Tommaso und der Tanz der Geister

DONNERSTAG, 13. FEBRUAR 2020, MANHATTAN KINO

#Kino, #Manhattan-Kinos

Offenherzig

Regisseure leben im Dunkeln, arbeiten im Verborgenen. Im Alter bemerkt man das wohl und so erzählen Filmemacher derzeit von sich selbst. Pedro Almodovar hat es mit „Leid und Herrlichkeit“ vorgemacht, jetzt kommt Abel Ferrara und zieht nach. Wohl dem, der einen Freund wie Willem Dafoe hat, dem er die Hauptrolle verpassen kann. Jener Dafoe macht seit einigen Jahren alles richtig, begeisterte in „The Florida Project“ (2017), „Van Gogh“ (2018) und zuletzt im (trotzdem schrecklichen) „Der Leuchtturm“. Nun also ist er Tommaso, ein Amerikaner in Italien, gar nicht besonders glücklich. Seine Ehe mit der jüngeren Nikki (Cristina Chiriac) hat Haarrisse und zu Beginn meint man, er weiß auch nicht viel anzufangen mit seiner kleinen Tochter Deedee. So ein Familienalltag ist unattraktiv: Der rare Sex wird von Kindergequengel gestört, die Ehefrau will gar nicht so beschützt werden, wie er es richtig findet.

Auch beruflich läuft es nicht gut, was zu internen wie externen Zweifeln führt. Wie gestaltet sich ein Weiterleben, wenn der Zenit überschritten ist? Was in solcher Atmosphäre prima gedeiht, ist Misstrauen. Den gealterten Künstler quält zunehmend die Eifersucht, er gerät in einen Strudel, den er nicht mehr kontrollieren kann.

Auch bei Abel Ferrara sind die Zeiten, in denen er zum Kultregisseur avancierte, lang her. Es war 1992, mit „Bad Lieutenant“ - und was er nun in „Tommaso und der Tanz der Geister“ präsentiert, ist er wohl mehr oder weniger selbst. Neben Dafoe spielen Ferraras Frau und die gemeinsame Tochter in der gemeinsamen Wohnung als Kulisse! Das mag provozieren, zumal es bei der eitlen Nabelschau nicht mal spannend ist, was als Nächstes passiert. Spannend ist aber, wie Willem Dafoe einmal mehr seine Klasse offenbart. Dieser Schauspieler kann Menschen bannen, ewig mag ich dieses Gesicht betrachten und darin lesen! Hochsensibel ist, wie die Kamera anfangs den Protagonisten präsentiert, und ihn nach und nach im Auge behalten will. Ebenfalls gut, dass Abel Ferrara mit den angekündigten Sexszenen haushaltet. Nur so konnten intime Momente und vielschichtige Bilder gelingen. Und vielleicht zeigt der Regisseur mit „Siberia“, der gerade auf der Berlinale läuft, dass er noch immer was kann. Nachzuprüfen ab 19.3. im Casablanca. Dann startet der Film mit – Willem Dafoe.   

„Tommaso“ läuft seit 13.02.2020 im Manhattan in Erlangen

 




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