Auf der ION #65 in die Zukunft

3. JUNI 2016 - 12. JUNI 2016

#DJ, #Internationale Orgelwoche Nürnberg, #Klassik, #Konzert, #Meistersingerhalle, #St.Lorenz, #Tafelhalle

Hinter den Kulissen der ION, die Internationale Orgelwoche Nürnberg, hat sich in den letzten Jahren viel getan. Mit Volkert Uhde kam 2013 ein neuer Künstlerischer Leiter, der seitdem bei seiner Interpretation des Konzertgedankens gutes Altes und gutes Neues verbindet, dabei Architektur, Raum, elektronische Musik, moderne Technik und ungewöhnliche Formate mit einbezieht und damit vollkommen neue zeitgeistige Hörerlebnisse der guten alten Musik ermöglicht. Das Thema “Zukunft” zur 65ten Ausgabe und eine der daraus gestellten Fragen “Welche Konzertformen werden dem Publikum des 21. Jahrhunderts gerecht?” darf damit fast schon konsequent bezeichnet werden.

Zugegeben, als die Organisatoren vor zwei Jahren schon einmal in der Redaktion anfragten, waren wir etwas irritiert und zurückhaltend. Schließlich erinnert Orgelwoche zuerst an den Raiffeisenfilialleiter, der nebenbei in der heimischen Kirchengemeinde beim Lobgesang und Halleluja in die Tasten haut. Das Programm deshalb anfänglich nur aus dem Augenwinkel betrachet, rückte dann jedoch schnell in den Fokus. Viel jünger und frischer als vermutet ist das. In der 65. Ausgabe der ION also orgeln wir als Medienpartner mit.

Verantwortlich für den jungen, frischen Wind und neuen Zeitgeist auf der ION ist Folkert Uhde, Jahrgang 65, Musiker in bester klassischer Tradition, Musikmanager und visionärer Konzertgestalter. 2009 gab es dafür schon mal eine Auszeichnung als „Kulturveranstalter des Jahres“. Seit 2013 versuchen er und sein Team in Nürnberg den alten Staub auf den Orgeln der ION wegzublasen, auch wenn sie dabei die Traditionalisten vielleicht manchmal vor den Kopf stoßen, während die gesuchte neue Kundschaft vom Wandel bisher leider zu wenig Notiz nimmt.

 



Im Gespräch werden seine Ansätze schnell klar. „Traditionen sind wichtig, aber wenn Traditionen sich nicht auch etwas weiterentwickeln, können Traditionen auch schnell komplett verschwinden.“ Also Lose-Lose und kein Gewinn für alle. Er will begeistern für Musik, egal ob alt oder neu. Den entsprechenden Spielraum bekommt er in Nürnberg und bricht dabei gerne mit dem Konzertgedanken: Musiker vorne, Publikum davor, Musik an, zuhören, klatschen, heimgehen.

Schon bei der eher klassischen Auftaktveranstaltung in der Lorenzkirche agieren die Musiker und sind in Bewegung. Wenn sich beim Dona nobis Pacem von Johann Sebastian Bachs Messe in h-Moll sinnbildlich das Meer teilt, teilt sich auch der Chor des Bayerischen Rundfunks und die Trompeter marschieren ein.

Viel Neues passiert über Beleuchtung, Videoprojektion und Installation. Absolut herausragend ist das fünfstündige Konzertexperiment ALIF::SPLIT IN THE WALL am 10. Juni, das wirkliche jeden bisherigen Rahmen sprengt. In der gotischen Lorenzkirche installiert die japanische Installations- und Performance-Künstlerin Chiharu Shiota ein System aus Bildschirmen und unzähligen Schläuchen durch die eine rote Flüssigkeit gepumpt wird. Zusammen mit der Musik wirkt der Aufführungsraum wie ein mehrdimensionaler, lebender Organismus, der pulsiert, sich anspannt, entspannt, erregt oder zur Ruhe kommt und beim Besucher mehr und mehr das Zeitgefühl auflöst, indem er beginnt die feinen Veränderungen wahrzunehmen oder die Stabilität dazwischen genießt. Dabei kann das Publikum selbst wählen, ob es die gesamte Aufführungsdauer von fünf Stunden mit(er)leben will, später kommt, früher geht oder mehrmals in den Organismus tritt. Musikalischer Mittelpunkt der Aufführung ist das neue Orgelstückes von Samir Odeh-Tamimi gespielt von Jan Doležel unterstützt vom Zafraan Ensemble, Jeremias Schwarzer und Salomé Kammer (Gesang). Die elektronischen Kompositionen und Live-Elektronik liefert der Berliner Komponist, DJ und Produzent Stefan Goldmann (u.a. Berghain).

Installation Chiharu Shiota
Kompositionen Stefan Goldmann, Samir Odeh-Tamimi
Stimme Salomé Kammer
Live-Elektronik Stefan Goldmann
Orgel Jan Doležel
Blockflöten, Dirigent Jeremias Schwarzer
MusikerInnin Zafraan Ensemble
Idee, Künstlerische Leitung Jeremias Schwarzer
Konzertdesign, Bildregie Folkert Uhde
Konzertdesign, Dramaturgie Ilka Seifert
Filme Andreas Höfer
Klangregie Daniel Weingarten
Licht Karel de Wit
Technische Leitung Carsten Stark
Produktion Zafraan Ensemble, bastille musique / Sebastian Solt

 


UN-STERBLICHKEIT greift eine seltsame Idee aus der Renaissance auf. Die liest sich eher komisch als kosmisch: Führende Philosophen und Astrologen der Renaissance entwarfen die Theorie, dass Planeten kosmische Strahlen aussenden, die von Künstlern eingefangen und durch ihre Kunst verstärkt wieder ins Universum zurück gestrahlt werden. Mit der Folge, dass Komponisten wie Josquin des Préz, einer der größten Musiker seiner Zeit darin die Möglichkeit sahen mit ihrer Kunst unsterblich zu werden. Ein klein wenig Unsterblichkeit bleibt zumindest am 8. Juni in der Kirche St. Egidien. An diesem Abend kreisen die Planeten unterstützt durch ein ausgeklügeltes Surround System um das Publikum und senden ihre „akustischen Strahlen“ mit den Werken von Josquin des Préz aus. Durch den Abend führt der Berliner Radiomoderator, Journalist und Musikwissenschaftler Clemens Goldberg mit unterhaltsamer Sachkenntnis zur Theorie. Musikalische Unterstützung kommt vom a-cappella-Ensemble Musica Universalis.

UN-STERBLICHKEIT /  MITTWOCH, 08. JUNI 20.00 UHR, ST. EGIDIEN
Werke Motetten von Josquin des Préz
Cantus Axelle Bernage
Altus Olivier Coliffet
Altus Martial Pauliat
Tenor Guillaume Olry
Bass Joel Frederiksen
Tenor & Leitung Bernd Oliver Fröhlich
Konzept & Texte Clemens Goldberg
Surround Sound Jan Gieseke
 

Bei den LIEBESANFÄNGEN am 5. Juni in St. Nikolaus und St. Ulrich werden eine Reihe dieser bekannten Aufnahmen von Pärchen auf dem Sofa, die von ihrer persönlichen Liebesgeschichte erzählen, gezeigt, während barocke Liebeslieder und Arien den Soundtrack zu den Bildern, Stimmen und Stimmungen liefern. Die Klänge und Liebeslieder von damals, gespielt und gesungen von The Age of Passions,  und die Erzählungen der Menschen von heute zwischen 14 und 84 Jahren überlappen sich und kommen sich erstaunlich nahe.

LIEBESANFÄNGE / SONNTAG, 05. JUNI, 20.00 UHR, ST. NIKOLAUS & ST. ULRICH (MÖGELDORF)
Werke Lieder, Arien und Instrumentalmusik des 17. Jahrhunderts und drei neue Lieder von Lee Santana
Sopran Dorothee Mields
Violine Petra Müllejans, Judith von der Goltz
Viola da gamba Hille Perl, Marthe Perl
Laute Lee Santana
Cembalo Michael Behringer
Videos Hans-Joachim Gögl, Hansjörg Kapeller, Mark Riklin
Dramaturgie Folkert Uhde


Neben den vorgestellten Veranstaltungen gibt es noch weitere erfrischend neue Aufführungen.
AM PULS DER ZEIT (11. Juni, Meistersingerhalle) zeigt den Stummfilm „Berlin – Die Sinfonie der Großstadt“ aus dem Jahr 1927 begleitet von Orgelimprovisationen. FRIENDS OF AMARILLIS (9. Juni, Tafelhalle) ist neues Musiktheater. Skuril, lustig und überraschend spielen sich drei Musiker, die als Barockinstrumentalisten zu den Besten ihres Faches zählen, mit gewöhnlich und ungewöhnlchen Instrumenten von der Tanzmeistergeige, Kontrabass, Barockharfe bis hin zum Dudelsack, Vogelstimmenpfeife und Loopstation quer durch Bachs Goldberg-Variationen, Händel und Kollegen. NACHT-LIEDER (4. Juni, Christuskirche) ist eine Konzertinstallation mit Videos, Soundscapes, elektronischer Musik, dem großartigen Deutschen Jugendkammerchor und Werken von Brahms und Reger, zeitgenössischer Musik der jungen schwedischen Komponistin Lisa Streich (*1985) und des finnischen Altmeisters Einojuhani Rautavaara (*1928). Mit ORGEL & BRUCKNER (6. Juni, St. Sebald) setzten Marcus Bosch und der Staatsphilharmonie Nürnberg ihren ION-Bruckerzyklus aus dem letzten Jahr fort. Das ION LAB (7. Juni, Katharinensaal) ist ein ganztägiges Forum für junge Musiker und frische Konzertideen mit Konzerten und Diskussion von Mittags bis in den späten Abend. Natürlich gibt es auch wieder ganz traditionell den ORGELWETTBEWERB um den „Johann Pachelbel-Preis“ unter der Leitung des renommierten Organisten Christophe Mantoux mit Mittags- und 17-Uhr-Konzerten, MITTAGSLESUNGEN. Oder KLANGPROBEN für den ungezwungen, legeren Konzertvorgenuss am späten Nachmittag und ganz für lau. Eine Veranstaltung auch für die ganze Familie ist das RENAISSANCEFEST ( 5. Juni, Museum Tucherschloss & Hirsvogelsaal) mit Musiker, Tänzer, Schauspieler, Fechtkämpfer, Gaukler und Artisten.

Sehr empfehlenswert!

65. INTERNATIONALE ORGELWOCHE NÜRNBERG
Vom 3. bis  12. Juni an verschiedenen Orten in Nürnberg.
www.ion-musica-sacra.de

TICKETS GIBT ES HIER!

VERLOSUNG: curt verlost 3x2 Tickets für „alif::split in the wall“. Einfach E-Mail an Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, du musst Javascript aktivieren, damit du sie sehen kannst mit Betreff “ION::alif” schicken. Teilnahmeschluss ist der 6. Juni 2016.

 




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