Kaffe Hörna: Triumph mit Zamora's Garden

MITTWOCH, 11. SEPTEMBER 2019



Seit noch nicht einmal einem Jahr führt Nadja Mayrhofer das Kaffe Hörna in der Scheurlstraße. Jetzt darf sie sich die erste Auszeichnung an die Pinnwand heften. Nadja nahm im August an der Licor 43 Bartenders & Baristas Challenge teil, bei der je ein/e Barista und ein/e BartenderIn zusammengespannt werden, um mit Kaffee und Spirituosen einen neuen Drink zu kreieren. „Zamoras Garden“ – mit Pimento Dram, Hot Ginger Jäger, Grapefruitsaft, einem speziellen Espresso und dem Sponsorprodukt – entschied die deutsche Ausscheidung für sich. Im Oktober fliegen Nadja und Suzanne Fiebinger von der Karl May Bar in Dresden deshalb zum internationalen Finale nach Gran Canaria.

 

Wir haben Nadja im Hörna besucht.

curt: Die Challenge beruht ja auf der Kombination aus Kaffee und Cocktail. War das der Grund für dich, teilzunehmen?

Nadja: Es gibt drei Hauptgründe. Punkt eins: Der Austausch mit Kollegen, die auch etwas Handwerkliches machen, die Barkeeper sind und ähnlich vorgehen wie wir, wenn wir über Kaffee reden. Der Punkt an der Challenge war, zu sagen, lasst uns in kurzer Zeit etwas mit einem Menschen schaffen, den man nicht kennt, unser Wissen bündeln, damit etwas Neues dabei herauskommt. Grund zwei war, dass ich selbst mit meinem Bruder eine Bar hatte. Der ist in der Spirituosenbranche und da habe ich eine Zeit lang lang mitgemacht. Punkt drei war, ich hatte einfach mal wieder Bock auf eine Challenge, mich fordert das.
Es ist megaspannend, dass immer mehr Bars das Thema Kaffee aufbereiten. Damit die Basis für einen Cocktail zu machen funktioniert total gut und da tut sich extrem viel. Es gibt mittlerweile Röstereien, die ihr eigenen Cocktails machen und eben diese Meisterschaften, wo man beides kombiniert. Es ist letztlich wie beim Kochen: Du willst aus allen Komponenten etwas Tolles zubereiten.
 
Suzanne Fiebinger, deine Partnerin aus der Karl May Bar in Dresden, kanntest du vorher also gar nicht?

Wir kannten uns alle nicht. Wir haben uns dort in der Location getroffen und wussten zuerst auch gar nicht, wer ist hier Kaffee wer ist Bar? Dann wurden die Paare ausgelost. Ich kannte die Betriebe in der Kaffeebranche, wo der ein oder andere herkam, aber das war es dann auch.
 
Wie läuft diese Zusammenarbeit dann ab?

Das hat jeder anders gemacht. Gut war: Wir hatten bevor es losging vier Stunden Workshop, damit man die Möglichkeit hat, zu sehen, was in der jeweils anderen Szene so passiert. So konnte jeder in die andere Welt reinschnuppern. Wir sind dann sehr strategisch vorgegangen: Jede bündelt ihre Ideen und dann einigen wir uns auf ein Ziel, sodass wir einen roten Faden hatten. Dann haben wir den roten Faden noch ein paar Mal ausgebessert, sind letztlich aber genau dahingekommen, wo wir hin wollten.
 
Das heißt ihr hattet einen Geschmack im Sinn, den ihr erreichen wolltet?

Wir hatten halt den Grundgedanken, wenn einer Firma wie Licor 43 eine Challenge ausruft, wäre es toll, wenn dieses Produkt im Drink auch im Vordergrund steht. Das ist ein Likör aus Cartagena aus 43 verschiedenen Kräutern. Wir wollten eher etwas Herbstliches, Kräftig-Würziges machen, weil man das mit mittelkräftigen und kräftigen Kaffees gut unterstreichen kann. Es gab da einen großen Tisch mit wahnsinnig vielen Zutaten und die Gefahr ist groß, sich in der kurzen Zeit, die man hat, zu verzetteln.
 
Wie schnell merkt man dann, das ist so gut dass wir das Ding gewinnen könnten?

Der Grundgedanke war gar nicht da. Klar ist es toll, das ist das I-Tüpfelchen, aber wir dachten nie, das ist so genial, alle anderen Drinks sind schwächer. Es ging uns vor allem um uns, darum, dass wir das was wir vorhaben, so gut wie möglich geschmacklich rüberbringen. Am Ende hatten wir drei Grundgeschmäcker: Beim ersten Schluck das Vanillige-Kräuterige, im zweiten das Süße mit dem kräftigen Espresso, hinten raus das Kombinierte und die Schärfe vom Jägermeister, die das abrundet. Das war genau das, was wir wollten. Es ging also gar nicht darum, irgendwas zu gewinnen. Schon toll, wir haben uns auch sehr gefreut. Vor allem war es aber toll und megaufregend mit jemandem, den du nicht kennst, so zusammen zu arbeiten.
 
Ich schaue auf eure Karte und sehe keinen Alkohol: Man wird ihn hier also nicht probieren können.

Ich werde mir da was überlegen. Wir haben im Kaffee Hörna keine Lizenz zum Ausschenken. Wir wollen aber, nachdem das Finale Ende Oktober war, eine Art Event veranstalten, wo das jeder mal probieren kann.
 
Das Finale ist auf Gran Canaria. Tritt man da mit dem selben Drink an oder macht man was Neues?

Wir treten mit Zamoras Garden an. Wir haben jetzt noch die Möglichkeit, unsere Präsentation auszubauen. In Gran Canaria werden alle Gewinner aus den Ländern teilnehmen, das sind dann vielleicht 20, 25 Paare. Bis dahin können wir alles in Form bringen, am Konzept arbeiten… Wir haben vor Ort dann 20 Minuten Zeit, um das zu präsentieren. Das Besondere bei uns ist, dass beide etwas von der anderen übernommen haben, sodass die Leute nicht gleich wissen, wer von den beiden macht Kaffee, wer Bar?
 
Probiert ihr dann auch die anderen Drinks oder ist das der Jury vorbehalten?

Zuerst bekommt die Jury einen Drink. Man macht immer einen mehr für den Fotografen, also vier Drinks. Wir haben im Nachhinein dann aber alle probiert. Es war witzig, weil drei waren unserem sehr ähnlich und hatten auch dieses Vanillelikör-artige. Zwei waren sehr unterschiedlich. Es war auch cool zu sehen, wie sind die anderen an die Aufgabe herangegangen sind. Und das ist an solchen Veranstaltungen das tollste, der Austausch. Deswegen müsste es diese Art von Meisterschaft auch öfter geben, wo man sagt, gibt es jemanden in anderen Branchen, mit dem man gut zusammenarbeiten kann? Barkeeper oder Barista und Koch wäre auch interessant. Ein Drink und das passende Gericht dazu… Sowas finde ich toll.
 
Was bringst du von dieser Erfahrung mit ins Hörna?

Bei uns ist gibt es leider die Einschränkung mit dem Alkohol, was Auflagengründe hat. Ein Gedanke von mir ist ein Signature Drink, eine Eigenkreation, bei der man den Alkohol auch weglassen kann. Ich würde dafür zum Beispiel eigene Infusionen ansetzen, einen speziellen Espresso mit Sirup kombinieren… Das wäre definitiv möglich. Im Frühjahr kommt so etwas definitiv auf die Karte. Ich habe damals in der Barzeit viel gelernt, was Cocktails und Aromen angeht, es war aber nie mein Wetter. Ich liebe es vor Mitternacht ins Bett zu gehen und nicht früh um 4 an der Tanke zu frühstücken. Es war toll, aber irgendwann reicht es. Aber Kaffee ist das was mich packt. Und auch da kann man vieles mit einbauen.
 
Was bestellst du abends in der Bar?

Was denkst du denn?
 
Als Kaffeetyp wahrscheinlich eher was Süßes, Liköriges.

Falsch. Ich bin ganz anders gestrickt. Ich mag wahnsinnig gerne Gin und Getränke auf Ginbasis. Aber ich liebe auch einen guten Whiskey Sour. Wenn ich das bestelle, fragt mich der Barkeeper manchmal, bist du sicher? (lacht) So süße Sachen mag ich gar nicht so gerne, lieber kräuterige, würzige. Aber alles, was irgendwo Geschichte hat, mag ich gerne probieren.
Was man mit dem Licor 43 auch gut machen könnte, ist so ein After-Dinner-Drink, ein cremiger Cocktail anstatt eines Desserts. Da ich gerne süß esse und das Dessert eh auf meiner Liste steht, ist das schwierig. Deswegen ist unser Drink beim Wettbewerb auch eher so gedacht, dass man ihn um 17, 18 Uhr nimmt, die Sonne geht gerade unter, die Aromen regen den Hunger an und der Kaffee lässt einen noch länger wach bleiben. Das ist der Hintergrund von Zamoras Garden.
 




Twitter Facebook Google



2019104_RathausArt