Malerei als Laster und Reflektion

12. JULI 2019 - 6. OKTOBER 2019, NEUES MUSEUM

#Ausstellung, #Kritik, #Kunst, #Natalie de Ligt, #Neues Museum

David Reed: «Vice and Reflection #2» / Ganz gleich, wie man zu moderner und zeitgenössischer Kunst stehen mag, ganz gleich, ob man das gemalte Bild in der heutigen Kunst für kaum mehr relevant erachtet, oder ob man an dessen Traditionen streng festhalten möchte, kaum einer wird sich der Faszination, die von den Bildern des amerikanischen Malers David Reed ausgeht, entziehen können. Und das, obwohl oder vielleicht gerade weil sie abstrakt sind.

Ganz gleich, wie man zu moderner und zeitgenössischer Kunst stehen mag, ganz gleich, ob man das gemalte Bild in der heutigen Kunst für kaum mehr relevant erachtet, oder ob man an dessen Traditionen streng festhalten möchte, kaum einer wird sich der Faszination, die von den Bildern des amerikanischen Malers David Reed ausgeht, entziehen können. Und das, obwohl oder vielleicht gerade weil sie abstrakt sind. Der Künstler bietet uns motivisch kaum mehr als farbige ornamentale Schlieren und ausladende Gesten von Pinselschwüngen. Sie lassen sich zunächst als Referenz zum amerikanischen Abstrakten Expressionismus lesen und auch zu den «Brushstroke»-Bildern des Pop-Art-Künstlers Roy Lichtenstein. Aber bevor solche Assoziationen im Kopf ankommen, ist man bereits emotional verwickelt angesichts der sinnlichen Kraft dieser in Form und Farbigkeit klaren, präzisen und zugleich rätselhaften Formationen. Eine spezielle Technik und vor allem das Mittel Alkyd, dessen kunstfertige Anwendung David Reed nunmehr Jahrzehnte lang erprobt, verleihen den abstrakten Strukturen eine verführerische räumliche Tiefenwirkung und gleichsam eine geradezu industriell erscheinende glatte Oberfläche, die auf Distanz hält. Das gesamte Bildgeschehen mit den raffinierten Farbverläufen und -kombinationen sowie die Hell-Dunkel-Kontraste lenken unmittelbar zu Assoziationen, die, obgleich im Bild nichts Figürliches in Erscheinung tritt, an Dinge oder an Wahrnehmungen aus der Realität geknüpft sind. Das liegt nicht nur daran, dass die ornamentalen Windungen bisweilen wie durch ein spezielles Mikroskop aufgenommene Vergrößerungen von Pinselstrichen erscheinen oder sie eine fotografische, sogar körperliche Wirkung erlangen. Die Bewegtheit sowie die Großzügigkeit und Selbstverständlichkeit, mit der sich das Bildgeschehen zu ergeben scheint, sind nicht abstrakt sondern ziemlich real. Wenn Roy Lichtenstein mit seinen planerisch, im Comic-Stil gemalten «Brushstrokes» der Überbetonung der spontanen Pinselgeste der Abstrakten Expressionisten das Ende bescheinigt, löst David Reed die malerische Geste dort wieder heraus und lässt sie wieder Teil der Geschichte werden, in emotionaler und konzeptueller Hinsicht. Er zitiert nicht nur den Abstrakten Expressionismus und die Lichtenstein’sche Abfuhr, sondern reflektiert auch beides kritisch – aber, wenn man so will, als Moralist, der daran glaubt, dass Malerei etwas real Erfahrbares sein kann und Erfahrungen enthalten kann, ohne sie zu romantisieren. Der bescheiden auftretende Künstler verfügt über ein «differenziertes Wissen zur Geschichte der Kunst, des Films sowie der amerikanischen und europäischen Kulturgeschichte» (Begleitheft Neues Museum). Er selbst äußert sich zu seinem Kunstverständnis in einem Interview von 2010 sinngemäß: Ich habe Maler vor mir und nach mir. Ich mag es, ein Teil davon zu sein und dem Traditionellen und dem, was bereits existiert, etwas Neues hinzuzufügen. Ich bin nicht nur von der Malerei und Malereigeschichte beeinflusst, sondern auch vom Film und sämtlichen Erfahrungen, die wir ja alle haben. Malerei existiert ja nicht für sich selbst, sondern ist Teil der Welt. Alles davon geht in die Malerei. Und ich mag, dass alles, worüber ich in Bezug auf ein Bild nachdenke, oder überhaupt meine Erfahrungen in meine Bilder fließen können.
Die Bezüge und Reflektionen im Werk von David sind reichlich. In der Ausstellung im großen Saal des Neuen Museums mit dem Titel «Vice and Reflection #2» kann man ihnen nicht nur anhand einer großformatigen, vierteiligen Malerei-Serie nachgehen, sondern auch mittels einiger Color Studies und den reizvollen Working Drawings sowie eines kurzen Videoclips.

Text: Natalie de Lgt

Bis 6. Oktober 2019
DAVID REED: VICE AND REFLECTION #2

NEUES MUSEUM NÜRNBERG
Klarissenplatz, Nbg
Di-So 10-18 Uhr, Do 10-20 Uhr
nmn.de

 




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