Malena Guinet - Zwischen Design und Kunstvermittlung

SAMSTAG, 3. OKTOBER 2020

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Ein Gastinterview von Mias König – Die Künstlerin Malena Guinet hat den „Kunst-Anschlag“ dafür genutzt, mit einer Plakatwand für eine Enttabuisierung von Psychotherapie einzutreten. 24 Stunden Zeit standen für die Gestaltung zur Verfügung, das Thema und die Umsetzung waren dabei frei wählbar. Im CURT-Interview erzählt sie Mias, wie wichtig ihr eine gesunde Work-Life-Balance ist und wo sie Schnittstellen zwischen Design und Kunstvermittlung sieht.

Mias: Malena, du hast bei dem „Kunst-Anschlag – Signale aus der Nürnberger Szene“ mitgemacht und eine Plakatwand gestaltet. Wie hat dir die Aktion in der Retrospektive gefallen?
Malena: Die Aktion fand ich super, weil ich dadurch die Möglichkeit hatte, im öffentlichen Raum auszustellen. Der interdisziplinäre Charakter mit Künstler*innen aus ganz unterschiedlichen Bereichen hat mir gefallen. Das Thema war vollkommen frei wählbar und es gab da keinerlei Vorgaben oder Einschränkungen seitens der Stadt. Was ich besonders interessant fand: Die Plakatwände, die wir gestaltet haben, sind ja eigentlich für Werbung gedacht. Das hat dem Ganzen noch eine besondere Note gegeben. So konnten wir Künstler*innen quasi Werbung für uns und unsere Sache machen – gerade in der Corona-Krise ist das wichtig. So sehen die Menschen, dass man Kunst nicht allein aus Leidenschaft macht, sondern dass sowas auch Geld kostet.

Hast du Feedback erhalten?
Während ich gemalt habe, haben mich einige Passantinnen und Passanten angesprochen und wir sind ins Gespräch gekommen. Das kenne ich vom Arbeiten im Öffentlichen Raum. Mit diesem direkten Feedback habe ich bis jetzt immer positive Erfahrungen gemacht. Dieser Kontakt gefällt mir sehr gut und zeigt mir immer wieder, wie stark Kunst sein kann. Ich habe außerdem einige Rückmeldungen auf Social Media bekommen. Es hat mich gefreut, dass manche Menschen dadurch auf meine Arbeit aufmerksam geworden sind.

Wie bewertest du die Vernetzung der Künstler*innen in Nürnberg untereinander?
Grundsätzlich ist die Verbindung der Kreativen untereinander in Nürnberg aus meiner Sicht ziemlich gut. Man hilft sich und weist einander auf Jobmöglichkeiten hin – ganz ohne Konkurrenzverhalten. So stark vernetzt innerhalb der Nürnberger Szene bin ich allerdings gar nicht. Ich denke, es liegt mitunter an meinem persönlichen Hintergrund, und dass es mich immer wieder ins Ausland zieht. Für die Zukunft wünsche ich mir persönlich mehr Kollaborationen mit anderen Kreativen aus der Umgebung.

Für die Plakatwand im „Kunst-Anschlag“ hast du dich für das Thema der psychischen Gesundheit entschieden. Warum? Lag das auch an der Corona-Krise?
Ich hätte dieses Sujet auch unabhängig von Corona gewählt, weil es mir persönlich am Herzen liegt. Das Thema der psychischen Gesundheit ist in meinen Augen noch oft mit Scham behaftet. Ich mache seit einiger Zeit eine Psychotherapie und habe selbst zuvor mit diesem Schamgefühl stark kämpfen müssen. Ich wünsche mir, dass Andere diese Hürde erst gar nicht haben, denn es kann so schon schwer genug sein. Eine Plakatwand im öffentlichen Raum bietet da eine gute Möglichkeit, das Thema sichtbarer zu machen und Menschen zu zeigen, dass es okay ist, darüber zu sprechen. Durch Corona und den Lockdown rückt das Thema der psychischen Gesundheit jetzt vielleicht etwas stärker in den Vordergrund, was ich gut finde.

Du hast Design studiert und steckst gerade im Masterstudiengang Kunstvermittlung. Wie passt das für dich zusammen?
Nach meinem Bachelorstudium habe ich gemerkt, dass ich mich nicht als klassische Designerin in einer Werbeagentur sehe. Während eines Freiwilligendienstes in Sambia habe ich mich dann mit Bildungs- und Kulturarbeit beschäftigt, Kunst im öffentlichen Raum gemacht und auch den Kunstunterricht in Schulen mitgestaltet. Das hat meinen Blick geweitet und mich auf den Master Kunstvermittlung gebracht. Ich finde, dass beides – Design und Kunstvermittlung – sehr gut zusammenpasst, da beide Disziplinen breit gefächert sind. Sowohl Design als auch die Kunstvermittlung sind angewandte Bereiche, die sich immer wieder begegnen.

Siehst du dich selbst eher als Designerin oder als Kunstvermittlerin?
Weder noch. Ich besitze einen multikulturellen Hintergrund mit unterschiedlichen kulturellen Einflüssen. Das spiegelt sich auch in meiner Arbeit wider. Mich interessiert das Interdisziplinäre, die Begegnung unterschiedlicher Bereiche. Deshalb sehe ich mich als eine Mischung von allem und kann diese Bereiche nicht klar voneinander trennen.

An was arbeitest du im Moment? Was steht als nächstes für dich an?
In den letzten Monaten hatte ich einige Aufträge und gut zu tun. Außerdem war noch Prüfungszeit in der Uni. Ein konkretes Projekt, das mir viel Freude bereitet hat, ist das „Atelier Extra“, das ich zusammen mit Mariella Falke durchgeführt habe. Mit einem mobilen Atelier sind wir losgezogen und haben künstlerische Interventionen im Stadtteil Gostenhof durchgeführt. Es ging dabei um das Erproben von kunstvermittlerischen Methoden im öffentlichen Raum. Die Ausstellung zum Projekt läuft noch bis Sonntag im Edel Extra und zeigt erste Ergebnisse aus den künstlerischen Interventionen. Jetzt möchte ich wieder etwas mehr für mich tun und persönliche kreative Projekte angehen. Das habe ich in letzter Zeit etwas vernachlässigt.

Mehr von Malena Guinet gibt’s auf ihrer Internetseite (KLICK!) und auf ihrem Instragramaccount (KLICK!)


MOBILES ATELIER EXTRA
Edel Extra – Verein zur Förderung ästhetischer Prozesse
Müllnerstr. 22, Nbg
Heute und morgen, 17-20 Uhr
edelextra.biz




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