Noch bis 03.10.: Radentscheid unterschreiben!

SAMSTAG, 3. OKTOBER 2020, NüRNBERG

#Fahrrad, #Nürnberg, #Radentscheid

Radentscheid, diese Wortschöpfung geistert in etlichen Städten Deutschlands durch die Öffentlichkeit. Auch in Nürnberg möchten die radelnden Bürger*innen mit eigener Initiative etwas voranbringen, um die Stadt, die das so dringend nötig hat, fahrradfreundlicher zu machen. Noch bis zum 3. Oktober könnt ihr unterschreiben, um eure Stimme geltend zu machen. 

Für einen tatsächlichen Radentscheid, der die Forderungen der Fahrradfahrer*innen auf die kommunalpolitische Agenda bringt, braucht es zuerst ein Bürgerbegehren und dafür 15.000 Unterschriften. Diese 15.000 zwingen den Stadtrat dazu, die formulierten Forderungen in die Tagesordnung aufzunehmen. Sollte es dort nicht zu einem zufriedenstellenden Beschluss kommen, folgt ein Bürgerentscheid. 

Der Nürnberger ADFC, der federführend hinter der Radentscheid-Initiative steht, hat zehn Forderungen formuliert. Dazu gehören die Lückenschlüsse im Radwegenetz, ein Altstadtring bis 2026 und der Umbau von Kreuzungen und Einmüdnungen zur Erhöhung der Sicherheit. 


1. Für durchgängige Wege: zeitnahe Lückenschlüsse im Radwegenetz
Es soll ein lückenloses, möglichst umwegfreies und sicheres Radwegenetz entstehen, das für hohes und wachsendes Radverkehrsaufkommen ausgelegt ist. Dieses Netz soll nicht auf Kosten der Flächen für den Fußverkehr und den ÖPNV entstehen, sondern prioritär durch Umwidmung von Flächen für Kfz-Parkplätze oder Kfz-Fahrspuren, ggf. auch zu Lasten der Leistungsfähigkeit des Kfz-Verkehrs. Das Radwegenetz soll alle Stadtteile und wichtigen Orte des öffentlichen Lebens verbinden, 90% der Bürger*innen sollen es in maximal 200 Metern erreichen können.
Die Stadt soll eine durchgängige, verständliche und gut sichtbare Radwegweisung erstellen. Sie soll ab 2022 regelmäßig, möglichst vierteljährlich aktualisierte Radwegeinformationen online zur Verfügung stellen,  z.B. in Open Streetmap.

2. Für mehr Platz: breite, hochwertige Radwege an Hauptverkehrsstraßen
An allen gemeindlichen Hauptverkehrsstraßen sollen Radwege mit einem durchgängig gut befahrbaren und rot gefärbten Belag entstehen, vorzugsweise als Einrichtungsradwege mit einer Regelbreite von 2,30 m, mindestens aber 1,50 m (Zweirichtungsradweg: 4 m/2,50 m). Sie sollen von der Straße so getrennt sein, dass missbräuchliches Befahren, Halten und Parken von Kfz unterbleibt. Zu Kfz-Parkplätzen soll ein Sicherheitstrennstreifen eingerichtet werden. Die Anlage solcher Radwege an Hauptverkehrsstraßen soll Vorrang vor Parkstreifen haben. Fuß- und Radwege sollen getrennt voneinander geführt werden. Radwege sollen durchgehend höhengleich geführt werden, auch an Ein- und Ausfahrten. Straßenbahnschienen sollen gefüllt und die Füllung regelmäßig erneuert werden, bevor sie ihren Zweck nicht mehr erfüllen kann. Dauerhaft ungenutzte Schienen sollen entfernt werden.

3. Für eine schnelle Runde: ein attraktiver Altstadtring bis 2026
Bis 2026 sollen am Altstadtring und allen gemeindlichen Hauptverkehrsstraßen, an denen noch keine Radverkehrsanlage besteht, Radwege nach dem in Punkt 2 beschriebenen Standard angelegt werden. Bis 2032 soll das komplette Stadtgebiet nach diesem Standard umgestaltet sein.

4. Für mehr Sicherheit: 15 km sichere Nebenstraßen pro Jahr
Die Stadt Nürnberg soll jährlich möglichst 15 km Nebenstraßen so umgestalten, dass diese für den Radverkehr schnell, komfortabel und sicher befahrbar werden. Straßen, in denen ein Radverkehrsanteil von 35% oder mehr gezählt wurde oder erwartet werden kann, sollen so umgebaut werden, dass Fahrradstraßen angeordnet werden könnten.

5. Für Komfort und Sicherung: 1.000 Fahrradabstellplätze pro Jahr
Im öffentlichen Raum sollen bis 2032 jährlich 1.000 sichere Fahrradabstellplätze für alle Fahrradtypen eingerichtet werden, davon mindestens 300 überdacht. In dicht bebauten Wohngebieten sollen Fahrradgaragen errichtet werden. Die Stadt Nürnberg soll prüfen, ob durch eine Änderung der Stellplatz-Satzung die Richtzahl für Fahrradabstellplätze bei Neubauten verdoppelt und eine Ablöse nur noch in begründeten Einzelfällen ermöglicht werden kann.

6. Für mehr Überblick: fahrradfreundliche Kreuzungen und Einmündungen
Kreuzungen und Einmündungen an gemeindlichen Straßen sollen verständlich und sicher gestaltet werden, möglichst als “Geschützte Kreuzung” nach niederländischem Vorbild. Durch bauliche Gestaltung soll das Links-Abbiegen für Radfahrer in einem Zug ermöglicht werden.

7. Für mehr Service: gute Baustellengestaltung und saubere Radwege
Bei der Absicherung von Baustellen sollen die Empfehlungen der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen in Bayern e.V. strikt eingehalten werden. Bei Umleitungen soll der Umweg gegenüber der regulären Strecke möglichst kurz sein. Radwege und angrenzende Gehwege sollen nicht durch temporäre Verkehrsschilder eingeengt werden.
Radverkehrsanlagen sollen regelmäßig gereinigt werden. Die Stadt Nürnberg soll prüfen, ob Radverkehrsanlagen entlang von gemeindlichen Hauptverkehrsstraßen sowie alle Radrouten beim Winterdienst der ersten Priorität zugeordnet werden können, und ob Schnee nicht mehr auf Radverkehrsanlagen geschoben werden darf.

8. Für unsere Kinder: sichere Radwege zur Schule und zur Kindertagesstätte
Radwege zur Schule und zur Kindertagesstätte sollen durchgängig sicher und kindgerecht umgesetzt werden. An allen Schulen sollen in ausreichender Zahl sichere und gut erreichbare Fahrradabstellplätze zur Verfügung stehen.

9. Für eine schnellere Umsetzung: mehr Personal in der Verkehrsplanung
Im Verkehrsplanungsamt soll eine Planungsgruppe für den Radverkehr eingerichtet werden, die die Ziele des Radentscheids hauptamtlich verfolgt; in anderen relevanten Ämtern und Betrieben sollen Radverkehrsbeauftragte benannt werden.
Es soll ein Online-Portal zur Meldung und Verfolgung von Mängeln erstellt werden. Verkehrsmessungen sollen quantitativ und qualitativ erweitert werden.

10. Für die Langstrecke: Radschnellwege für den Pendelverkehr
Die auf Nürnberger Stadtgebiet liegenden Teile der Radschnellverbindungen, die in der 2017 dem Nürnberger Stadtrat vorgelegten Machbarkeitsstudie vorgeschlagen wurden, sollen bis 2030 verwirklicht werden. Das Niveau soll den in dieser Studie für Radhauptverbindungen beschriebenen Standards entsprechen, die eine Reisegeschwindigkeit von 20 km/h unter Berücksichtigung der Zeitverluste an Knotenpunkten ermöglichen.


Alles dazu kann man hier nachlesen: radentscheid-nuernberg.de  

Auf der Seite findet ihr auch das Formular zum Ausdrucken und Unterschreiben sowie die Radentscheid-Sammelstellen. Je mehr dabei sind, desto schneller ändert sich was, desto eher wird Nürnberg seinem bisher zweifelhaften Titel “fahrradfreundliche Stadt” vielleicht auch gerecht. 




Twitter Facebook Google

#Fahrrad, #Nürnberg, #Radentscheid

Vielleicht auch interessant...

STAATSTHEATER. Das männliche Geschlecht ist gewalttätig – und die Amazonen ziehen ihre Konsequenzen daraus und wollen ohne Männer leben. Anlässlich der Premiere der Oper Talestri – Königin der Amazonen aus dem Jahr 1763 nutzt das Staatstheater eine Kunstaktion, um auf eine immer noch sehr gegenwärtige Problematik hinzuweisen. Die Idee der Zapatos rojos – Rote Schuhe – stammt von der mexikanischen Künstlerin Elina Chauvet, die 2009 in Juárez Chihuahua erstmals ebensolche auf einem öffentlichen Platz ausstellte: Jedes Paar Schuhe steht für eine Frau, die aufgrund ihres Geschlechts ermordet wurde. Nürnberg wiederholt diese Aktion am 12. November vor dem Opernhaus. Über 120 Paare konnten im Vorfeld bereits gesammelt und in den Werkstätten des Theaters rot eingefärbt werden. Auch am Aktionstag selbst können Interessierte noch Damenschuhe zwischen 15 und 19.30 Uhr mitbringen. Vor Ort können die Schuhe selbst rot eingefärbt und aufgestellt werden. Zapatos rojos appelliert daran, sich mit Frauen in aller Welt zu soldarisieren, die Gewalt erfahren haben. Hedwig Schouten, Frauenbeauftragte der Stadt Nürnberg und Ilaria Lanzino, Regisseurin der Oper „Talestri – Königin der Amazonen“, werden die partizipative Aktion um 15 Uhr mit einer gemeinsamen Begrüßung eröffnen. Im Anschluss an die Aktion werden die gespendeten Schuhe Teil des Bühnenbilds der Oper, die am Sonntag, 13.11. Premiere feiert.

www.staatstheater-nuernberg.de  >>
curt und die Kunst – das gehört längst zusammen. Redaktionell auf jeden Fall, emotional sowieso. 
Diese Strecke im Magazin und Online macht unsere sowieso schon immer feine Partnerschaft mit Nürnbergs erster Adresse für zeitgenössische Kunst ganz offiziell.

Text: Marian Wild. Fotos: Instagramer*innen der
@igers_nürnberg

Der Staffelstab wurde längst weitergegeben: Seit letztem Sommer leitet Dr. Simone Schimpf als vierte*r Direktor*in Nürnbergs größtes Museum für zeitgenössische Kunst und modernes Design. Dass diese Zeit langweilig gewesen wäre kann man beileibe nicht sagen, zur Corona-Pandemie und der allgemeinen Krise des Kulturbetriebs gesellt sich seit Februar Ukrainekrieg und Inflation, die Energieknappheit des Winters winkt drohend vom Horizont. All diese Fragen gehen an einem zeitgenössischen Kulturort nicht vorbei, darum war es für uns vom curt höchste Zeit für ein ausführliches Interview über Nachhaltigkeit, Zukunftspläne und den feinen Zauber des Konkreten.  >>
Gastro & Shops  21.10.2022
NüRNBERG. Die Eventpiloten jagen schon seit 22 Jahren durch den Event- und PR-Himmel und sind für etliche Kunden unterschiedlichster Branchen ein guter, mega kreativer Partner. So weit, so normal. Die Agentur am Weinmarkt will aber mehr sein als das, denn Agenturarbeit findet ja zumeist hinter verschlossenen Türen statt. Wie wichtig es Rosa und Stefan Frischeisen ist, erleb- und auch anfassbar zu sein, wurde ihnen als Eventagentur im Lockdown bewusst. Und so entschieden sie, ihre Arbeitsstätte ins Erdgeschoss zu verlagern und quasi die Türen offenstehen zu lassen, für Freunde, Kunden und interessierte Flaneure.  >>
MESSEZENTRUM. Breit gefächert wie so ein japanischer Wedelfächer wäre untertrieben: Während andere Messen sich spezialisieren, z.B. auf Hundebedarf, Beton & Zement oder Wahrsagerei & Auralesen, finden wir bei der Consumenta quasi Sämtliches aus folgenden Bereichen des guten Lebens: Bauen, Wohnen, Einrichten, Lifestyle, Haushalt sowie Spiel und Genuss. Fehlt da noch irgendwas? Nicht, dass wir wüssten. Deshalb ist die Consumenta, in diesem Jahr vom 26. bis 30. Oktober, ja auch Bayerns größte Verbrauchermesse.   >>
20221015_Feuchtwangen
20210318_machtdigital
20210201_Allianz_GR
20210304_Mam_Mam_Burger
20221201_Waldorf
20221129_E-Werk_Proseccolaune
20220201_berg-it
20221125_Kuenstlerhaus
20220601_Hofpfisterei
20220812_CodeCampN
20221122_KUF_Literaturpreis
20221101_curt_Terminkalender