Digitale Liebe: Das Ost Anders Festival 2020

17. APRIL 2020 - 19. APRIL 2020

#ArtiSchocken, #Corona, #Festival, #Ost Anders, #Streaming

#digitale liebe: Das Ost Anders Festival hat sich entschieden, trotzdem statzufinden. Unter dem amourösen Motto geht das ohnehin gut – die Programmpunkte von Konzert bis Performance wandern ins Internet und für die KünstlerInnen springt hoffentlich trotzdem etwas heraus.

Das Festival, das bereits seit 2005 kulturelle Brücken aus Nürnberg in Richtung Osten baut, hat sein Motto nicht kurfristig geändert, sondern sich schon als Corona nicht absehbar war, der digitalen Liebe verschrieben. Eigentlich sollte das Internet genutzt werden, um Live-Shows z.B. mittels Virtual Reality aufzuwerten oder Kunstaktionen an mehreren Orten gleichzeitig stattfinden zu lassen. Letzteres ist nun umso wichtiger: Ost Anders findet nicht an einem Ort statt (Auf AEG), sondern an allen Orten, die sich zuschalten. Internet macht’s möglich, die Brücken sind digital. 

Zuschalten ist für das Publikum dabei kostenfrei, es besteht aber glücklicherweise die Möglichkeit, die KünstlerInnen mit Spenden zu unterstützen. Gerade jetzt, wo so viel wegbricht, natürlich umso wichtiger. Am Freitag ist das zunächst das Nürnberger Elektro-Pop-Duo apanorama, das euch ab 20 Uhr in digitale Soundschlingpflanzen einhüllt. Am Samstag steht dann zuerst die Nürnberger One-Woman-Band Das Weirdo auf dem Streamprogramm. Über Das Weirdo waren digital keine Informationen auffindbar, umso spannender. Danach wird es deutlich post-sowjetischer, wenn Lurmish aus St. Petersburg zeigen, wie sich Trip Hop auf Russisch anhört. Ab 21 Uhr wird das Wohnzimmer so langsam zum Dancefloor: Shuma aus Weißrussland machen Ethno Electronica.  Und wo ihr grad beim Tanzen seid – Ivan Le Mutant und S:K: streamen ab 22 Uhr ihre Elektro-Sets. Das kann eine lange Nacht werden, die uns die Isolation vergessen lässt.

Dabei aber bittte nicht vergessen, dass das Festival am Sonntag fortgesetzt wird. Unter anderem mit der lyrisch-musikalischen Performance Zwetajewa Telegram der Arti Girls aus dem Nürnberger Artischocken-Kollektiv. Liza Milyukova, Liza Shlosberg and Olga Komarova widmen sich in ihrer Arbeit ab 16 Uhr den Texten von Marina Tsvetaeva, einer exilierten Dichterin der Sowjetunion, die in ihren Gedichten die Erfahrung der Abgeschiedenheit und Entfernung zu Freunden verarbeitete. Eine Erfahrung, die uns jetzt, auf ähnliche und dabei ganz andere Weise wieder angeht.

Auch in der ab 17 Uhr folgenden Performance Dickpick von Regisseurin
Victoria Naraxsa ist das Artischocken-Kollektiv beiteiligt. Der Text der Performance entstand in Dating Apps – verschiedene Teilnehmer hatten sich dort mit Fake-Accounts registriert, um Dialoge für das Stück zu gewinnen. Echte Konversationen über Sex, Politik und Liebe, geschöpft im digitalen Raum und in den digitalen Raum zurückgebracht. So schließt sich der Kreis.

Weitere Programmpunkte sollen folgen, es lohnt sich die Seite
www.ostanders.de im Auge zu behalten, auf der das Festival schließlich auch stattfinden wird.
 




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Für viele Freiberufler im Kunst- und Kulturbereich waren die vergangenen Wochen nicht nur mit finanziellen Schwierigkeiten, sondern auch mit großer Unsicherheit verbunden: Wo kann ich was beantragen, bin ich antragsberechtigt, wann kommen die 1.000 Euro pro Monat oder doch nicht oder für wen? Ein Teil Unsicherheit wird auch in den kommenden Tagen bleiben, dafür ist die Lage einfach zu neu und komplex und scheiße. Klar ist aber nach der heutigen Pressekonferenz von Markus Söder und Kultusminister Bernd Sibler, dass der Rettungsschirm vergrößert wird: 200 statt 90 Millionen kommen in den Topf. Das ist nötig, damit auch Menschen, die nicht in der Künstlersozialkasse versichert sind, Zugriff darauf haben. Dazu gehören dann zum Beispiel Techniker, Maskenbildner aber auch freie Journalisten, etc. Die Zahl der Begeünstigten verdopple sich von 30.000 auf 60.000. Nachzuweisen ist ein substantieller Beitrag zum Einkommen aus der freien künstlerischen Arbeit.

50 Millionen Euro stehen außerdem für “Spielstätten” (Söder) bzw. “Veranstaltungsbetriebe” (Sibler) bereit, die bis zum Jahresende unterstützt werden sollen. Söder nannte explizit 700 kleine und mittlere Theater und 260 Kinos. Sibler sprach von “Kleine und mittlere Spielstätten aus den Bereichen Theater, Kunst, Kleinkunst, Musik und Kabarett.” Musikschulen und Laienmusikgruppen wie Chöre können ebenfalls je 1.000 Euro beantragen, für sie stehen insgesamt 10 Millionen Euro zur Verfügung. Söder: “Es ist der Versuch, Kultur in der Breite durch Förderung zu erhalten.” Außerdem gibt es einen ersten Hoffnungsschimmer für die Rückkehr von kulturellen Veranstaltungen: "Wir glauben, dass wir Perspektiven für die Zeit nach Pfingsten entwickeln sollen”, so Söder. Man wolle sich dabei an den Hygieneschutzmaßnahmen in Kirchen orientieren. Am 20. Mai soll die Ministerpräsidentenkonferenz über ein solches, bundesweites Konzept entscheiden.

Die Software, so Sibler, ist installiert, die Anträge können auf den Weg gebracht und ab nächster Woche heruntergeladen werden.
Die entsprechenden Anträge findet man, sobald es sie gibt hier:
https://www.stmwk.bayern.de/index.html

Einen guten Überblick über die Hilfsprogramme findet ihr hier:
https://bayern-kreativ.de/aktuelles/corona-erste-hilfe/

Die gesamte Pressekonferenz zum Nachschauen:
https://youtu.be/9zf-x75-YOQ


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