Tibors Kopfkino #14

DONNERSTAG, 31. OKTOBER 2019

#Film, #Kino, #Kolumne, #Regisseur, #Tibor Baumann

Der Nürnberger Regisseur und Autor Tibor Baumann schreibt ein letztes Mal die Ode an das freudige Nürnberger Kino und denkt danach wieder über das nach, wo sein Herz schlägt. Und daher diesmal im Programm:

SELBSTVERSTÄNDLICH IST NUR DAS ENDE  ODER: EIN LETZTES GLAS IM STEHEN

Diesmal gibt es keine Story. Es gibt auch kein Essay. Beide Genres finden heute nicht im KOPFKINO statt. Aber egal, welches Genre, ob Erzähl- oder Essayfilm, Dokumentar- oder Kunstfilm: alles hat ein Ende. Und bei einem guten Ende bleibt man oft ein wenig leer, ein wenig nachdenklich zurück und genießt den Rückblick, der einen Ausblick auf die Zukunft ermöglicht.
Also, wir blicken.
Es hat sich viel verändert, im filmischen Nürnberg. Auch wenn nach wie vor der Scheffel, der wohl aufgestellt wird, um das Licht der Leinwand zu dämpfen, immer noch riesig ist: Nürnberg ist einfach keine Filmstadt, ist ja auch ´ne Arbeiterstadt, is’ ja nix, gibt hier halt auch keine Schaffenden, keine eigene Filmförderung und so wichtige Festivals und so.

Ja, ja. Und so.

Tatsache ist, dass die Filmlandschaft in Nürnberg eine ganze Menge auf die Leinwand bringt und eine ganze Menge besonderer Leinwände hat. Mit Tradition und neuen Ideen, mit langsam wachsenden Institutionen und neu angestrebten Innovationen. Und einem reichen Angebot für alle, die das Kino und den Film lieben.

Mit dem FILMFESTIVAL TÜRKEI-DEUTSCHLAND und dem FILMFESTIVAL DER MENSCHENRECHTE sind zwei enorm wichtige und immer noch wachsenden Institutionen der Filmlandschaft in Nürnberg angesiedelt.

Dem fügt der bunte Blumenstrauß der engagierten Kolleginnen und Kollegen des MOBILEN KINOS die Bespielung der Metropolregion in Stadt und Land hinzu. So wird das SOMMERNACHTSFILMFESTIVAL den großen und kleinen, den bekannten und neuen Perlen des Kinojahrs gewidmet. Besondere Filmbetrachtungen feiert das MOBILE KINO dann für uns mit den MITTELMEERFILMTAGEN für uns. Und mit großem Engagement zeichnet sich das CASABLANCA FILMKUNSTKINO aus, das zwischen altem „Komm, wir gehn’ ins Kino“-Schild und Blick auf die filmische Innovation, mit Veranstaltungen und Reihen die Kinolandschaft bereichert.

Dieses Kino der speziellen Perlen setzt das FILMHAUS KINO mit ausgewählten Reihen, schrägem Material und unverhofften, filmischen Kommentaren zum aktuellen Geschehen fort. Und glänzt dabei mit altem Charme, wie es nur hier möglich ist.

Diese Vielfalt hat Tradition in Nürnberg, die sich im Laufe der Zeit immer wieder wandelt. Mit der Reihe KINO KINO zeigt uns das MOBILE KINO, an welchen Orten in der Stadt schon Kinosäle das schöne Dunkel mit hellem Viereck zum Leben erweckten. Da wurde mir das erste Mal klar, wie viele Kinos es schon seit den 20ern in Nürnberg gab – und bis heute gibt. So viele Kinos, die sich alle ihrem eigenen Programm widmen, von groß und Plex bis hin zum kleinen Programm: den Scheffel braucht es nicht.

Nicht nur das Sehen, auch das Machen wird hier oft unterschätzt. Keine Filmförderung? Keine Infrastruktur? Das hat die Filmemacherinnen und Filmemacher in Nürnberg noch nie aufgehalten! Auch wenn man dann manchmal in die Ferne schweifen muss, um beim Drehen wieder daran zu erinnern, dass es noch ein reiches Gedeck aus Landschaft und Stadt, an filmischen Möglichkeiten gibt, das noch nicht abgefrühstückt ist, hat es vielleicht spätestens die TATORT-Produktion in der Stadt bewiesen: hier geht scho’ was. Nun gibt es den ersten Filmverleih in Nürnberg, einige Euqipmentverleiher haben sich etabliert. Es wächst. Auf Nürnberger Art eben mit Gesodder – und so. Trotzdem, Scheffel weg, Spot on! Man muss genau hinsehen, darf es eben nicht für selbstverständlich abtun, was es hier zu erleben gibt. Man muss nur hingehen und die Orte beleben und wahrnehmen. Kino ist eben eine Gemeinschaftssache.

Einen kleinen Blick hat das Kopfkino hier monatlich für euch gewagt.Jetzt muss ich aber zurück in meine Filmstube und an neuen Geschichten feilen.

Der Vorhang fällt.

Am Ende bleibt ein Abschied.

Und sich zu überlegen, was ihr bei eurem nächsten Besuch sehen wollt.

www.tiborbaumann.de


 




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