Club Stereo: Uns wurde bisher kaum geholfen

MONTAG, 18. MAI 2020, CLUB STEREO

#Club Stereo, #Corona, #coronasucks, #Interview

Es ist Mitte Mai im Coronajahr, die Bundesliga findet wieder statt, ohne Publikum, die Biergärten öffnen, unter Auflage. Manche lassen das lieber gleich bleiben. Die Kulturszene schaut nach wie vor auf leere Tanzflächen und es ist für Betriebe wie den Club Stereo ins Nürnbergs Altstadt nicht absehbar, ab wann hier wieder gefeiert werden kann. Wir haben bei David Lodhi, Mitbetreiber, nachgefragt, wie der Club Stereo bisher her so durch die Krise kommt.

Ist der Club Stereo geöffnet?
Nein. Wir haben allerdings von den Behörden die Genehmigung erhalten, die Bar über dem Club Stereo als Shop zu öffnen. Seit Ende Mai verkaufen wir hier Getränke, Merchandise vom Stereo und Nürnberg Pop, Kunstdrucke von einer unserer Barkeeperinnen und DIY-Schmuck von einem Stammgast. 
 
Habt ihr parallel dazu Online-Angebote oder -Programme?
Wir streamen zusammen mit unseren Veranstalter*innen jede Woche freitags von der Dachterrasse des Hotel Adina, sowie samstags aus dem Club Stereo auf „Dringeblieben“ (dringeblieben.de/club-stereo/videos).
 
Wie seid ihr sonst bisher durch die Krise gekommen?
Wir haben ein kleines bisschen Soforthilfe erhalten und eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, die toll gelaufen ist und uns gezeigt hat, dass der Club Stereo sehr vielen Menschen etwas bedeutet. Vielen, vielen Dank an dieser Stelle allen, die uns hier unterstützt haben! Ohne das Geld vom Crowdfunding sähe es schon ziemlich eng aus jetzt.
 
Fühlt ihr euch von Stadt/Land/Bund ausreichend unterstützt?
Nein. Ein großer Kultur-Rettungsschirm auch für nicht subventionierte Veranstalter*innen wie wir einer sind, ist dringend nötig. Mal sehen, ob das gerade veröffentlichte, neue Paket vom Bund im Konkreten auch das bringt, was angekündigt wurde. Dann könnte sich unsere Situation verbessern.
 
Bei welchen Bündnissen, Initiativen, Interessengemeinschaften macht seid ihr dabei oder macht aktiv mit?
Wir sind Teil der Kulturliga, die Ende April ein ausführliches Statement zur Lage der Kulturbetriebe und Veranstalter*innen veröffentlicht hat (siehe auch curt-Website), und inzwischen auch in Kontakt mit der Lokalpolitik ist. Ich selbst bin außerdem im Vorstand vom VPBy (Verband für Popkultur in Bayern e.V.), der sich auf Landesebene ebenfalls in konkreten Gesprächen befindet.
 
Wie existenziell dramatisch ist die Situation bei euch, und inwiefern können Fans und Freunde euch supporten?
Unsere Situation ist, genauso wie die von vielen anderen Spielstättenbetreiber*innen und Konzertveranstalter*innen, ziemlich schlecht. Bisher wurde uns kaum geholfen. Wer den Club Stereo supporten will, kann das via Spende auf unser Paypalkonto www.paypal.me/clubstereo tun. Jede Unterstützung hilft. 
 
Ab wann rechnet ihr damit, wieder Konzerte, Partys, etc. veranstalten zu können?
Aufgrund von etwa 120 Livekonzerten und mehreren Festivals, die wir im Jahr veranstalten, stehen wir in engem Austausch mit vielen anderen Musikschaffenden aus Deutschland. Die Unsicherheit, wann es weitergehen kann, ist allerorts zu spüren. Für Konzerte, die vom Frühjahr in den Sommer und dann in den Herbst verlegt wurden, werden teils bereits Termine in kommenden Jahr optioniert zur Sicherheit. Es ist schwer zu sagen, wann wir den Betrieb wieder aufnehmen können. Vor Herbst sicherlich nicht.
 
Wie wird, wenn wieder erlaubt, die Wiedereröffnung aussehen?
Keine Ahnung. Wir werden auf jeden Fall all den Menschen, die uns mit ihrer Kraft und Liebe durch diese Zeit helfen, ordentlich einen ausgeben.
 
Was hast Du aus der Coronakrise gelernt?
Das ist eine große Frage für solche einen verhältnismäßig kurzen Zeitraum. Das Europa, das wir mit aufgebaut haben, hat seine Grenzen erstmal dicht gemacht. Viel zu wenige haben noch einen Blick für das Elend an den EU-Außengrenzen oder gar darüber hinaus. Es gibt Länder, in denen wurde das demokratische System ausgehebelt. Vielleicht habe ich „gelernt“, dass das möglich war und ist. Die Angriffe von rechts nehmen zu, auch hier, ganz nah, jeden Tag. Wir müssen uns viel stärker zur Wehr setzen.
 
Was wünscht du dir für die Zukunft?
Ich lebe berufsbedingt gerade stark von einem Tag in den nächsten. Zukunftswünsche spielen da eine untergeordnete Rolle. Man muss die Dinge nehmen wie sie kommen und darauf reagieren.


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Club Stereo, Klaragasse 8, 90402 Nbg, www.club-stereo.net,
www.facebook.com/stereonuernberg,
https://www.instagram.com/stereonuernberg/,
Konzertverlegungen: https://www.club-stereo.net/update/6345/

Nürnberg Pop / Festival & Pop Konferenz /
www.nuernberg-pop.com,
https://www.facebook.com/nuernberg.pop/,
https://www.instagram.com/nuernbergpop/  

 




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Für viele Freiberufler im Kunst- und Kulturbereich waren die vergangenen Wochen nicht nur mit finanziellen Schwierigkeiten, sondern auch mit großer Unsicherheit verbunden: Wo kann ich was beantragen, bin ich antragsberechtigt, wann kommen die 1.000 Euro pro Monat oder doch nicht oder für wen? Ein Teil Unsicherheit wird auch in den kommenden Tagen bleiben, dafür ist die Lage einfach zu neu und komplex und scheiße. Klar ist aber nach der heutigen Pressekonferenz von Markus Söder und Kultusminister Bernd Sibler, dass der Rettungsschirm vergrößert wird: 200 statt 90 Millionen kommen in den Topf. Das ist nötig, damit auch Menschen, die nicht in der Künstlersozialkasse versichert sind, Zugriff darauf haben. Dazu gehören dann zum Beispiel Techniker, Maskenbildner aber auch freie Journalisten, etc. Die Zahl der Begeünstigten verdopple sich von 30.000 auf 60.000. Nachzuweisen ist ein substantieller Beitrag zum Einkommen aus der freien künstlerischen Arbeit.

50 Millionen Euro stehen außerdem für “Spielstätten” (Söder) bzw. “Veranstaltungsbetriebe” (Sibler) bereit, die bis zum Jahresende unterstützt werden sollen. Söder nannte explizit 700 kleine und mittlere Theater und 260 Kinos. Sibler sprach von “Kleine und mittlere Spielstätten aus den Bereichen Theater, Kunst, Kleinkunst, Musik und Kabarett.” Musikschulen und Laienmusikgruppen wie Chöre können ebenfalls je 1.000 Euro beantragen, für sie stehen insgesamt 10 Millionen Euro zur Verfügung. Söder: “Es ist der Versuch, Kultur in der Breite durch Förderung zu erhalten.” Außerdem gibt es einen ersten Hoffnungsschimmer für die Rückkehr von kulturellen Veranstaltungen: "Wir glauben, dass wir Perspektiven für die Zeit nach Pfingsten entwickeln sollen”, so Söder. Man wolle sich dabei an den Hygieneschutzmaßnahmen in Kirchen orientieren. Am 20. Mai soll die Ministerpräsidentenkonferenz über ein solches, bundesweites Konzept entscheiden.

Die Software, so Sibler, ist installiert, die Anträge können auf den Weg gebracht und ab nächster Woche heruntergeladen werden.
Die entsprechenden Anträge findet man, sobald es sie gibt hier:
https://www.stmwk.bayern.de/index.html

Einen guten Überblick über die Hilfsprogramme findet ihr hier:
https://bayern-kreativ.de/aktuelles/corona-erste-hilfe/

Die gesamte Pressekonferenz zum Nachschauen:
https://youtu.be/9zf-x75-YOQ


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