SAMSTAG, 18.11.2017 / 18.30 Uhr
Grand Opéra in fünf Akten von Hector Berlioz.

Pressetext:
Hector Berlioz war noch ein Kind, als er sich bereits für die großen Dichtungen der Antike – allen voran die „Aeneis“ des römischen Dichters Vergil – begeisterte. Besonders angerührt hatte den Knaben dabei die tragische Liebesgeschichte zwischen dem trojanischen Helden Aeneas und der karthagischen Königin Dido ... Später, als Berlioz plante, aus diesem Stoff „Die Trojaner“ zu formen, schrieb er darüber in der für ihn charakteristischen Mischung von Selbstbewusstsein und abgrundtiefem Pessimismus: „Mir erscheint das Thema erhaben, grandios und zutiefst bewegend, was ohne Zweifel bedeutet, dass die Pariser es geistlos und langweilig finden werden.“

Geistlos und langweilig fand das Publikum das Werk beileibe nicht. Allerdings erschien es als zu groß, unzeitgemäß und aufwendig – weshalb „Die Trojaner“ ihre „Uraufführung“ 1863 in Paris zwar noch zu Lebzeiten des Komponisten, aber nur äußerst verstümmelt erlebten. Nach seinem Tod galt es lange als das nicht spielbare Vermächtnis des exzentrischen Komponisten. Dem Dirigenten Rafael Kubelík und seiner vollständigen Aufführung des Werks in Covent Garden 1957 ist es zu verdanken, dass „Die Trojaner“ heute unbestritten neben Werken wie „Tristan und Isolde“ von Richard Wagner oder „Othello“ von Giuseppe Verdi stehen.

Das Werk selbst gliedert sich in zwei Teile: Im ersten Teil „Der Fall Trojas“ erzählt Berlioz, wie sich die Trojaner, trotz der eindringlichen Warnung Kassandras vor der List der Griechen und ihrem trügerischen Geschenk, dem Siegestaumel hingeben und in den Untergang gehen. Allein Aeneas gelingt mit wenigen Getreuen die Flucht; verbunden mit dem göttlichen Auftrag, in Italien ein neues Troja zu gründen. In „Die Trojaner in Karthago“ landen die Kriegsflüchtlinge an den Gestaden Karthagos. Sie treffen auf die friedlich-prosperierende Welt Nordafrikas unter der Herrschaft Didos. Und es bleibt nicht aus, dass sich Dido und Aeneas verlieben.
Aber was vorderhand wie die romantische Erfüllung höchsten Glückes erscheint, endet in tiefer Tragik, als sich Dido, enttäuscht und erzürnt über Aeneas’ Liebesverrat, dem Feuertode hingibt.

Hector Berlioz hat mit „Die Trojaner“ in stilistischem Rückgriff auf den von ihm verehrten Christoph Willibald Gluck und in der äußeren Form der Grand opéra ein reifes Spätwerk geschaffen. Unter Aufgebot all seiner Instrumentationskunst und Klangfarbenzauberei entstand ein mit großem Atem erzähltes, fast schon klassizistisches Werk voller Innerlichkeit, höchster Tragik, vollendeter Figurenzeichnung und berauschend schöner Melodien.

Der katalanische Regisseur Calixto Bieito führt nach „Turandot“ und „Aus einem Totenhaus“ zum dritten Mal in Nürnberg Regie, Generalmusikdirektor Marcus Bosch hat die Musikalische Leitung inne. Und nachdem Staatsintendant Peter Theiler im Herbst 2008 seine erste Spielzeit mit Berlioz’ genialischer Oper „Benvenuto Cellini“ eröffnet hat und der Komponist in den Folgejahren mit „Fausts Verdammnis“ und der „Symphonie fantastique“ auch in Ballett und Konzert auf den Spielplänen erschienen ist, schließt sich mit „Die Trojaner“ der Kreis der Berlioz-Pflege.
 
: Libretto vom Komponisten
: Nürnberger Erstaufführung
: In französischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln


: Musikalische Leitung: Marcus Bosch
: Inszenierung: Calixto Bieito
: Bühnenbild: Susanne Gschwender
: Kostüme: Ingo Krügler
: Chor: Tarmo Vaask
: Dramaturgie: Johann Casimir Eule


OPERNHAUS

Richard-Wagner-Platz 2-10
90443 Nürnberg

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