NüRNBERG HAUPTBAHNHOF. Seit seinem 69. hat der Geburtstag von Horst Seehofer immer einen miesen Beigeschmack. Der Bundesinnenminister scherzte vor drei Jahren, ausgerechnet an diesem Tag seien ausgerechnet 69 Afghanen abgeschoben worden. Die politisch-aktionskünstlerischen Gruppen Dies Irae und Polizeiproblem haben den 04.07. nun zum Anlass genommen, um in einigen bayrischen Städten kritische Fake-Werbung zu platzieren. In Nürnberg traf es Plakatkästen am Hauptbahnhof. Insgesamt waren es bayernweit ausgerechnet 72 Plakate, ausgerechnet zu Seehofers 72. Geburtstag. Sie thematisieren Seehofers Säumigkeit im Umgang mit Rechtsextremismus bei der Polizei.
Die Guerilla-Aktion bedient sich eindeutig wiedererkennbarer werblicher Ästhetiken, weshalb sie nicht im allerersten Moment als politisches Statement erkennbar ist. So zitiert das Plakat “Alle 17 Minuten ruft ein Polizist Daten von Helene Fischer ab” die Aufmachung der bekannten Parship-Werbung. Sie bezieht sich auf eine Zufallsunterusuchung in Frankfurt, wo Polizeibeamte in einer Nacht
83 Mal auf private Informationen der Schlagersängerin zugriffen. Solche Datenabfragen wurden auch im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen den NSU 2.0 bekannt. Auch auf Infos der NSU-Opferanwältin Seda Başay-Yıldız, die Drohbriefe erhielt, wurde von einem Dienstcomputer in Frankfurt zugegriffen. 
Das zweite Plakat der Aktion zeigt Horst Seehofer selbst – mit einer Augenklappe, die er, natürlich, über dem rechten Auge trägt. Der Innenminister selbst “empfiehlt” dieses Accessoire “Korpsgeist”, das eine Studie über Rechtsextremismus in der Polizei sofort überflüssig mache (Seehofer hat eine solche Studie mittlerweile in der Tat in Auftrag gegeben). “Behörden-Versagen beim Lübcke-Mord und dem Terror von Hanau, ständig neue Einzelfälle von Polizisten mit rechtsextremer Gesinnung, 100 verschwundene Waffen aus der Asservaten-Kammer in Frankfurt, Totalversagen im Umgang mit Querdenken-Protesten. Bundesinnenminister Horst Seehofer liebt dieses Produkt“, sagt Clara Poster von der Adbusting-Gruppe Dies Irae.
Die Plakate sind mittlerweile wieder entfernt. Die Aktionsgruppen teilen mit, es sei im Rahmen der Anbringung kein Sachschaden entstanden.  >>
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