Out Of Order – Werke aus der Sammlung Haubrok, Teil 1

25. OKTOBER 2019 - 1. MRZ 2020, NEUES MUSEUM

#Ausstellung, #Kunst, #Natalie de Ligt, #Neues Museum

Werke aus der Sammlung Haubrok, Teil 1 – Der erste Eindruck der Präsentation «Werke aus der Sammlung Haubrok, Teil 1» ist der eines Schaulagers von Vintagemöbeln. Begibt man sich in den wie durch ein unsichtbares Band abgezirkelten Bereich in der Mitte des großen Saals, in dem sich die Artefakte tummeln, sieht man zunächst den einzelnen Baum vor lauter Wald nicht.

Der Blick irrlichtert über eine unübersichtliche Anzahl von äußerst unkonventionell auf der Bodenfläche verteilten und dann doch wieder zu einzelnen Gruppen geordneten Objekten, Skulpturen und Readymades. Es handelt sich in der Hauptsache um Arbeiten internationaler Konzeptkunst seit den 1990er Jahren – ein Schwerpunkt des Sammlerpaars Haubrok. Eine ganze Reihe bedeutender Werke von namhaften Künstlerinnen und Künstlern schlagen hier auf. In vielen Fällen spielen reale, verfremdete oder irgendwie nachgeahmte Gebrauchs- und Alltagsobjekte eine Rolle: Tische, Stühle, Regale, Bücher, Lampen, Adapter, Betten, Gefäße, Uhren, Schlüssel usw. Sogar zwei Aquarien und ein Transporter sind darunter. Allein diese Aufzählung von alltäglichen Objekten zeigt, dass Konzeptkunst vielleicht gar nicht so spröde ist, wie landläufig vermutet, sondern durchaus von einer gewissen Griffigkeit, ohne den konzeptuellen Kern als eigentlich künstlerisches Ereignis preiszugeben. Das Konzept muss natürlich auch sitzen. Ein hervorragendes Exempel ist die Arbeit «Zollstock» von Andreas Slominski aus dem Jahr 1999. Auf einem Podest liegt ein zusammengeklappter Zollstock. Neben ihm liegt eine ca. 200 cm lange Papprolle, in welcher nach Anweisung des Künstlers der Gegenstand ausgeklappt verschickt werden muss, um am Ausstellungsort in zugeklappten Zustand präsentiert zu werden. Das ist nicht nur von pointiertem Witz, es ist gleichsam eine humorvolle Spitze gegen den Ausstellungsbetrieb und die Geschäftigkeit, die seine Akteure an den Tag legen.

Nicht jede Arbeit in der Ausstellung kommt mit dieser Portion Humor daher. Gleichwohl verbindet ein ironischer Unterton die meisten Werke der haubrokschen Sammlung. Oft wird auf Strukturen und Absurditäten des Kunstbetriebs, des Kunstdiskures oder auch gesellschaftlicher, bürgerlicher Übereinkünfte angespielt. Wie eine kostbare Skulptur präsentiert Hans-Peter Feldmann (*1941, Düsseldorf) ein beigefarbenes Sofakissen mit dem perfekten Knick – der ikonografische Inbegriff von häuslicher Biederkeit. Vom österreichischen Künstler Franz West (1947-2012) sind u. a. ein paar von ihm entworfene Möbelstücke zu sehen. Sie können gleichzeitig als benutzbare Gegenstände oder als Kunstwerk fungieren. Franz West begründete hier einen eigenen Kunstbegriff, der eine Trennung von Kunst und Betrachter, von Objekt und Benutzbarkeit aufhebt (Ausstellungs-Booklet).

Jede Arbeit bzw. Werkgruppe schlägt ihren eigenen Ton an und wird jeweils zum Träger spezifischer inhaltlicher und ästhetischer Aspekte. Zusammengenommen bilden sie einen wichtigen Bereich der jüngeren Kunstgeschichte und des Kunstdiskures ab, den sie zugleich mitprägen. Die Besucher sind eingeladen, den eigenen Parcours durch diese Versammlung kluger Arbeiten zu finden. Das Ausstellungs-Booklet oder auch ein Audioguide helfen bei der Orientierung. Im Januar wechseln die Werke und der mediale Schwerpunkt. In Teil 2 sind dann ausschließlich hängende Arbeiten aus der Sammlung Haubrok zu sehen.


Bis 6. Januar 2020
OUT OF ORDER – WERKE AUS DER SAMMLUNG HAUBROK, TEIL 1

Eröffnung: Donnerstag, 16. Januar, 19 Uhr
Bis 1. März 2020
OUT OF ORDER – WERKE AUS DER SAMMLUNG HAUBROK, TEIL 2

NEUES MUSEUM NÜRNBERG
Klarissenplatz, Nbg
Di-So 10-18 Uhr, Do 10-20 Uhr
nmn.de
 




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