Kulturgesichter0911: Eine Branche wehrt sich gegen das Vergessen

DIENSTAG, 17. NOVEMBER 2020, NüRNBERG

#Corona, #Fabian Bierwirth, #Kultur, #Kulturgesichter0911, #Veranstaltungsbranche

Sie sind Caterer und Designerinnen, Fotografen und Logistikerinnen, Sytlisten, Ausstatterinnen, Musiker, und, und, und. Im Rahmen der Aktion Kulturgesichter zeigt eine Branche die Menschen, die den ganzen Betrieb am Laufen halten. Manche von ihnen stehen auf der Bühne, andere nie, gemeinsam wehren sie sich dagegen, in der Krise vergessen zu werden.  

Die Idee stammt ursprünglich aus Hannover: Versehen mit dem Hashtag #ohneunsistsstill veröffentlicht die niedersächsische Veranstaltungsbranche Schwarz-weiß-Fotos, Portraitaufnahmen der Angestellten und Selbstständigen aus der Veranstaltungsbranche. Die Aktion zieht schnell weite Kreise, auch der Nürnberger Fabian Bierwirth wird darauf aufmerksam. Bierwirth arbeitet im Bereich Eventequipment-Verleih. Weil das Verleihen von Geschirr und Möbeln nach wie vor erlaubt ist, ist seine Firma von der Coronakrise nur indirekt betroffen und kann daher, Stand heute, auf gewisse staatliche Hilfen nicht vollumfänglich zugreifen. Die Events, die man normalerweise ausstatten würde, finden aber nicht statt. „Wir haben seit acht Monaten quasi keinen Umsatz“, sagt er. „Dass wir oft außen vor gelassen werden, macht uns wütend.“

Fabian Bierwirth erkundigt sich also bei den Hannoveranern, ob sich bereits jemand um die Nürnberger Kulturgesichter kümmert und übernimmt fortan die Organisation: „In der Arbeit gibt es ja ja ohnehin nicht viel zu tun.“ Ende Oktober lädt er die ersten 25 Kulturgesichter zum Foto-shooting. Die Ästhetik ist klar vorgegeben und orientiert sich am Ernst der Lage: Arme verschränkt, schwarzes Oberteil. Das Orga-Team, das neben Fabian Bierwirth aus Szidonia Zakel und Burcu Karanthai besteht, führt im Zuge des Shootings Interviews zur Lage mit den Protagonist*innen. Seitdem veröffentlicht Kulturgesichter 0911 im Zwei-Tages-Rhythmus die Bilder und Statements der Betroffenen. 

„Wir machen das“, sagt Bierwirth, „weil uns die Branche wichtig ist. Weil wir unsere Leidenschaft nicht aufgeben möchten. Diese Gefahr besteht wirklich. Dann wird 2021 ein sehr stilles Jahr.“ Niemand glaube momentan daran, noch in 2020 Umsätze generieren zu können, viel eher müsse man von Ausfällen bis Juni rechnen. Ein Mitberwerber seiner eigenen Firma habe bereits dicht gemacht. „Wenn jetzt nichts passiert, auch für indirekt Betroffene, wird es massenhaft Insolvenzen geben.“ 

Die Aktion Kulturgesichter möchte bewust darauf verzichten, große Namen vor die Kamera zu zerren. Es geht vielmehr darum, das breitenwirksame Ausmaß der Krise zu zeigen. Dass Künstler*innen betroffen sind, ist klar, genauso aber eben auch Techniker*innen und Plakatierer*innen. „Die Menschen, die dann arbeiten, wenn das Konzert vorbei ist, finden keine große Beachtung“, sagt Bierwirth. „Denen wollen wir eine Stimme verleihen.“
Seit der Nürnberger Ableger online ist, erhält Bierwirth viel Zuspruch und Bewerbungen. Sobald es die Infektionszahlen zulassen, soll es ein zweites Fotoshooting geben, in einer größeren Location. Mit versetzten Timeslots möchte das Team noch einmal 50 bis 70 Menschen ablichten, für die gilt: Ohne uns wird‘s stll. 

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