Curts Check-up 6: Reset-Knopf drücken mit Pauline Füg

MITTWOCH, 1. APRIL 2020, NüRNBERG

#Corona, #coronasucks, #Literatur, #Pauline Füg, #Poetry Slam

Die Clubs und Konzertlocations sind zu, genauso wie die Theater, Bars und Buchhandlungen. Der Coronavirus trifft alle, die sich selbstständig über Wasser halten, besonders hart. Wir wollen in den kommenden Wochen hautnah dran bleiben an der Kultur, die curt naturgemäß am Herzen liegt. Wir legen unser Ohr auf eure Brust und fragen nach, wie es Euch geht.

Ausgabe 6 mit Pauline Füg, die ihr wahrscheinlich von Slam-Bühnen kennt - hat sie das Genre in Deutschland doch entscheidend mitgeprägt. Außerdem ist Pauline aber auch Psychologin und sehr nah dran am ganzen Mental-Health-Ding und deshalb gerade jetzt in doppelter Hinsicht die perfekte Gesprächspartnerin. 

Dein Name / Künstlername:
Pauline Füg
 
Dein Beruf:
Autorin, Dozentin für Kreatives Schreiben und Psychologin
 
Wie sehen deine Ausfälle aus/ was passiert (nicht)? 
Bis weit in den Mai hinein sind meine Lesungen und Workshops für Kreatives Schreiben/Poetry Slam abgesagt wurden, einige Termine ab Mai stehen auf der Kippe. Ich arbeite z.B: in meinem Projekt DemenzPoesie kreativ mit Demenzpatient_innen und es ist nicht klar, ob ein Projekt im Mai stattfinden kann, weil Corona für diese Bevölkerungsgruppe so gefährlich ist.
 
Wie hältst du dich jetzt finanziell über Wasser? 
Ich lebe aktuell von meinen Rücklagen für die Steuer und für die Sommerpause. Förderung darf man leider erst beantragen, wenn man gar kein Geld mehr auf dem Konto hat. Das ist bei mir in zwei bis drei Monaten der Fall. Und Geld für die Sommerpause und für die Steuer habe ich ja dann trotzdem nicht mehr. Ich hoffe, dass es spezielle Fördertöpfe für Künstler_innen geben wird, die auch bedingungslos oder zeitversetzt, wenn die Rücklagen aufgebraucht sind, finanzielle Unterstützung bieten.
Ich habe Psychologie studiert, deswegen war mir das Thema „Mental Health" schon immer wichtig. Auf meinen Social-Media-Kanälen habe ich aus einem Impuls heraus Mental-Health-Tipps für die Coronakrise gepostet. Das Schöne ist: Mich haben ein paar Menschen angefragt, ob ich sie via Skype und Telefon coachen würde. So kann ich auch ein bisschen Geld verdienen. 
 
Ist diese Krise für dich auch eine Chance?
Ich glaube, dass die Gesellschaft eine Art Reset-Knopf bekommt. Wir können überlegen: was macht Sinn, es zu verändern? Können wir regionaler und autarker leben? Können wir die Klimakrise doch abwenden, indem wir anders leben? Macht Bedingungssloses Grundeinkommen vielleicht doch Sinn? Und man weiß plötzlich noch mehr zu schätzen, was sonst selbstverständlich war. Ich versuche mich in all dem Schlimmen auch auf das zu konzentrieren, was in Zukunft positiv möglich sein wird.
  
Was sind deine Tipps, um die Zeit jetzt gut zu überstehen?
Ich glaube, es ist wichtig, sich nicht die ganze Zeit mit Nachrichten zu überfluten. Es reicht, wenn man sich ein Mal am Tag für eine Stunde informiert und den Rest des Tages so gut wie möglich gestaltet. Ich merke, dass ich im Zwiespalt bin zwischen „Den Roman meines Lebens zu schreiben“ und „Einfach mal nichts machen“. Da hör ich auf mein Bauchgefühl und versuche mich nicht zu sehr unter Druck zu setzen und auch mal die Gedanken zur Ruhe kommen zu lassen.
  
Im Fall des Falles: Wie verbringst du deine Zeit in der Quarantäne / während der Ausgangssperre?
Mein Mann und ich machen Tagespläne, schaffen uns eine gute Mischung aus Homeoffice und Urlaub auf Balkonien. Wir machen auch viel Quatsch, tanzen durch die Wohnung, bewegen uns, schauen Serie. 
Wir schauen auch, dass es mal Tage gibt, bei denen wir einfach den ganzen Tag gemütlich im Schlafanzug abhängen. Wenn die Sonne scheint, setzen wir uns auf unser Fensterbrett und tanken Wärme.
 
Hast du neue Projekte? 
Ich schaue gerade, was digital gut geht, gebe die ersten Coachings online und hoffe, dass es noch mehr Projekte wie Stream Forward geben wird, bei dem man ein Video von sich und seiner Kunst hochladen kann und honoriert wird. Ein paar literarische Projekte planen ich mit Kolleg_innen gerade so, dass sie auch online stattfinden können. Das geht aber nur, weil da Fördergelder schon bewilligt wurden und wir unabhängig von den nicht vorhandenen Eintrittsgeldern entlohnt werden. 

Wir kommunizieren gerne: deine Homepage, deinen Livestream, usw. Immer her damit.
Meine Homepage: www.paulinefueg.de (Bucht mich für kreative Jobs, Auftragstexte, Online-Schreibworkshops und Coachings :-) )
Wer mich und meine Kunst finanziell unterstützen will, kann hier Kunst/Literatur von mir erwerben: https://www.patreon.com/paulinefueg
Auf https://www.facebook.com/grossraumdichtenkleinstadtgeschichten/ wird am 7. April unsere Lesebühne im kostenlosen Stream anzusehen sein (Lohnt sich! Mit dabei der Zauberer Christoph Demian, der über Kamera zaubert, sowie Jan Cönig, der Finalist der deutschsprachigen Poetry Slam Meisterschaften 2019, und natürlich meine ganz fantastischen und  preisgekrönten Literatur_kolleg_innen Ulrike Schäfer und Tobias Heyel)
Und auf meinem Podcast „Abenteuer Wellness“ kann man auch mal reinhören. Ich podcaste da normalerweise mit meinem Mann rund ums Thema Wellness und Sauna, ab nächste Woche dann auch aktuell zum Thema „Mental Health in Zeiten von Corona".

 




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#Corona, #coronasucks, #Literatur, #Pauline Füg, #Poetry Slam

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Für viele Freiberufler im Kunst- und Kulturbereich waren die vergangenen Wochen nicht nur mit finanziellen Schwierigkeiten, sondern auch mit großer Unsicherheit verbunden: Wo kann ich was beantragen, bin ich antragsberechtigt, wann kommen die 1.000 Euro pro Monat oder doch nicht oder für wen? Ein Teil Unsicherheit wird auch in den kommenden Tagen bleiben, dafür ist die Lage einfach zu neu und komplex und scheiße. Klar ist aber nach der heutigen Pressekonferenz von Markus Söder und Kultusminister Bernd Sibler, dass der Rettungsschirm vergrößert wird: 200 statt 90 Millionen kommen in den Topf. Das ist nötig, damit auch Menschen, die nicht in der Künstlersozialkasse versichert sind, Zugriff darauf haben. Dazu gehören dann zum Beispiel Techniker, Maskenbildner aber auch freie Journalisten, etc. Die Zahl der Begeünstigten verdopple sich von 30.000 auf 60.000. Nachzuweisen ist ein substantieller Beitrag zum Einkommen aus der freien künstlerischen Arbeit.

50 Millionen Euro stehen außerdem für “Spielstätten” (Söder) bzw. “Veranstaltungsbetriebe” (Sibler) bereit, die bis zum Jahresende unterstützt werden sollen. Söder nannte explizit 700 kleine und mittlere Theater und 260 Kinos. Sibler sprach von “Kleine und mittlere Spielstätten aus den Bereichen Theater, Kunst, Kleinkunst, Musik und Kabarett.” Musikschulen und Laienmusikgruppen wie Chöre können ebenfalls je 1.000 Euro beantragen, für sie stehen insgesamt 10 Millionen Euro zur Verfügung. Söder: “Es ist der Versuch, Kultur in der Breite durch Förderung zu erhalten.” Außerdem gibt es einen ersten Hoffnungsschimmer für die Rückkehr von kulturellen Veranstaltungen: "Wir glauben, dass wir Perspektiven für die Zeit nach Pfingsten entwickeln sollen”, so Söder. Man wolle sich dabei an den Hygieneschutzmaßnahmen in Kirchen orientieren. Am 20. Mai soll die Ministerpräsidentenkonferenz über ein solches, bundesweites Konzept entscheiden.

Die Software, so Sibler, ist installiert, die Anträge können auf den Weg gebracht und ab nächster Woche heruntergeladen werden.
Die entsprechenden Anträge findet man, sobald es sie gibt hier:
https://www.stmwk.bayern.de/index.html

Einen guten Überblick über die Hilfsprogramme findet ihr hier:
https://bayern-kreativ.de/aktuelles/corona-erste-hilfe/

Die gesamte Pressekonferenz zum Nachschauen:
https://youtu.be/9zf-x75-YOQ


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