Auf dem Weg zur Zero Waste City: RE:NUE das Institut für Müllvermeidung

DIENSTAG, 12. JANUAR 2021, NüRNBERG

#Anne Mäusbacher, #Bluepingu e.V., #Kai Küffner, #Müllvermeidung, #RE:NUE, #Roland Mietke, #Zero Waste

Im vergangenen Sommer konnte man immer wieder Menschen beobachten, die mit Greifzangen und Müllbeuteln bewaffnet um den Wöhrder See und die Wöhrder Wiese spazierten. An 16 Samstagen befreiten die Zero Waste Helden die Wiesen, auf denen die Nürnberger*innen sich in der Freizeit die Sonne auf die Platte scheinen lassen, von Müll. Natürlich nicht ohne den angefallenen Dreck vorher dokumentarisch zu fotografieren. Wenn schon so viel Müll anfällt – was zu vermeiden wäre – so sollte er wenigstens im Eimer und nicht auf der Wiese zerfallen. 

Was bei der Aktion deutlich wurde, sagt Zero-Waste-Held Roland Mietke, sei klar: “Es gibt zu wenig Mülleimer, die sind zu klein und der Leerungs-Rhythmus ist auch nicht optimal.” Die Gruppe steht während der Aktion mit Bürgermeister Christian Vogel in Kontakt. Die Zero Waste Helden wollen nicht städtische Säuberungspflichten übernehmen, sondern langfristige Veränderungen erwirken. Auf dem Weg zur Zero-Waste-City. “Unsere Vorschläge”, sagt Mietke, der eine nachhaltige Design-Agentur betreibt, “wurden halbherzig bis gar nicht umgesetzt.”

In fünf Jahren ehrenamtlicher Arbeit hat er diese Erfahrung immer wieder machen müssen. Mietke ist Idealist, Gründer der Bluepingu-Zero-Waste-Gruppe, Klimacamper, Müllvermeidungs- und Anti-Verschwendungs-Experte und überzeugt, dass demokratisches, bürgerschaftliches Engagement echte Veränderung zeitigen kann. Er sei anfangs überrascht gewesen, sagt er, wie schnell man mit dem Thema auf kommunaler Ebene Ansprechpartner*innen in verantwortlichen Positionen findet, im Umweltreferat, im Wirtschaftsreferat, in der Abfallwirtschaft. “Im November haben wir uns dann erstmals die Frage gestellt, ob wir vielleicht nur weitergereicht werden. Ob die froh sind, wenn die Tür hinter uns wieder zugeht.”

Das soll in Zukunft anders werden. Um Kräfte zu bündeln, mehr Durchschlagskraft zu entwickeln und ja, auch um Geld mit dieser Arbeit verdienen zu können, gründet Roland Mietke, unter anderem mit Beachcleanerin Anne Mäusbacher und Grünen-Stadtrat und Nussecken-König Kai Küffner RE:NUE, das [Bürger*innen] Institut. Nue steht dabei natürlich für Nürnberg, aber auch für new, also Erneuerung, Neuanfang, Re für Reset und Regenerate, Resource, Relax, Reinvent, Respect, Reuse und, und, und. Der Name des Insituts ist schon mal ganz schön clever. 

Dass man sich vielleicht anders organisieren müsste, um neben kleinen Unternehmen und Einrichtungen wie beispielsweise Kindergärten auch Kommunen beraten zu können, war Mietke und co. schon länger klar. Die Initialzündung für RE:NUE war dann aber eine konkrete Anfrage aus dem Umweltreferat. Im Rahmen eines Hearings möchten die Stadträtinnen und -räte gern über die Themen der Zero-Waste-Gruppe informiert werden: nachhaltige Entwicklungsziele, Cradle to Cradle, Kreislaufwirtschaft, etc. Mietke: “Wir haben gesagt, wenn ihr möchtet, dass wir das vorbereiten und dass wir unser Netzwerk nutzen, um Experten einzuladen, braucht es dafür ein Budget. Jezt warten wir auf eine Antwort.” Er habe, sagt der Designer, bereits ausreichend Karma-Punkte mit ehrenamtlicher Arbeit gesammelt. Diese Leistung koste einfach Geld. Mit Hilfe des Instituts wolle man in der Hinsicht professioneller auftreten. 

Momentan geht es noch darum, die künftige Rechtsform der Organisation zu klären. In den kommenden Jahren will sich RE:NUE dann der Beratungs- und Bildungsarbeit für Bürger*innen, Unternehmen und eben Kommunen widmen. Das Einsatzgebiet ist dabei nicht auf Nürnberg, nicht auf Mittelfranken oder überhaupt Bayern beschränkt. Man stehe, so Mietke, bereits jetzt in Kontakt mit Menschen in ganz Deutschland. Viele Kommunen hätten nachhaltige Ziele, die verantwortlichen Politiker*innen kennen diese aber oft gar nicht. “Stadträte”, sagt er, “sind eben Politiker, niemals Experten in Sachen Energie- oder Mobilitätswende.” 

Es sei wichtig, Maßnahmen zu formulieren und anzubieten, deren Umsetzung im Hoheitsgebiet der jeweiligen Kommune liegt und die gleichzeitig keine Insellösungen sind, sondern eingebettet in ein größeres Konzept. Im vergangenen Jahr motivierten die Zero Waste Held*innen zwölf Nürnberger Eisdielen, ihren Kund*innen Möglichkeiten zur Müllvermeidung anzubieten, zum Beispiel durch Verwendung eines mitgebrachten Bechers oder Pfandsysteme. Solche Dinge könnte auch die Stadt selbst erwirken, findet Mietke, der dabei zum Beispiel an den Eisverkauf am Wöhrder See denkt. “Da müsste man die Auflage machen, du darfst da nur verkaufen, wenn dabei weniger Verpackungsmüll anfällt.” 

Momentan befinden sich rund zehn Unternehmen und Einrichtungen in Zusammenarbeit mit Zero Waste auf dem Weg zur absoluten Müllvermeidung, darunter zum Beispiel das Programmkino Casablanca. Diese Arbeit soll auch in Zukunft weiterhin ehrenamtlich oder gegen Spende möglich sein. Weil die Sache zählt. Die Stadt könnte sich hier bereits einiges abschauen, findet Mietke. Oder: Hätte sich schon lange einiges abschauen können. “Wir gründen RE:NUE auch, weil wir mit unserem Latein am Ende sind. Wir müssen neue Mechanismen entwickeln, um unsere Ideen da reinzukriegen. Vielleicht sagen wir dann in einem halben Jahr wieder, wir brauchen mehr Mülleimer. Aber dann sagen wir es anders.” 

Roland Mietke und seine Mitstreiter*innen werden sich nicht entmutigen lassen. Weil sie wissen, dass sie das Richtige tun. Aber warum eigentlich Müll, warum der Strohhalm und der Plastikbecher und nicht das Windrad? “Waste”, sagt Mietke, “heißt auch Verschwendung. Es geht um bedachten Konsum. Aber Müll ist ein unendlich großer Hebel. Das Plastikröhrla benutzt du fünf Minuten, es hat aber ewig gedauert, bis, durch die Erdölraffinerie und die Fabrik, das herzustellen. Und dabei wird CO2 ausgestoßen. Das Röhrla zerfällt in Mikroplastik und setzt Giftstoffe frei. Die ganze Welt ist bis zu den Polen angereichert mit Kunststoff. Selbst wenn es ab morgen keinen Plastikeintrag mehr gibt, bekommen wir es nicht mehr aus dem Meer. Mit dem einzelnen Strohhalm oder Pappbecher hat das erstmal nichts zu tun. Aber die haben Millionen von Brüdern.”  

RE:NUE – Ein Hub der Nachhaltigkeit für Bürger, Unternehmen, Stadt NUE & Region.
www.instagram.com/re_nue

Zero Waste Helden
www.zero-waste-helden.de 




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