Claudias Kinoempfehlungen im Oktober

DIENSTAG, 1. OKTOBER 2019

#Casablanca, #Cinecitta, #Claudias Welt, #Film, #Kino, #Metropolis

Manche sind unauffällig wie die Herbstmilben, andere lachen dir kackfrech ins Gesicht, während sie dich aussaugen. Über Parasiten der Gesellschaft sprechen viele gerne, in ihrem Umfeld dagegen sind die blind gegenüber denen, die sie anzapfen.

BRUDER SCHWESTER HERZ
AB 10.10. / CINECITTA
Manchmal sagt der Titel alles. Der Bruder, die Schwester, das Herz. Können Franz und Lilly ohne einander? Sie arbeiten gemeinsam auf der Rinderfarm ihres Vaters, stehen als Team am Billardtisch. Er der Coole mit dem Lasso, sie kann gut mit Kunden. Die Zustände: paradiesisch, abgesehen von der finanziellen Situation. Auf ihre Mutter sind beide nicht gut zu sprechen, die ist abgehauen, genießt ihr Leben, während der Vater nach einem Unfall kaum mehr laufen kann. Man muss die anderen Dorfbewohner nicht sehen, um zu wissen, dass Lilly und Franz die Lässigsten sind. So weit wie sie den anderen voraus sind, können sie keinen Partner finden. So schwingt zwischen den beiden immer ein Stück mehr Liebe mit als normal, bis Musiker Chris auftaucht, den Godehard Giese (neulich noch der Verlierer im großen Tipp „Es gilt das gesprochene Wort) wirklich brillant spielt. Kann er dem Bruder das Wasser reichen, macht Lilly einen Cut? Spannend, wie Grenzen verschoben werden und Provokation die beste Unterhaltung ist.

DER GLANZ DER UNSICHTBAREN
AB 10.10. / METROPOLIS
Was tun, wenn eigentlich nichts mehr hilft? Die Stadtverwaltung bindet den Sozialarbeiterinnen die Hände, wird die Unterkunft für Frauen schließen. Wie mies das ist, kann man der Lautstärke der Reaktionen entnehmen. DER GLANZ DER UNSICHTBAREN wirkt immer ein bisschen improvisiert, der Kameramann steht wie zufällig herum, die Frauen glänzen nicht, aber sie rocken den Film. In ihrem hässlichen Alltag geben sie sich prominente Namen und sind Feuer und Flamme, als ihre Betreuerinnen ihnen jenseits der Legalität helfen wollen. Mit dem Mut der Verzweiflung geht es an die Reintegration ins Arbeitsleben und dabei greift der französische Regisseur etliche sehr lustige Szenen ab. Er bastelt unverhohlen eine schöne kleine Welt der Zuversicht – und hey, wer hätte gedacht, dass man sich mal so über einen auf zwei Monate befristeten Teilzeitjob zum Mindestlohn freuen kann.  

ICH WAR NOCH NIEMALS IN NEW YORK
AB 17.10. / CINECITTA
Claudias Filmkritik ab 5. Oktober 2019 … aus rechtlichen Gründen usw erst dann.
 
PARASITE

AB 17.10. / CASABLANCA
In Cannes gefeiert und von allen gelobt. Was mag das für ein Film sein? PARASITE ist ein Erlebnis, kurzweiligste 140 Minuten hauen dir die Gegensätze von Arm und Reich um die Ohren. Und er ist ganz sicher ein Film, der von der Lüge lebt. Ein südkoreanischer Junge findet eine Anstellung als Nachhilfelehrer bei einer reichen Familie. Geschickt tanzt er das weitere Personal des guten Hauses aus und bringt nach und nach seine Familie in den besseren Kreisen unter. Freilich versklavt man sich, aber besser als Pizzakartons falten. Es ist zu skurril für ein „Sie lebten glücklich und wurden reicher“, stattdessen erwischt man sich bei ungläubigem Lachen, Staunen oder Luftanhalten, schon bevor der Regisseur zum zweiten Akt ansetzt, danach aber umso mehr. Eine irre Story trifft auf einen tollen visuellen Rahmen und so entsteht ein perfekt kalkulierter Film, der sich den Genregrenzen entzieht und immer dann weiß man: Das ist richtig gut. Niemand wird sich diesen Film ansehen und enttäuscht sein. „Burning“ hatte im Juni bereits seinen Umgang mit dem südkoreanischen Klassenunterschied gezeigt. Jetzt kommt Satire dazu und die Handschrift eines Künstlers, der uns schon bei „Snowpiercer“ Spaß machte und an die Klippe des guten Geschmacks führte.   

LA PALMA
AB 17.10. / CASABLANCA
Bevor Maren Ade mit „Toni Erdmann“ einen schleichenden, aber unaufhaltsamen Erfolg feierte, hat sie schon mit „Alle anderen“ einen ganz großartigen Film vorgelegt. Ist schon zehn Jahre her, als sich Minichmayr und Eidinger auf Sardinien ins Spannungsfeld ihrer Beziehung begaben. Mich erinnert LA PALMA daran, weil sich auch hier zwei aufreiben, fassungslos darüber wie tief die Untiefen sein können. Eigentlich ist die Beziehung von Sanne und Markus am Ende, aber wer zum Teufel glaubt das schon, wenn man mitten drin ist im Kampf ums kaputte Wir. Falsche Erwartungen oder unüberbrückbare Gegensätze? In jedem Film ein cooles Drama, das nichts auslässt.

Nachtrag: Wer sich letzten Monat über das seltsame Ende von SYSTEMSPRENGER gewundert hat, hier der letzte Satz im Original:
Wer weiß, vielleicht klappt es 40 Jahre nach der „Blechtrommel“ mit einem Mädchen, das sich der Welt ...




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