Weiß auf weiß

14. SEPTEMBER 2019 - 12. OKTOBER 2019, KUNSTVEREIN KOHLENHOF

#Ausstellung, #Kritik, #Kunst, #Kunstverein Kohlenhof, #Malerei, #Natalie de Ligt

Jonas Tröger (*1991 in Erlangen) studierte an der Kunstakademie Nürnberg. In der Vergangenheit viel der umtriebige Künstler schon häufig mit seinen Präsentationen auf. Viele der Arbeiten und Installationen weisen einen experimentellen Charakter auf oder befassen sich mit Zusammenhängen und strukturellen Bedingungen von Natur, Technik oder Kultur.

Spielerisch, aber auch mit wissenschaftlichem Ernst erschafft der Künstler eine Art in sich funktionierendes System, in dem er unterschiedliche Aspekte und Ansätze miteinander verwebt. So auch in seiner Einzelschau im Kohlenhof, die den anspielungsreichen Titel «Exposition Universelle des produits du Monochrome» trägt, deutsch in etwa «Weltausstellung monochromer Erzeugnisse». Mit der Bilderserie, die Tröger hier unter dem Titel «Exposition Universelle Monochrome» zeigt, ist ihm ein konzeptioneller Wurf gelungen. Betritt man den Ausstellungsraum, der mit Bildern im Format 100 x 70 cm gesäumt ist und auf dessen Front ein großes Wandbild prangt, hat es für einen Moment den Anschein, eine Gaze hätte sich vor die Wände gelegt und man befände sich in einer anderen Welt und Zeit. Denn hier ist alles Weiß in Weiß: Weiße Farbe auf weißen Bildträgern auf weißen Wänden in weißem Licht. Das bringt die Konturen in den Bildern und auch im Raum fast zum Verschwinden. Jonas Tröger hat seine Bilder ausschließlich mit verschiedenen, offiziell als Wandweiß in Baumärkten zu kaufenden Dispersionsfarben gemalt. Sie entpuppten sich, so unglaublich es ist, als eine vielfarbige und kontrastreiche Palette: Warmes und kaltes Weiß, pastelliges Braun, Blau und Rosa. Das ist der Angebotsumfang von Seiten der Baumärkte. In diesem aberwitzigen Umstand erkennt Jonas Tröger große Möglichkeiten – z.B. die Behauptung einer universellen Kunstsprache aufzustellen, die der Monochromie. Die aus Sicht eines amtlichen Malers zwar erheblich eingeschränkte Palette, stellt für den bisher Malerei unerfahrenen Tröger offensichtlich einen idealen Einstieg dar. Er pinselt aber nicht einfach drauf los, sondern lässt mit der präzisen Wahl kunst- und kulturhistorischer Referenzen, die er an den ebenso referentiellen Ausstellungstitel knüpft, einen konzeptionellen Komplex auf, der zugleich einen kulturhistorischen Diskurs eröffnet. Der Titel spielt an auf die großen Pariser Weltausstellungen vor und nach 1900 (Exposition Universelle de Paris), jene internationalen Leistungsschauen, auf denen mit Neuigkeiten aus den Gebieten Technik, Architektur und Design eine strahlende Zukunft heraufbeschworen wurde. Denn der Geist der Moderne war geprägt von einer utopischen Denkwelt, die Kunst eingeschlossen. Diesem Geist rückt Jonas Tröger mit seinen Bildern gehörig zu Leibe. Etwa wenn er in Bild «n° 7» den Bauhaus-Lehrer Johannes Itten, der u.a. die Farbtypenlehre begründete, ausgerechnet mit seinem berühmten Farbkreis zitiert. Tröger weist den Farbkreis in seinem Bild zudem als Ausstellungsstück aus, also als ein historisches Artefakt, das hier nicht nur seine utopische Wirkmacht eingebüßt hat, sondern auch von einer anderen Utopie, der des Monochromen, abgelöst ist und schließlich vom Kunstbetrieb samt dem heiligen Ideal des White Cube musealisiert wird. Mit den Mitteln und Referenzen, mit denen Tröger hier selbst in die Rolle eines Utopisten schlüpft, führt er zugleich die Anfälligkeit und vielleicht sogar einen ideologischen Hang jeglicher Utopie vor Augen. Aber Jonas Tröger rechnet nicht kalt ab, er begegnet den Phänomenen und den Symptomen zwar mit kritischer Distanz, aber auch mit Witz, einer Portion Ironie und mit Sympathie für jene Menschen, die kulturelle, bis heute gültige Ikonen geschaffen haben – in Zeiten, in denen man zuversichtlich und mit klaren Visionen in die Zukunft zu blicken vermochte.

Am 10., 11. und 12. Oktober ist der Künstler vor Ort in der Ausstellung. Zur Finissage am 12. Oktober, 17 Uhr, gibt es Künstlergespräch zwischen Jonas Tröger und Prof. Lars Blunck von der Kunstakademie Nürnberg.


Bis 12. Oktober 2019
JONAS TRÖGER: EXPOSITION UNIVERSELLE DES PRODUITS DU MONOCHROME

KUNSTVEREIN KOHLENHOF
Grasersgasse 15/21, Nbg
Do-Sa 14-19 Uhr u.n.V.
kunstvereinkohlenhof.de




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