängt, die Höhe des Kunstbunkers fast ausfüllend, kleiden sie die Wände wie ein Gobelin, der mehr will, als nur den Raum zieren. Auf die Motive trifft das allemal zu. Bei Achternbusch geht es immer um etwas, und das hat er vor allem in seinen Filmen dezidiert und gleichsam spielerisch auf den Punkt gebracht. Dass er dabei weder ideologisierbar noch korrumpierbar ist und in seinem Film «Das Gespenst» (1982) den zum Barkeeper mutierten Jesus-Protagonist auf dem Münchner Marktplatz in die Menge sagen lässt: «Sie haben Scheiße bestellt. Und ich bin Ober. Ich kann doch nicht sagen: Es gibt keine Scheiße. Es gibt Scheiße! Das weiß doch ein jeder» und damit unverkennbar auf eine gewisse institutionelle Macht und Verlogenheit von Staat und Kirche und auf die Nazizeit-Verdrängung anspielt, hat ihm u. a. den folgenreichen Entzug von Filmfördergeldern eingebracht. Seine Reaktion darauf könnte man mit einem Satz aus dem Film «Servus Bayern» (1978) umschreiben: «Diese Gegend hat mich kaputt gemacht. Ich bleibe so lange, bis man ihr das anmerkt». Überhaupt scheint sich in diesem Satz seine Haltung zu dem seinerzeit CSU-absolutistischen Bayern und sein Reiben daran zu manifestieren. Er konterte unablässig wie ein Berserker. Für all das Unbequeme, für viele auch unerträglich Skandalöse fand Herbert Achternbusch aber immer eine Form. Mit Ernst und gleichsam Humor, Skurrilität und Aberwitz fasste er das, was ihn auf die Palme brachte, in präzise Bilder und Worte. In den im Kunstbunker gezeigten Bildern richtet sich der Blick weniger auf die gesellschaftspolitischen Zustände als vielmehr auf eigene Erfahrungen und Lebensumstände. Auch hier ist die Geste groß und voller Energie, gerät aber nie in Gefahr, sich im Persönlichen zu verlieren. Auch hier ist eine ästhetische Form gefunden, die es dem Betrachter erlaubt, auf das Allgemeine zu schließen.

Diese Ausstellung ist ein Muss. Und es lohnt absolut, sie auch zum Anlass eines Neu- oder Wiedereinstiegs in das Werk Herbert Achternbuschs zu nehmen. Schon länger hat er sich zurückgezogen, immerhin wird er diesen Monat 80 Jahre. Sein Werk umfasst 28 Filme und Theaterstücke, mehrere Dutzend Prosabände und ein immenses Bildschaffen. Im Rahmen der Ausstellung wurden die beiden Filme «Die Föhnforscher» und «Punch Drunk» digitalisiert. Sie werden in einem eigens eingerichteten Kinosaal zu festgelegten Zeiten gezeigt. Auch nicht verpassen sollte man den Festvortrag von Bert Rebhandl anlässlich des 80. Geburtstags von Herbert Achternbusch am Freitag, 23.11.2018, 19.30 Uhr (5 Euro).

Vom 13. Oktober bis 2. Dezember 2018
KUNSTBUNKER - Forum für zeitgenössische Kunst.
Bauhof 9, Nbg.
Do-Sa 16-20 Uhr, So 14-18 Uhr u.n.V.
kunstbunker-nuernberg.org

Filmvorführungen:
Die Föhnforscher – Do bis Sa Start jeweils um 16.00 Uhr, So um 14.00 Uhr
Punch Drunk – Do bis Sa Start jeweils um 18.30 Uhr, So um 16.30 Uhr
 




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