On Dynamics and Monuments

12. MAI 2015 - 15. MAI 2015, KUNSTVEREIN NüRNBERG

#Ausstellung, #Kunst, #Kunstverein Nürnberg

In der viertägigen Reihe mit fünf verschiedenen Positionen soll es um Dynamiken und Verhaltensweisen gehen, die innerhalb von Gruppenkonstellationen wirken, aber auch um Interaktionen und Posen, bzw. ums Posieren. Die vorhandene Architektur des Milchhofgebäudes, in dem der Kunstverein ansässig ist, sein Außenraum und auch die Besucher selbst sollen hierbei mit einbezogen werden.

Im Pressetext heißt es u.a., dass „‚On Dynamics and Monuments’ das gemeinsame Kunsterlebnis der Performance im Innen- und Außenraum in den Mittelpunkt stellt“ und dass „mittels Aneignung und Imitation in den Performances eine veränderte Wahrnehmung von Geschichte und Monumenten erfolgen wird“. Das hört sich zwar sehr hochtrabend an und ist sicher kein Lockmittel für Kunstlaien, aber das Programm verspricht Abwechslung. Denn es werden unterschiedliche und aktuelle Spielarten der Performance vorgestellt. Immerhin erlebt diese Gattung der Gegenwartskunst seit Jahren eine regelrechte Renaissance und Zurückeroberung durch eine jüngere Künstlergeneration, die obendrein das Feld experimentell erweitert. Als Rezipient kann ich reiner Betrachter oder direkt Involvierter sein. Die Aktion kann live oder als Film konzipiert sein, für drinnen oder draußen, ortsunabhängig oder ortsbezogen. Der Künstler kann selbst Protagonist sein oder andere wie ein Regisseur einweisen usw. Weshalb die Wiederbelebung? Geht es um die Wahrung eines Bereichs, der sich schwer(er) vom Kunstmarkt vereinnahmen lässt? Ist es der Reiz des Momentanen, Ephemeren, Nichtreproduzierbaren und Unvorhersehbaren, das später nur noch als Film- oder Fotodokument existiert? Oder der Reiz des Unzugänglichen? Immerhin verzeiht man einer Performance, bzw. deren Urheber, eher eine gewisse Unverständlichkeit.

Und das Unzugängliche kann sich wiederum besser einer wertenden Kritik entziehen. Es kann aber auch als Selbstüberschätzung des Künstlers rüberkommen. Dann entsteht der Verdacht von künstlicher Aufladung mit Inhaltlichkeit und mit Bedeutung(s-Ebenen), welche vielleicht nicht vorhanden sind und deren Fehlen aber gleichsam durch eine künstlerische Verknappung von Verständlichkeit überdeckt ist. (Was freilich auf alle Kunst zutreffen kann.) Oder steht die Wiederbelebung der Performance etwa im Zusammenhang mit dem Aufkommen von sozialen Netzwerken, Eventkultur und Selfie-Manie? Zeitlich könnte das passen. Oder treibt die Künstler das Bedürfnis an, mittels Performances näher an der Realität dran zu sein, in dem sie Teile daraus direkt oder verfremdet wiederholen, um so z.B. ihrem Unbehagen über gewisse Zustände in lebendigen – und somit vielleicht echteren, authentischeren – Bildern Ausdruckzu verleihen? Das könnte auf die an der Performancereihe im Kunstverein beteiligte Yvon Chabrowski zutreffen. Sie stellt in ihren Performances medial vermittelte Bilder nach, etwa von Demonstrationen, aber stilisiert und sehr verlangsamt. Dadurch verwandeln sich die Gesten „in visuelle Strukturen, welche die Bildformeln der Medien offenlegt“. Ihre Kollegin Ruth Proctor setzt sich auf ähnliche Weise mit der Entstehung von Protestsituationen auseinander. Sie inszeniert ihre Performances definitiv unter Einbeziehung der Besucher. Pavillon 27, eine Gruppe von Studierenden der Klasse Michael Stevenson der hiesigen Kunstakademie, will die Architektur des Milchhofs „vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Stadtentwicklung in seiner unmittelbaren Umgebung neu vermessen“.

Die Beiträge von Alicia Frankovich und Christian Jankowski werden in Form eines Filmprogramms gezeigt. Wer also keinesfalls leibhaftig in eine Performance geraten will, sollte sich hierauf beschränken. Jankowski, Jahrgang 1968, ist innerhalb dieser Reihe der Grand Monsieur. 1992 machte er mit der wunderbaren Videoarbeit „Die Jagd“ auf sich aufmerksam. Er ließ sich dabei filmen, wie er in einem Supermarkt, bewaffnet mit Pfeilen und Bogen, die Waren fachgerecht anschoss, seine verwundeten Trophäen samt der in ihnen steckenden Pfeile, darunter Brot, Margarine und Toilettenpapier, im Einkaufswagen zur Kasse schob, auf’s Band legte und zahlte. Waidmannsheil!

Über die Dauer der Performancereihe ist außerdem noch die Videoinstallation „After / Protest“ (2013) von Yvon Chabrowski zu sehen.

Und hier das Programm:
Di, 12.5., 20:30 Uhr: Performance von Pavillon 27
Mi, 13.5., 20:30 Uhr: Performance „Movement“ von Yvon Chabrowski. Im Anschluss Gespräch mit der Künstlerin
Do, 14.5., 19 Uhr: Performance „If the Sky Falls“ von Ruth Proctor
Fr, 15.5., ab 19 Uhr: Filmprogramm mit dem Beitrag„Free Time“ (2013) von Alicia Frankovich und „Heavy Weight History“ (2013) von Christian Jankowski. Mit thematischer Einführung und abschließendem Gespräch durch Judith Grobe vom Team des Kunstvereins

Öffnungszeiten: Dienstag, 12. Mai bis Freitag, 15. Mai, jeweils 14–22 Uhr. Der Eintritt ist frei.

KUNSTVEREIN NÜRNBERG - ALBRECHT DÜRER GESELLSCHAFT
Milchhof / Kressengartenstr. 2, Nbg.
kunstvereinnuernberg.de


(Text von Natalie de Ligt)




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