Zerknüllt und zugestellt: Das Haus Of Skala endet bitter

DONNERSTAG, 21. OKTOBER 2021, LORENZKIRCHE

#Ausstellung, #Baustelle, #Dr. Marian Wild, #Haus of Skala, #Lorenzkirche, #Otakar Skala, #Performance

Es war eine der künstlerisch aufregendsten Aktionen des Jahres. Inmitten der Nürnberger Altstadt, an der Baustelle der in Restaurierung befindlichen Lorenzkirche, hingen seit Mitte August großformatige Bilder des Performance-Künstlers Otakar Skala (Disclaimer: kuratiert mit kundiger Hand von unserem curt-Mitarbeiter Marian Wild). Begleitet wurde das Haus of Skala von einem performativen Programm. Und von Anfang an war klar, dass das eine Aktion ist, mit der sich eine bayerische Stadt vielleicht erstmal anfreunden muss, die vielleicht auch Gegenwind erzeugen kann. Dass sie nun endet, hat aber eher mit ignoranz zu tun.   

Die ersten Beschädigungen der großformatigen Planen tauchten nur fünf Tage nach Eröffnung auf. Otakar flickte seine Kunst mit Tape und erklärte die Reparatur zum Teil der Rezeptionsgeschichte, die im Werk sichtbar wird. Die Beschädiger hatten natürlich vor allem sich selbst und die eigene Blödheit offenbar. 

Ein solcher, kunstfeindlicher Vandalismus ist bei einem Werk im öffentlichen Raum nie vollständig auszuschließen (die Fotoszene, die an selber Stelle ausstellt, kann da ebenfalls Lieder von singen). Dass es nun allerdings keine Finissage des Haus of Skala geben wird, ist nicht den anonymen Deppen, sondern der Stadt und der restaurierenden Architekturfirma zu verdanken. Vor einer Woche verkündete Otakar auf seiner Instagram-Seite, dass seine Ausstellung ohne Finissage und Abschlussperformance enden muss. Die Baustellen rund um das Haus of Skala haben sich so entwickelt, dass Otakar schlicht der Platz für seinen Epilog fehlt. 

Von Anfang an war die Ausstellung eine kommunikative Herausforderung. Die Pfarrerin der Lorenzer Gemeinde, Claudia Voigt-Grabenstein, habe immer wieder Rücksprache mit dem Architekturbüro gehalten, zum Beispiel, um rechtzeitig in Erfahrung zu bringen, wann Wände entfernt werden, auf denen sich Bilder befinden. Anfang vergangener Woche hatte Otakar einen Termin vereinbart, um eine der Planen aus diesem Grund abzuhängen. “Als ich ankam”, erzählt Otakar am Telefon, “war die Plane nicht mehr da und wo die Performance stattfinden sollte, stand ein Aufzug für das Dachgerüst." Sein Kunstwerk fand der Künstler, wie er sagt, zerknüllt in eine Ecke geworfen. Die Entferung sei ohne Absprache durchgeführt worden. 

Hinzu kämen zweitens seit einigen Wochen die Pflasterarbeiten, die die Stadt zwischen Lorenzkirche und Sparkasse durchführen lässt, was nicht nur dazu geführt habe, dass die Planen von den Ablagerungen der Arbeiten beschmutzt wurden, sondern auch dass Mitarbeiter*innen unter anderen Bauzäune und Steine an der Ausstellung anlehnten. “Als ich das zum ersten Mal gesehen habe, war ich schon sehr überrascht”, sagt Otakar ziemlich gefasst. Die Baustelle sei aufgetaucht, ohne dass irgendjemand vorher informiert wurde. “Das alles hat dann zu einer Mail geführt, in der wir formuliert haben, dass diese Pflasterarbeiten stören und wir gerne wüssten, wie lange der Aufzug dort stehen bleibt.” 

Nachdem sich erneut die Pfarrerin für Otakar eingesetzt hatte, erhielt er tatsächlich auch eine Antwort vom Architekturbüro Conn und Giersch, die dem curt vorliegt. Der Gerüstrückbau sei ohne Transportbbühne nicht möglich, die Rückbauten erfolgten wie im Bauzeitplan verzeichnet, eine Änderung der Bauabläufe sei nicht möglich. Marian Wild widerspricht dieser Darstellung: “Unsere Termine sind seit Juni mit allen abgesprochen. Wir wussten, an der Baustelle könnte sich noch etwas ändern. Es hieß aber immer, im Oktober kommt nocht nichts.” Otakar sagt, zumindest sei nun klar kommuniziert worden, dass der Aufzug, die Transportbühne, nicht vor Samstag entfernt würde und ihm dadurch die Bühne wegfällt. “Es geht aber auch um die Beschädigung von fremdem Eigentum. Ich würde mich mit sehr wenig zufrieden geben, es tut uns leid würde mir reichen. Das steht da aber nirgends.” 

Was die Pflasterarbeiten angeht, habe die Stadt, die ja auch als Kooperationsparterin des Haus of Skala auftritt, versprochen, die Verantwortlichen für den Umgang mit den Planen zu finden. Seitdem habe er nichts mehr gehört. Die gesamte Situation habe letztlich dazu geführt, dass ihm klar geworden sei, dass er seinem Publikum am Samstag keine “provisorische Halblösung anbieten möchte.” Die Ausstellung sei momentan teils verdeckt, der Platz, den er sich ausgesucht habe, steht nicht zur Verfügung, vor dem Programmaushang steht ein Dixie-Klo. Insgesamt ziemlich beschämend, dass ein Projekt, das so hoffnungsvoll startet, getragen von vielen Schultern, auch denen der Stadt Nürnberg, am Ende auf die Art mit Füßen getreten wird. Und irgendwie doch leider wieder bezeichnend für den Zustand der Dinge in Franken. 

Otakar Skala selbst wirkt im Gespräch, wie schon nach den Beschädigungen, eher schmunzelnd als sauer. “Ich finde es schade für die Leute”, sagt er, “die sich auf das Ende gefreut hatten und da jetzt vielleicht noch auftauchen.” Den zerschnittenen Teil der Plane wollte er am Samstag für den Fliederlich e.V. versteigern, auch das falle nun weg. “Aber ich nehme das nicht persönlich” so der Künstler weiter. “Man weiß, wie Baustellen funktionieren und wie die Stadt funktioniert. Damit gehe ich lieber humorvoll oder ironisch um, als es mir zu Herzen zu nehmen.” 

Was mit den Ausstellungsstücken des Haus of Skala als nächstes passiert, wisse er noch nicht. Die konzeptuelle Arbeit bleibe für ihn lebend und weiter in Bearbeitung. Die Schlussperformance, das Epiloge, der sich direkt auf den Verlauf der Ausstellung bezogen hätte, wird aber nicht anderswo aufgeführt werden. 

www.otakarskala.com   
 




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