Interview Theater Salz+Pfeffer: Theater kann eine Stütze für die Seele sein

DIENSTAG, 18. OKTOBER 2022, THEATER SALZ+PFEFFER

#Interview, #Kindertheater, #Theater, #Theater Salz und Pfeffer

Nürnberg ist, das kann man alle zwei Monate im curt nachlesen, eine kulturell lebendige, umtriebige Stadt. Ständig ploppt irgendwo was auf, neue Kollektive, neue Orte, neue Festivals, plopp, plopp, plopp. Daneben, umso wichtiger, bestehen die Institutionen des Kulturlebens, die immer da sind und wie zuverlässige Maschinen Output produzieren, Woche für Woche und Monat für Monat. 
Das Theater Salz+Pfeffer ist eine solche Institution, mittendrin gelegen, am Plärrer, und trotzdem fast versteckt, fast leicht zu übersehen. Das mehrfach preisgekrönte Figurentheater ist seit 25 Jahren an diesem Ort. So lange, wie es curt gibt! 
Wally und Paul Schmidt, die das Theater leiten, ziehen aber schon deutlich länger an den Fäden der Figuren. Wie das kam, Anfang der 80er, was die Magie dieser Kunst ausmacht, wie anders das Publikum nach Corona ist und noch viel mehr, haben sie uns im Interview erzählt. 

CURT: Ihr seid seit 25 Jahren in diesem Haus. Das Theater Salz+Pfeffer gibt es aber schon seit Anfang der 80er-Jahre. Wie hat denn alles angefangen?
WALLY: Wir kommen aus einer Zeit, da konnte man in Westdeutschland kein Figurentheater studieren. Es gab aber schon das internationale figuren.theater.festvial Nürnberg Fürth Erlangen. So sind wir auf Figurentheater aufmerksam geworden. Damals haben viele Gruppen hier angefangen, einfach aus Lust und Laune Theater zu machen. In dieser Bewegung ist auch die Kindertheaterwelle entstanden, wir sind da mitgeschwommen. Relativ bald haben wir uns dann mit den Kollegen hier vor Ort getroffen, Tristan Vogt und Joachim Torbahn, die Beziehungen zur Ernst-Busch-Schule in Ostberlin mitgebracht haben. Deshalb haben wir sehr schnell nach der Öffnung Kontakte nach Ostberlin geknüpft und von der Schule Dozenten hierhergeholt, um gemeinsam Workshops zu machen. 
PAUL: Die Ursprünge liegen etwa 1983. Das figuren.theater.festival war da auch noch recht neu und frisch. Hauptberuflich arbeiten wir in dem Job seit ´86 und die Kontakte zu Tristan entstanden Ende der 80er. Teilweise hat er dann Regie bei uns gemacht, so waren wir schon verwoben, bevor wir dieses Haus gemeinsam eröffnet und umgebaut haben. Der Umbau begann Ende ´96, der Einzug war im Februar ´97. 

Hattet ihr vorher eine feste Spielstätte?
W: Jein. Wir haben unsere Probebühne immer noch am Dianaplatz in Gibitzenhof. Dort hatten wir eine Spielstätte, ich würde es nicht Theater nennen, für 50, 60 Kinder. Als wir dort gerade mit Renovieren fertig waren, es war wirklich in den letzten Zügen, kamen wir hier am Kino vorbei und da hing ein Aushang: Zu vermieten. Wir haben dann tatsächlich kaum in unserer Spielstätte gespielt, weil wir so schnell hierhergezogen sind. 
P: Der Drang war mit der Zusammenarbeit mit Joachim Torbahn verbunden. Wir haben ein Erwachsenenstück mit ihm geprobt und standen kurz vor der Premiere. Wir hatten aber alle das Gefühl, es ist zu eng, wir platzen in Gibitzenhof aus allen Nähten. Mit einem Auge haben wir also immer nach anderen Spielstätten Ausschau gehalten. Als wir dann hier reinkonnten, dachten wir, Mann, das ist genial! Es war aber zwei Wochen vor der Premiere und wir hatten eigentlich anderes zu tun, als dieses Haus publikumsfähig zu machen. Wir haben die Premiere in Gibitzenhof durchgezogen, es war bis unters Dach voll. Aber jedes Mal, wenn wir hier vorbeikamen, haben wir uns den Schlüssel vom Hausmeister geben lassen, um nochmal reinzuschauen. Das hat dazu geführt, dass wir kurz vor Weihnachten den Schlüssel fürs Haus bekamen und es in einer sechswöchigen Tag-und-Nacht-Aktion umgebaut und renoviert haben, gestrichen, Podeste reingezimmert … Sodass wir Ende Februar eröffnen konnten. 

Wie erinnert ihr euch an diese Einzugs- und Umbauphase? War das vor allem Vorfreude oder mehr Stress?
W:
Wir haben nicht gemerkt, dass es anstrengend und stressig war. Nein, es war reine Vorfreude. In der Zeit ist allgemein viel passiert. Gleichzeitig hat das Cinecitta aufgemacht. Es war eine Umbruchszeit. Man spürt, finde ich, ob der Rest der Welt down ist, oder abgeht. Das hat uns in gewisser Weise mitgezogen. Paul hat so ganz lapidar gesagt: Wir brauchen so lange, wie wir für eine Produktion brauchen, sechs Wochen. Damit war das Datum gesetzt und dann wird man auch fertig. Uns haben aber unglaublich viele Menschen geholfen, alles in Eigenarbeit, nur mit ehrenamtlichen Helfern. In unserem Kernteam gibt es zwei Frühaufsteher und zwei Nachtarbeiter, d.h. wir haben uns fast immer den Schlüssel in die Hand gegeben. Während Paul früh um 5 aufsteht, waren Joachim und ich gerade dabei, Schluss zu machen. Wir haben einen kleinen Film gedreht, wenn ich den heute anschaue, denke ich, was haben wir da geschuftet!

Wie seid ihr mit Figurentheater an sich in Berührung gekommen und was hat da die Magie für euch ausgemacht?
P: Ich habe damals in einem Heilerziehungspflegeheim als Erzieher gearbeitet. Da bekam einer unserer jungen Erwachsenen von seinen Eltern eine Hexe als Marionette zu Weihnachten. Ich hatte Weihnachten Dienst mit meinen 20 Jungs. An einem regnerischen Weihnachtstag saßen wir um den großen Tisch und ich wusste nicht so recht, was ich machen soll. Da fiel mir dieses Geschenk ein. Er bringt mir diese Hexe, eine total komplizierte Figur, ich nehme sie und springe auf den Tisch und spiele und improvisiere herum. Und als ich aufschaue, denke ich: Was ist denn hier los? 20 Jungs sitzen ganz gebannt um den Tisch. Wenn die mir einmal so aufmerksam zuhören würden, wie dieser Puppe! Das gibt’s doch nicht!
W: So kam Paul nach Hause und ich dachte mir, toll, ich brauche gerade ein Geschenk für Paul, ich kaufe ihm eine Marionette! Pustekuchen! Wir waren jung und hatten kein Geld. Also habe ich ihm ein Bastelbuch gekauft. So ging es los, dass wir Figuren gebaut haben. 
P: Mich hat das von da an nicht mehr losgelassen. Am Anfang habe ich alle Puppen selber gebaut, nachdem ich dann aber auf der Bühne mehr als Spieler aufgetreten bin, hatte ich die Zeit nicht mehr. Durch unser Spiel haben wir Kolleg*innen kennengelernt bis nach Prag, bei denen wir Figuren ordern können. 
W: So sind wir relativ schnell zu professionellen Figurenbauern übergangen, was ich manchmal schade finde, weil Paul auch ganz tolle Figuren baut. Aber man kann eben nicht alles auf einmal machen. Ich vergleiche uns immer gern mit Instrumentalisten. Die haben ein Instrument, das manchmal recht teuer ist und kompliziert hergestellt wird, aber dafür können sie auch ganz toll darauf spielen. Ein Sänger hat seine Stimme, die hat er im Griff oder nicht. Wir müssen jedes Mal ein neues Instrument lernen. Das ist der Reiz an der Sache, aber manchmal auch das Mühsame. 

Das heißt, jede Produktion hat einen neuen Satz an Figuren, die gebaut werden. Oder gibt es Figuren, die wiederauftauchen?
W:
Inzwischen gibt es ein Wiederauftauchen, aber erst seit kurz vor der Pandemie. Vorher war es ein ständiges Neuerfinden. Es ist fast ein Markenzeichen von uns: Wir haben nicht die eine Spielform. Daher fangen immer wieder von vorne an. Das macht es unheimlich interessant, aber auch zeitintensiv. Ich liebe aber diese Zeit, in der man nicht konkret am Stück arbeitet, sondern am Material sucht. Es gibt Theater, die immer die gleichen Figuren verwenden, die ihre Form gefunden haben und diese wiederholen. Wir haben mal ganz kleine Figuren, mal ganz große, mal Klappmaulfiguren, mal arbeiten wir mit Video, mal nur mit Material …

Wann war der Punkt, an dem ihr gesagt habt, es trägt sich, ihr könnt es beruflich machen?
W: Der Punkt, dass es sich trägt, kam sehr spät. Der Punkt, dass wir beschlossen haben, wir machen es, war an einem Freitagnachmittag, als ich an die Schule kam, keinen Parkplatz fand und mir gedacht habe: Ich kündige jetzt. Ich war Lehrerin vorher. Der Moment war wirklich so profan und ich kam heim und habe Paul gesagt, ich habe gekündigt. Wir haben natürlich vorher schon gemerkt: Nebenbei reicht uns nicht, das ist kein Hobby für uns. 

Wie würdet ihr euren künstlerischen Stil, euren Anspruch beschreiben?
W
: Ich suche immer wieder Neues, weil ich von Anfang an gesagt habe, ich höre auf, sobald es mich langweilt. Mir geht es da wie kleinen Kindern, die immer wieder etwas Neues zum Spielen brauchen. Ich liebe es, dass wir viele unterschiedliche Regisseure haben. Es ist immer wieder ein Neuanfang. Natürlich greift man auch gerne auf Leute zurück, die man kennt. Ich liebe es sehr, dass wir in diesen Dingen so frei sind. 
P: Inhaltlich gibt es immer ein Thema, in das wir uns reinbeißen. Die Unterhaltung darf aber natürlich trotzdem nicht zu kurz kommen. 

Was war der größte Schritt, den dieses Theater in den 25 oder noch mehr Jahren gegangen ist?
Wally:
Ich bin davon überzeugt, dass die Unterstützung, die wir über die Jahre bekommen haben uns sehr geholfen hat. Vor ein paar Jahren haben wir z.B. den Bayerischen Theaterpreis bekommen und uns deshalb ein Stück mit zwei Livemusikern gegönnt. Das hätten wir ohne die Förderung nie machen können. Danach haben wir das natürlich immer wieder wiederholt, weil wir gemerkt haben, da ist noch Potential, das ist etwas ganz Anderes. Das hat uns einen großen Schritt weitergebracht. Es hat uns gezeigt, dass man mit Profis einfach noch eine andere Stufe erreichen kann. 

Wie geht’s euch mit der Stadt? Ist es einfacher, schwieriger geworden, in Nürnberg Kultur zu machen?
W:
In der Verwaltung muss ich sagen, ist Nürnberg eine gute Stadt. Es war natürlich immer schwierig, Subventionen zu kriegen, einfach weil die Mittel nicht üppig vorhanden sind. Trotzdem haben wir eine gute Stadtpolitik und als freie Szene einen guten Kontakt zur Stadtpolitik. Was die Bürgerschaft angeht, merke ich deutlich, dass wir in einer sehr multikulturellen Stadt leben, es ist sehr bunt. Im Kindertheater kommen alle zu uns, weil sie müssen, dank Schule oder Kindergarten. Im Abendprogramm ist es nicht sehr durchwachsen. Ich glaube, es gibt einen großen Teil der Bevölkerung, den wir nicht erreichen. 

Ist das etwas, woran man arbeiten kann, oder ist das einfach so?
P:
Wir hatten eine Praktikantin, die während ihrer Ausbildung ein Theaterprojekt mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen gemacht hat. Die haben sich hier ein halbes Jahr lang getroffen und sind aktiv geworden. Aber das war eine zusätzliche Person, die lange bei uns war und das aufbauen konnte. So etwas wäre nötig, um da mehr zu erreichen. Im Moment wären wir personell überfordert.
W: Die soziokulturelle Geschichte der Stadt zeigt ganz deutlich, dass es geht, dass es aber immer ein langer Weg ist. Wenn wir Menschen, die nicht das klassische deutsche Theaterpublikum sind, hier haben, sind es jüngere Leute. Die älteren erreichen wir nicht, die kommen hier an und müssen sich etablieren und zurechtfinden. 

Ihr habt eure beiden Sparten angesprochen. Was ist für euch wichtiger oder auf welche würdet ihr eher verzichten?
W:
Verzichten!? Auf keine! Niemals! 
P: Mit dem Kindertheater verdient man sehr viel leichter Geld, weil mehr Publikum erreichbar ist. Ich mag daran, dass Kinder so wahnsinnig ehrlich sind, die klatschen nicht aus Anstand. Da weiß man genau, was los ist. Andererseits muss ich beim Erwachsenentheater nicht immer auf Kinder Rücksicht nehmen und an die Pädagogik denken. Das möchte ich nicht missen. 
W: In der Dramaturgie ist es tatsächlich eine große Befreiung, weil man ganz anders arbeiten kann. Im Kindertheater will man immer Hoffnung verbreiten. Im Erwachsenentheater kann man Sachen auch mal stehen lassen. Deswegen will ich mich da nie entscheiden. 

Wie wichtig ist für euch die freie Theaterszene in Nürnberg und das Netzwerk der Theater Pfütze, Gostner, Mummpitz etc.?
W:
Ich kann es mir gar nicht mehr ohne vorstellen, einfach, weil wir uns so gut zusammengefügt haben. Das ist auch im bundesdeutschen Vergleich phänomenal. Wir haben in der freien Szene ein gutes Vertrauensverhältnis zueinander, das ist nicht überall so, denn wir konkurrieren ja auch um die finanziellen Mittel. Auch mit dem Staatstheater haben wir einen guten Weg gefunden. Da das Staatstheater damals das Kindertheater an Mummpitz und Pfütze abgegeben hat, ist auch hier der Kontakt sehr intensiv. Wir können da nicht klagen. 
P: Es ist kulturpolitisch einfach eine Geschlossenheit vorhanden, durch die man Interessen viel, viel besser vertreten kann, als als einzelne Gruppe. Was sich in letzter Zeit entwickelt: In Bezug auf Nachhaltigkeit entstehen neue Verbindungen, da ging die Initiative vom Staatstheater aus. Jetzt entsteht z.B. ein Fundus-Pool, sodass man Sachen nicht mehr kaufen muss, die andere haben. Oder dass man sich gegenseitig die Fahrzeuge leiht, usw. 
Wally: Diese Netzwerkarbeit, die mit der Krise entstanden ist, ist ganz spannend. Das ist ein sehr großes Konglomerat, inklusive der städtischen Einrichtungen. Wir haben uns da zu einem Thema gefunden, das uns alle angeht und plötzlich waren alle Schranken abgebrochen. Ein bisschen aus der Not entstanden, weil wir alle gemerkt haben, meine Güte, wir müssen etwas tun. Aber ist ja nicht schlimm, wenn die Not dieses Gemeinschaftliche hervorruft. 

Gerade vor dem Hintergrund dieser seltsamen Zeit, Post-Corona, aber irgendwie auch nicht: Wie ist die Stimmung bei euch?
P:
Es ist tatsächlich so, dass wir uns freuen, wenn die Leute nicht mehr so vorsichtig sind. Wir treffen immer noch Leute an der Tür, die früher regelmäßig gekommen sind und momentan lieber noch warten. Auf der anderen Seite: Die Leute, die kommen – es ist unglaublich! Vor dem Lockdown habe ich es im Jahr vielleicht zwei, drei Mal erlebt, dass die Leute nach dem Stück nicht mehr von der Bühne wegkommen. Jetzt ist es kein einziges Mal nicht so. Es ist unglaublich, wie viel Kommunikation entsteht, da ist ein richtiges Vakuum zu spüren. 
W: Natürlich gibt es den zweiten Blick: Was bringt der Herbst? Ich sehe, dass die Krise nicht nur eine kleine ist, sondern eine weltweite, die erst mal noch bleiben wir. Selbst wenn die eine Krise weg ist, die Klimakrise bleibt sowieso und wird nicht übermorgen zu Ende sein. Dieses Bedürfnis unserer Gesellschaft nach Halt spüre ich sehr deutlich. Manchmal weiß ich nicht mehr, woher ich es nehmen soll, aber ich sehe als Aufgabe von uns Theatern an, den Menschen diesen Halt zu eben. Denn wir werden nicht in glückliche Zeiten rutschen. Wir werden weiterhin Probleme bewältigen müssen. Deshalb glaube ich, dass Theater noch wichtiger werden wird. Bisher konnte man sich auch mal larifari unterhalten und froh sein. Jetzt glaube ich, kann Theater eine seelische Stütze sein. 

Macht das auch die Auswahl der Stücke schwieriger, weil man einschätzen muss, was das Publikum gerade braucht?
W:
Ich kann immer nur dieses Theater machen, das für mich gerade brennend ist, weil ich Sorgen habe oder etwas bewältigen will. Meistens habe ich irgendeinen Bezug zu unserem Thema. Andere Theater haben dann wiederum einen anderen Blickwinkel und so können wir das gemeinsam auffangen. Ich sehe es nicht als meine Aufgabe, alle Themen zu bewältigen. Diese Freiheit brauche ich, sonst wird es wieder Pädagogik.
P: Interessant finde ich: Es entsteht im Gespräch, welche neuen Stücke drankommen. Es ist ein Entwicklungsprozess. Jetzt bei „Der Besuch der alten Dame“: Da kommt jemand und erpresst einen Anderen mit Geld, sie sanktioniert quasi die Bevölkerung. Das ist ein wahnsinniges gesellschaftliches Problem, das da berührt wird. Trotzdem suchen wir nichts schematisch aus. Das ist eher ein Bedürfnis, das auf der Bühne Ausdruck findet. 
W: Ich merke sehr oft in meinem Leben, dass die Stücke, die wir ausgesucht haben, irgendwo gegoren sind. Ich hätte nie gedacht, dass Geld nochmal so wichtig wird. Jetzt sitzen wir hier und fragen uns, kann ich es mir noch leisten, die Heizung anzumachen? Das hätte ich, als ich die „Dame“ ausgesucht habe, nie gedacht. Ich vermute, dass das Schicksal uns dahin geführt hat und darauf vertraue ich auch. 

Das heißt, das Stück war ausgesucht, bevor die Zeitgeschichte ihm einen neuen Rahmen gegeben hat?
W:
Da war von Krieg z.B. noch gar nicht die Rede, also für mich zumindest nicht …
P: Vielleicht war es ein bisschen angestoßen durch den Lockdown, weil wir im ersten Lockdown völlig vor dem Zusammenbruch standen, wie viele andere auch. Das spiegelt sich in diesem Städtchen Güllen, das ist bankrott, was macht man da?
Was kann man ästhetisch von dem Stück erwarten?
W: Dürrenmatt ist sehr inhaltlich, sehr sarkastisch und dennoch sehr humorvoll. Es ist nicht umsonst ein Klassiker, der immer noch gespielt wird. Diese Klassiker haben es an sich, dass sie Themen, die immer wieder aktuell werden, auf die Bühne bringen. Ich glaube, dieser Zwiespalt, den ich bei Dürrenmatt immer wieder spüre: Ist der Mensch gut oder schlecht?, ist das, was wir auf der Bühne zeigen wollen. Er fragt nach der Moral, gibt aber keine Antwort. Das finde ich ganz toll. Man kann auf manche Sachen keine Antwort geben. 

Wie schaut die Zukunft Salz+Pfeffer aus, worauf freut ihr euch?
W:
Ich freue mich aufs nächste Gastspiel im Oktober, weil die Gastspiele lange Zeit kein Thema waren. Und zwar ist das ein Figurentheaterfestival in Brühl, da machen wir das Abendstück zur Eröffnung. Es ist toll, die Hoffnung zu haben, dass es wieder so richtig losgeht. Und ich freue mich darauf, diese 25 Jahre mit unserem Stadtteil zu teilen. Wir wollen den Stadtteil beleben, bespielen und begrünen.

Wir werden ein Auge darauf haben! Lieben Dank euch beiden für das Gespräch!   

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Wally und Paul Schmidt
leiten gemeinschaftlich und seit 1983 das Theater Salz+Pfeffer, was nicht nur Arbeit hinter den Kulissen bedeutet, sondern auch: Figuren spielen und als Mensch auf der Bühne stehen. Seit 1997 hat das Theater Salz+Pfeffer als anspruchsvolles Figurentheater für Kinder und Erwachsene in Nürnberg seine Heimat am Plärrer gefunden, im ehemaligen Filmtheater Kali. Das Theater Salz+Pfeffer spielt 100 bis 130 Aufführungen pro Jahr, ist Teil des figuren.theater.festivals und des Kindertheaterfestivals Panoptikum und seit vergangenem Jahr gemeinwohlzertifiziert. 

Am 7.10. Premiere von Friedrich Dürrenmatts „Besuch der alten Dame“. 

 




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