CURTS QUARANTÄNE-KOLLER 1: Grandfilm und die Schönheit der Solidarität

DIENSTAG, 17. MäRZ 2020

#Corona, #coronasucks, #Kino, #Quarantäne, #Solidarität, #Streaming

Dem Katastrophenfall ein Schnippchen schlagen: Der Nürnberger Filmverleih Grandfilm bietet seine anspruchsvolle Indie-Film-Ware jetzt auch auf dem Online-Markt feil. Und beteiligt, weil Not macht solidarisch, auch die Kinos an den Einnahmen der Streams.

Ein junger Mann möchte eigentlich einen Film drehen, bekommt aber keine Drehbuchförderung und lebt deshalb von der Sozialhilfe. Das Arbeitsamt verdonnert Julian Radlmeier, der sich selbst spielt, zur Apfelernte. Camille, in die Julian ein bissl verliebt ist, glaubt, er würde das nur zu Recherchezwecken machen und kommt mit auf die Plantage, wo sich die Ereignisse überschlagen und bald der Kommunimsus ohne Kommunisten ausgerufen wird: “Selbstkritik eines bürgerlichen Hundes ist ein wundervoll komischer, unglaublich raffinierter und vor Anspielungen berstender Film” (Zeit online), umgesetzt vom in Nürnberg geborenen Regisseur Julian Radlmaier, verliehen vom Nürnbertger Filmverleih Grandfilm und jetzt einer der Filme, die im Rahmen von GRANDFILM ON DEMAND online geliehen werden können.

Die Leihgebühr beträgt zwar 10 Euro, was mehr ist als bei den gängigen anderen Streams, wenig allerdings, wenn man partnerschaftlich oder in der WG-Quarantäne gemeinsam kuckt, anstatt eben ins Kino zu gehen, das nun geschlossen ist. Eine zweite Auswahl an Filmen gibt es übrigens auch für 99 Cent. Die Einnahmen teilt Grandfilm mit den Kinos, die die jeweiligen Filme zeigen würden. Wie das genau funktioniert und wie Patrick Horn und Tobias Lindemann auf diese Idee kamen, hat uns Patrick im kontaktlosen Mail-Interview verraten.

CURT: Wie entstand die Idee, eure Filme zu streamen und die Einnahmen zu verteilen (wer kam darauf, wann)?
PATRICK HORN: Die Idee zu diesem Projekt ist relativ spontan entstanden. Ende letzter Woche hatte sich bereits abgezeichnet, dass ein Kinobetrieb in nächster Zeit nicht mehr möglich sein wird. Darunter leiden sowohl wir Verleiher, als natürlich auch die Kinos. Da wir zu den meisten Kinos eine sehr enge und vertrauensvoll Verbindung haben und man gerade unsere Art von Filmen nur partnerschaftlich ins Kino bringen kann, war uns schnell klar, dass wir auch diese Situation gemeinsam mit den Kinos lösen müssen. Da wir die Möglichkeit haben, den Endkunden direkt zuhause zu beliefern, kam die Idee auf, das Kinosystem jetzt einmal umzudrehen und wir beteiligen die Kinos an den Erlösen.
 

 
Wie läuft die Aufteilung ab? Also gehen quasi pro Stream 5 Euro an Grandfilm und die restlichen fünf dann an die Kinos, die den jeweiligen Film zeigen würden?
Von den 10 € gehen 10 % an den Dienstleister, d.h. 9 € können wir aufteilen. Das machen wir 50/50, also 4,50 € gehen an die Kinos, 4,50 € gehen an uns. Das entspricht in etwa einer Aufteilung bei einer verkauften Kinokarte.

Cineasten freuen sich, weil Sie wissen, dass ihr für hochwertiges Indie-Kino steht. Wie würdet ihr Menschen, die nie vom Grandfilm Verleih gehört haben, beschreiben, worauf ihr steht, welchen Anspruch ihr an die Filme in eurem Programm habt?
Wir machen weitestgehend die Filme, die inhaltlich und formal neue Wege gehen. Oft sind das auch die Filme, die international auf den Festivals gefeiert und weltweit diskutiert werden.

Auf welche weiteren Streams können wir uns freuen und in welcher Frequenz werden die erscheinen?
Wir wollen schauen, einen Film pro Tag neu zu veröffentlichen. Unsere nächsten Filme werden ANGELO und FELICITÉ sein. Und wir beginnen den ersten Teil von LA FLOR zu veröffentlichen. Wir werden alle ein bis zwei Tage einen neuen Film online stellen.

Befürchtet ihr in ein, zwei Jahren die große Welle der Quarantäne-Filme?
Wir fürchten keine Filme, wir lieben Filme!

Wichtige Frage noch zum Schluss: Was genau macht eigentlich ein Filmverleih?
Ein Filmverleih kauft sich die Rechte an Filmen und wertet sie dann aus. Für uns ist der wichtigste Markt dabei die Kinoauswertung, daneben gibt es aber noch andere Möglichkeiten, wie Home Entertainment oder Verkäufe an Streamingdienste oder das Fernsehen.
 



Hier geht’s zu den Streams: https://grandfilm.de/grandfilmondemand/

GRANDFILM im Zündfunk-Interview: https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/zuendfunk/dieser-filmverleih-aus-nuernberg-bringt-die-tollsten-indie-filme100.html

 




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#Corona, #coronasucks, #Kino, #Quarantäne, #Solidarität, #Streaming

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Für viele Freiberufler im Kunst- und Kulturbereich waren die vergangenen Wochen nicht nur mit finanziellen Schwierigkeiten, sondern auch mit großer Unsicherheit verbunden: Wo kann ich was beantragen, bin ich antragsberechtigt, wann kommen die 1.000 Euro pro Monat oder doch nicht oder für wen? Ein Teil Unsicherheit wird auch in den kommenden Tagen bleiben, dafür ist die Lage einfach zu neu und komplex und scheiße. Klar ist aber nach der heutigen Pressekonferenz von Markus Söder und Kultusminister Bernd Sibler, dass der Rettungsschirm vergrößert wird: 200 statt 90 Millionen kommen in den Topf. Das ist nötig, damit auch Menschen, die nicht in der Künstlersozialkasse versichert sind, Zugriff darauf haben. Dazu gehören dann zum Beispiel Techniker, Maskenbildner aber auch freie Journalisten, etc. Die Zahl der Begeünstigten verdopple sich von 30.000 auf 60.000. Nachzuweisen ist ein substantieller Beitrag zum Einkommen aus der freien künstlerischen Arbeit.

50 Millionen Euro stehen außerdem für “Spielstätten” (Söder) bzw. “Veranstaltungsbetriebe” (Sibler) bereit, die bis zum Jahresende unterstützt werden sollen. Söder nannte explizit 700 kleine und mittlere Theater und 260 Kinos. Sibler sprach von “Kleine und mittlere Spielstätten aus den Bereichen Theater, Kunst, Kleinkunst, Musik und Kabarett.” Musikschulen und Laienmusikgruppen wie Chöre können ebenfalls je 1.000 Euro beantragen, für sie stehen insgesamt 10 Millionen Euro zur Verfügung. Söder: “Es ist der Versuch, Kultur in der Breite durch Förderung zu erhalten.” Außerdem gibt es einen ersten Hoffnungsschimmer für die Rückkehr von kulturellen Veranstaltungen: "Wir glauben, dass wir Perspektiven für die Zeit nach Pfingsten entwickeln sollen”, so Söder. Man wolle sich dabei an den Hygieneschutzmaßnahmen in Kirchen orientieren. Am 20. Mai soll die Ministerpräsidentenkonferenz über ein solches, bundesweites Konzept entscheiden.

Die Software, so Sibler, ist installiert, die Anträge können auf den Weg gebracht und ab nächster Woche heruntergeladen werden.
Die entsprechenden Anträge findet man, sobald es sie gibt hier:
https://www.stmwk.bayern.de/index.html

Einen guten Überblick über die Hilfsprogramme findet ihr hier:
https://bayern-kreativ.de/aktuelles/corona-erste-hilfe/

Die gesamte Pressekonferenz zum Nachschauen:
https://youtu.be/9zf-x75-YOQ


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