Einmal so leben, wie die Punks feiern - V-MANN

SAMSTAG, 14. AUGUST 2021

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Die Ausstellung „V-Mann“ im Galeriehaus Nord war von der Eröffnung bis zum Schlussakt eigentlich ein als Ausstellung getarntes Punkfestival. Ich war Redner bei der Eröffnung. Eine kleine Liebeserklärung von Eurem Marian.

 
 


Eine Horde war es, mit Hunden, Bierflaschen, Metall in allen Körperöffnungen, den sichtbaren und unsichtbaren, Irokesen bis zum Balkon, schreiend, rülpsend, kotzend, Bier saufend, laut. Und liebenswert. Die Nürnberger Subkultur hat einen Abend lang das Galeriehaus Nord in Besitz genommen, und plötzlich muss man alles, was man so über Vernissagen zu wissen glaubt, überdenken. Im Garten, bei strahlendem Wetter, wurde die Bühne aufgebaut, unter einem Apfelbaum, der ständig mit Mikroäpfeln auf uns zielte, als sei er nicht einverstanden mit dem, was bald unter seinen Ästen passieren sollte. Das Setting war dadurch zumindest ungewöhnlich, wie auch die Ausstellung: Mit einem klassischen Kunstgeschichtevortrag komme ich da besser nicht, dachte ich mir mit Blick auf das furzende Publikum, immerhin gute 80 Prozent der Zuhörerschaft; wenn 40 Punks einem potentiell 160 Bierflaschen entgegenwerfen können, falls es zu dröge wird, da wird man demütig. Also Angriff als die beste Verteidigung, und was war das für ein heilloses Durcheinander: Jungpunks, die dazwischen schreien, grölende Altvordere, die mal zustimmen, mal protestieren (und etwas zögern, als ich ihnen sage, dass sie viel spießiger sind als sie es gerne hätten), ein gerührter Steve Braun mittendrin. Zustände wie im bayerischen Bierzelt, nur mit besserem politischen Spirit, provokativ, manchmal over the top, aber aufrichtig an den Exzess gehuldigt. So wird der Asoziale Landesvater der APPD, Nille, auch in seiner anschließenden Lesung auf seine unheilvolle Begegnung mit Querdenkern abzielen (unheilvoll für die, muss man sagen). Und spätestens da merkt man, zwischen die Fassade aus Bier und Kotze und das Herz aus Stahlketten und farbigen Irokesen, da passt bei den Jungs und Mädels (und auch allem dazwischen) noch eine gehörige Schicht an gar nicht unvernünftiger Gesellschaftskritik, Antifaschismus, Antirassismus, Anti-Idiotie. „Ja, wir wollen nach wie vor die Rückverdummung der Menschheit“, sagt Nille ganz im Stil des APPD-Parteiprogramms, aber, mit Blick auf die Coronaleugner „doch bitte nicht so!!“ Thematisch war die Eröffnung rund, die Performance zu Steves Buch und zu den über viele Jahre gesammelten und geschossenen Insiderfotos der Nürnberger Punkszene, die im Galeriehaus, gerahmt und bestens kuratiert, nun ausgestellt wurden. Dazwischen auch tolle Grafikdesigns, Videos, eine rätselhafte Stoffskulptur aus Steves aufgebrauchten Shorts. Wirklich beschreiben kann man das alles nicht, darum wurden dem Text die Videos der Reden untergemischt, und die Fotos von Ausstellung und Eröffnung auch. Soll sich doch jede und jeder sein eigenes Bild von dem ganzen Irrsinn machen, ich bereue diese Liebe nicht.

Noch bis 15. August
STEVE BRAUN – V-MANN
GALERIEHAUS NORD
Wurzelbauerstraße 29, Nbg.
galeriehaus-nuernberg-nord.de/




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