Vittorio Brodmanns Bilder und die Sprache über Kunst

14. NOVEMBER 2019 - 9. FEBRUAR 2020, KUNSTVEREIN NüRNBERG

#Ausstellung, #Kunst, #Kunstverein Nürnberg, #Natalie de Ligt

Der 1987 geborene Schweizer Künstler Vittorio Brodmann präsentiert im Kunstverein Nürnberg unter dem poetischen Titel «Zweig im Regen» 13 Malereien in einer sehr klassischen Hängung. Wo andere lieber auf Titel verzichten, setzt Brodmann sie konsequent ein, immer in Englisch.

Sie sind vieldeutig und wecken diffuse Assoziationen. Titel wie Conventional Wisdom, Can of Worms oder Better Mornings sollen und wollen allerdings das Bildgeschehen nicht erhellen. Sie eröffnen vielmehr zusätzliche Pfade, die – wie die Bilder selbst – eher ins Reich der Ahnungen und Andeutungen führen. Brodmann lässt in all seinen Bildern Figuration und Abstraktion ineinanderfließen oder unvermittelt aufeinandertreffen. Er bringt eine recht eigene Bildsprache hervor, bei der es zu seltsamen, bisweilen skurrilen Figur-Form-Findungen kommt, die aus einem offensichtlich suchenden Malprozess hervorgehen. In ihrer durchaus charmanten Versponnenheit ist den Bildern etwas Introspektives eigen, aber sie rücken nicht wirklich mit der Sprache raus und bleiben sowohl motivisch als auch malerisch indifferent.

Wenig erhellend ist diesbezüglich der Presse- und Ausstellungstext, der nun selbst Gegenstand der Betrachtung sein soll. Er bildet aufgrund seiner Sprache eine ganz eigene Qualität, um nicht zu sagen ein eigenes Universum, und er lässt den gewohnten Standard eines Pressetextes, was Allgemeinverständlichkeit und Vermittlungsanspruch betrifft, weit hinter sich. Zu Brodmanns Bildern heißt es etwa: «Die Malereien entfalten die Beziehungen zwischen unterschiedlichen gegenständlichen und verkörperlichten Strategien innerhalb der Sprache ihres Mediums, das inzwischen bis hinein in seine tableauhaften Räume konventionalisiert ist, (…)» oder «Die zeitgenössische Entropie von Malerei, verkörpert durch das Versagen der Figuren, eine eigene innere Logik zu umschließen, regeneriert die visuelle Topographie des Mediums». Hier benötigt selbst der Kunstexperte Hilfestellung. Solche Umschreibungen machen die Bilder unverständlicher als sie sind und errichten eine Mauer darum, die die Sicht auf die Kunst erschwert. Für diese umständliche und auch elitär wirkende Ausdrucksweise haben sich schon seit längerem Begriffe wie «Kuratorensprech» oder «International Art Language» eingebürgert. Spätestens mit der Etablierung von Studiengängen wie kuratorische Praxis und Theorie, im Hochschulplan meist als «Curatorial Studies» eingebaut, setzte eine Akademisierung des Kuratorenberufs ein, in deren Zuge auch eine entsprechende Wissenschaftssprache salonfähig wurde. Diese erhält aus Gründen, die nur spekulativ sein können, zunehmend Einzug in Bereiche des Kunstbetriebs. Für eine angemessene Öffentlichkeitsarbeit oder als Mittler zwischen Kunst und Publikum taugt sie kaum, vielmehr führt sie Sinn und Zweck z. B. von Presse- oder Ausstellungstexten ad absurdum und akademisiert letztlich auch die Kunst. Jene elitäre Kunstsprache, die ihren Vermittlungsauftrag preisgibt, in dem sie sich nur an einen kleinen Kunstszene-Kreis wendet, will – so der Eindruck – vor allem die Zugehörigkeit zu diesem Kreis demonstrieren. Sie scheint Ausdruck einer globalen Entwicklung im Kunstsystem, wo der Legitimationsdruck steigt und die erfolgreiche Verortung der Akteure innerhalb «ihres» Systems immer mehr Raum einnimmt. Die Wissenschaftssprache legitimiert vor allem den Kurator als Akademiker und als Mitglied eines internationalen Netzwerks von Kunstprofis, aber sie vermag es leider nicht, den Blick für die Kunst zu öffnen.

Bis 9. Februar 2020
VITTORIO BRODMANN: ZWEIG IM REGEN
JAHRESGABEN 2019


KUNSTVEREIN NÜRNBERG - ALBRECHT DÜRER GESELLSCHAFT
Milchhof, Kressengartenstr. 2, Nbg.
Di-Fr 14-18 Uhr, Sa/So 13-18 Uhr u. n. V.
kunstvereinnuernberg.de




Twitter Facebook Google

#Ausstellung, #Kunst, #Kunstverein Nürnberg, #Natalie de Ligt

Vielleicht auch interessant...

20191201_Staatstheater_50Abos
20191201_Umweltbank
20191201_Blaue_Nacht_2020
20191118_ARENA_Premium_Paket