Bluepingu: Der N.Ort – ein Ort mit vielen Gesichtern

DONNERSTAG, 3. DEZEMBER 2020

#Bluepingu e.V., #Hello Pegnitz, #Kultur, #Kulturmagazin, #N.Ort, #Printmagazin, #Stadtmagazin

TEXT VON FRANK BRAUN. Seit 2006 gibt es die Transition Town Bewegung, seit 2009 Bluepingu als Nürnberger Transition Town Initiative. Die Bewegung will inspirieren und Mut machen, selbst Teil der nötigen Veränderungen zu sein. Ein Projekt, das dies in den letzten Jahren auf besondere Weise getan hat, ist der N.ORT, aber was bitte schön ist denn ein N.ORT? Ich habe mich dazu mit der Bluepingu-Aktivistin Jana Stadtler, eine der N.ORT Initiator*innen unterhalten, um diesen Ort etwas genauer vorzustellen.

Was entsteht, wenn eine Projektmanagerin für Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen, eine Lehrerin, ein Architekt, eine Sozialarbeiterin, ein Doktorand zur Speicherung für erneuerbare Energien, eine Umweltwissenschaftlerin und eine Kulturwissenschaftlerin gemeinsam kreativ werden? Viele wunderbar kreative Sachen und Orte, ein N.ORT eben!

Fank: Hallo Jana, was genau ist denn nun dieser N.ORT und wie kam es eigentlich zu dieser Idee?
Jana: Vor ungefähr zweieinhalb Jahren hatte ich mit ein paar Freunden die Idee, ein Teehaus zu eröffnen. Wir begannen uns darüber Gedanken zu machen, wie wir das realisieren könnten und bald wurde aus dem Teehaus ein mobiles Tee- und Kaffeehaus, das aus geretteten Lebensmitteln Leckereien zaubern sollte. Daraus entwickelte sich so nach und nach die Idee des N.ORT. Dabei steht N mal für Nürnberg, mal für einen Nicht-Ort, mal für einen uN-Ort. Daraus wurde dann unser erstes Projekt, das mobile N.ORT Café. Es ist ein mobiles Pop-up-Café, das weggeworfenen Ressourcen ihren Wert zurückgibt und aus öffentlichen – aber bislang ungenutzten – Orten, neue Begegnungsräume in Nürnberg schafft. Aus weggeworfenem Holz von Baustellen haben wir das Café gebaut. Durch das Aufklappen der flügelartigen Seitenflächen verwandelt sich die fahrbare Struktur in sekundenschnelle in Sitzgelegenheiten für ein Café, Küche oder eine Bühne. Im Inneren befindet sich eine Küche und Lagerraum. So kann das N.ORT Café schnell an einem potenziell aufwertbaren Ort eröffnet werden: die Flügelflächen werden aufgeklappt und los geht’s mit dem N.ORT Café. Der Stadtraum wird somit auf niederschwelliger Ebene erweitert. Wir hatten unglaublich viel Spaß bei der Entwicklung und Umsetzung dieser Idee. Unser unterschiedlicher beruflicher Hintergrund war dabei ein toller Nährboden, wo wir im Prozess auch so viel voneinander lernen konnten. Und das sollte auch das zentrale Thema unseres N.ORTs bleiben: spielerisch, SINN-voll und mit Spaß Orte in unserer Stadt mit Leben zu füllen.

Und dann kam das Kulturhauptstädla, auch für Bluepingu insgesamt sicherlich ein absoluter Höhepunkt in unserer bunten Geschichte. Das war ja dann noch mal eine ganz andere Hausnummer.
In der Tat.  In der Tat. Nach unserer erfolgreichen Bewerbung bei einem Open Call für die Kulturhaupstadt-Bewerbung der Stadt Nürnberg, bei dem unser N.ORT Café tatsächlich ausgewählt und mit 5000 Euro gefördert wurde, blieben wir mit dem N2025 Büro eng im Kontakt. Bald schon kam uns die Idee des Kulturhauptstädtlas. Umsetzbar wurde das Ganze dann auch dadurch, dass Benny die Idee zu seiner Masterarbeit machte. Direkt vor dem Staatstheater am Richard-Wagner-Platz ist dann Ende Juni bis Ende Juli 2019 dieser wunderbare Ort der Vielfalt entstanden, ein Begegnungs- und Entdeckungsraum. Das Kulturhauptstädtla hat als Ausstellungspavillon eine sonst schlecht im Stadtraum integrierte Stelle Nürnbergs temporär transformiert und dort Kulturschaffenden und Bürger*innen die Möglichkeit gegeben, diesen Raum gemeinsam zu gestalten und aufzuwerten. So entstand ein Ort, der es schaffte, Synergien zwischen den verschiedenen Nutzer*innen, Initiativen und Besucher*innen zu schaffen. Es wurde gekocht, getanzt, gelacht, Vorträge und Filme wurden gezeigt und immer gab es auch offene Räume, die Menschen gemeinsam gestalten konnten. Nebenbei machte der Ort auf dringliche Themen wie die Nutzung urbaner Lebensräume und Ressourcenverschwendung aufmerksam. Es war wunderbar zu sehen, wie viele Menschen und Gruppen am Ende zu der Gestaltung dieses N.ORTs beigetragen haben. Am Anfang war es noch ein recht kleines Team, als wir dann im Oktober unsere Dankeschönfeier gemacht haben, waren 60 Leute da. Das war wirklich beeindruckend. Wir hatten auch unglaubliches Glück mit dem Wetter, das hat sicherlich auch geholfen.

Auch in diesem Corona-Jahr seid ihr kreativ gewesen. „Hello Pegnitz. Frame it“ hieß euer jüngstes Projekt.
Mitten durch unsere Stadt fließt mit der Pegnitz so viel Potenzial für Lebensqualität und Naherholung und doch findet der Fluss, der durch das Herz unserer Stadt fließt, meist kaum Beachtung. Wir wollten mit dem Projekt der Pegnitz mehr Aufmerksamkeit schenken. Vom 16. September bis 31. Oktober hatten wir dafür an drei verschiedenen Orten in der Nürnberger Innenstadt Installationen aufgebaut, die einen veränderten Blickwinkel auf die Pegnitz bieten sollten. Wir wollten den Fluss sichtbarer machen und mit unseren „Frame it-Stationen“ die Möglichkeiten dieses Ortes vor Augen führen und zum Nachdenken anregen, wie man die Orte entlang der Pegnitz besser nutzen könnte. Wie immer waren die Konstruktionen aus Holz und wiederverwerteten Materialien. Es gab verschiedenste Programmpunkte an den drei Orten: Konzerte, Infoabende und Filmveranstaltungen. Auch wollten wir Künstler:innen und Freischaffenden in diesem schwierigen Jahr eine kleine Bühne bieten. Auch ein Café mit geretteten Lebensmitteln gab es im Rahmen des Projekts natürlich wieder. Einmal haben die Lebensmittelretter alle an einem Tag geretteten Lebensmittel an unserer Station aufgetürmt. Unglaublich, was da zusammengekommen war. Solche Dinge müssen sich einfach ändern! Mit dem Projekt „Hello Pegnitz“ haben wir einen Nicht-Ort, weil kaum/nichtgenutzen/wenig genutzter Ort in unserer Stadt, die Pegnitz, in den Mittelpunkt gestellt. Wir hoffen, dass es Lust darauf gemacht hat, diesen Raum neu wertzuschätzen.

Danke für all die bereichernden Momente, die ihr uns in den letzten zweieinhalb Jahren geschenkt habt!

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Bluepingu ist unglaublich vielfältig – und hat auch eine tolle Mediathek mit Büchern und Filmen zu allen Themenbereichen nachhaltiger Entwicklung, die man sich kostenlos in unserem Büro im CPH in der Königstr. 64 ausleihen könnt. Ladet euch Menschen zu einem Filmabend ein und diskutiert danach darüber, was das für euch und unsere Stadt heißen könnte! Vielleicht entsteht ja dabei das nächste Projekt, um Orte zu schaffen, die dabei helfen, eine nachhaltige und gerechte Zukunft zu bauen. Wenn ihr bei Bluepingu mitmachen wollt, dann kommt bei einem der Treffen vorbei oder schreibt an Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, du musst Javascript aktivieren, damit du sie sehen kannst Auch in Corona-Zeiten finden viele der Treffen statt. Leider online, aber immerhin.

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Bluepingu e.V.
ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in Nürnberg, der sich im Jahr 2008 formiert hat, um „(die) Franken zu einem nachhaltigen Lebensmodell zu bewegen“. Der Verein möchte durch seine Arbeit einen Beitrag zur nachhaltigen Verbesserung der Lebensbedingungen leisten. Unter dem Motto »Gemeinsam Zukunft bauen - ökologisch, fair und regional« will Bluepingu damit jede*r Bürger*in die eigenen Möglichkeiten aufzeigen, zu einer gesunden Umwelt und sozialen Gesellschaft beizutragen und sie ermutigen, selbst Teil der Veränderung zu werden.
Bluepingu e.V. versteht sich als Teil des globalen Transition-Town-Netzwerkes, bei dem es darum geht, eine ökologisch und sozial gerechte Stadtgesellschaft vorzuleben und über Pilotprojekte Lust dazu zu machen, selbst Teil dieser Bewegung zu werden.

Autor: Frank Braun, Bluepingu e.V.
 




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