Labor der Gegenwart 1: Neon im Museum

18. FEBRUAR 2022 - 8. MAI 2022, NEUES MUSEUM

#Ausstellung, #Dr. Marian Wild, #Igers Nürnberg, #Keith Sonnier, #Kunst, #Labor der Gegenwart, #Museum, #Neues Museum, #Retrospektive

curt und die Kunst – das gehört längst zusammen. Redaktionell auf jeden Fall, emotional sowieso. Nun haben wir eine neue Strecke im Magazin und Online, die unsere sowieso schon immer feine Partnerschaft mit Nürnbergs erster Adresse für zeitgenössische Kunst ganz offiziell macht. Was wird sich da der Matthias Egersdörfer freuen, dass wir seinem Rat, die „Discodeppenpostille“ zum Feuilleton der Region zu machen, auch noch nach so vielen Jahren beherzen und weiter ausbauen!

Die aktuelle Ausstellung zu Keith Sonnier ist mehr als nur große Retrospektive: Die Werke umarmen ihre Gegenüber in der dunklen Jahreszeit mit buntem, mittelamerikanischem Licht.

Pink und orange strahlen zwei Werke von Sonnier von der Wendeltreppe aus auf den Klarissenplatz (Bild 1). Das ikonische Architekturelement von Volker Staab hat schon einige Transformationen erlebt, es wurde von Daniel Buren mit silbernen Streifen beklebt oder bot das Umfeld für eine japanische Teehauszeremonie. Seit November strahlen also Neonfarben hier, im Eingangsbereich des Neuen Museums, und die Laufzeit ist gut gewählt: Je früher die Stadt sich verdunkelt, desto massiver werden die Lichträume des US-amerikanischen Malers und Bildhauers aus Louisiana, der sich in seinem über 50 Jahre langen Schaffen von Leinwänden und Materialcollagen zum bemalten Readymade, beleuchteten Glaskörper und zur filmischen Lichtprojektion vorarbeitete um irgendwann die farbigen Neonröhren und ihre Eigenstofflichkeit für seine Körper zu entdecken und innerhalb der Strömung der New Sculpture zu nutzen. Immer wieder wandern archäologische Versatzstücke in die Nähe dieser buntleuchtenden Zeichen, ein Hinweis auf das Zweitfach Anthropologie, das Sonnier studierte, manche Felsen sind bemalt, erinnern an Gesichter und menschliche Körper. In seinen späten Arbeiten werden die monumentalen Ammoniten zu politischen Bedeutungsträgern (Bild 3 + 4), hinterfragen die Vergänglichkeit von globaler Vormacht und Nationalstolz, aber die inhaltliche Ebene soll – diesmal – nicht die zentrale Frage sein. Ein warmes, poetisches Tageslicht erlebte Sonnier in seiner Heimat, wie er in Interviews erzählt hat; Louisiana, der von französischen Siedlern und kreolischer Kultur geprägte südliche Bundesstaat am Golf von Mexiko, bietet dem Beobachter blubbernde Mangrovensümpfe, in der Sommerhitze flirrende Felder und die legendäre Stadt New Orleans, einen Schmelztiegel für Musik und Kunst. Mit antropologischem Gespür widmet Sonnier sich auch dem Konzept hinter manchen seinen Arbeiten: „Ba-O-Bab“ meint zum Beispiel ein hawaiianisches Boot; in manchen Wandarbeiten der 1990er-Jahre werden die Leuchtobjekte zu fremdartigen Schriftsymbolen, zu Leuchtskulpturen der Sprache. Der längere Besuch in Paris in den 1960er-Jahren, zum Malen, ist nach diesen Eindrücken nachvollziehbar, und wer die Pariser Straßen bei Nacht kennt, wird diese womöglich in der zweiten Abbildung wiedererkennen. Seinen Abschluss macht Sonnier kurz darauf in New York, der anderen „Electric City“, mit dem niemals verstummenden Broadway. Wie kristallisierte Musik schwingen manche der Neonröhren kaltblau aus den kompakten Gebilden heraus (Bild 5), sie wirken wie Hommagen an die pulsierenden Kraftzentren großstädtischen Lebens.

Das Neue Museum wird durch Keith Sonnier noch bis in den Frühling hinein eines dieser Kraftzentren sein, ein Ort zum Versinken im Licht und zum geradezu stofflichen Fühlen der französischen Blasmusikparade einer internationalen, US-amerikanischen Region.
Wenn man einen Tipp geben darf: Kommt nach Sonnenuntergang!

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KEITH SONNIER – LIGHTSOME
@ Neues Museum Nürnberg, Klarissenplatz, Nbg.
verlängert bis 08. Mai.
www.nmn.de

FOTO-Kooperation
Die Fotografien des Reviews wurden uns wundervollerweise von den igers Nürnberg zur Verfügung gestellt. Die Gruppe aus Fotograf*innen besucht regelmäßig Ausstellungen und Kulturveranstaltungen auf ihren instawalks und zeigen die oft spektakulären Ergebnisse auf ihrem offiziellen Instagram-Account:
@igers_nuernberg
In der Keith-Sonnier-Ausstellung hat die Gruppe die überwältigende Strahlkraft der Werke beeindruckend festgehalten. Danke für die Kooperation!

 




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