Ein großes, dreckiges Bild - NN-Kunstpreisträger Simon Kellermann im Interview

FREITAG, 19. JULI 2019



Die KollegInnen von den Nürnberger Nachrichten haben was übrig für Kunst, insgesamt 27.000 Euro. Am vergangenen Donnerstag wurde im Kunsthaus der Kunstpreis vergeben. Urban Hütter holte sich mit einer skulpturalen Arbeit die 8.500 Euro für den ersten Platz. Platz zwei teilen sich zwei Selbstporträts von Simon Kellermann und André Debus. Kellermann erzählt im Interview, wie das Schlammportät zustande kam.

Dein Bild zeigt dich selbst, schlammbedeckt, fotorealistisch gemalt. Gibt es ein fotografisches Vorbild für das Bild oder einen Anlass, aus dem es entstand?

Ja, ich hatte das Bild als Idee recht klar im Kopf, hab mir dann Schlamm aus der Pegnitz in meiner Dusche über den Kopf gekippt und eine Fotovorlage geschossen. Ich kann im Nachhinein meist nicht mehr so genau festmachen, warum das Bild genau so aussehen musste, aber es entstand auf jeden Fall aus einem kreativen Tief heraus, und aus einer gewissen Frustration. Ich hatte das Gefühl dem widerstehen zu müssen, indem ich wieder ein großes “dreckiges“ Bild male.

Warum fotorealistisch malen, wenn man auch fotografieren kann?

Das ist eine Frage, die mich ironischerweise oft überrumpelt, da ich sie mir beim Arbeiten selbst gar nicht stelle, da ist das für mich ganz selbstverständlich. Hier wollte ich aber gar keinen Hehl daraus machen, dass es sich um Malerei handelt. Wenn man sich dem Bild nähert, löst sich die fotografische Illusion auf und einzelne Ausschnitte des Bildes an den Wangen und am Hals könnten auch abstrakte Malerei sein - da wird es interessant. Der künstlerische Prozess fängt ja schon bei der Bildidee und dem Inszenieren eines Fotos an, irgendwie gehört es für mich dazu, dass ich das malerisch umsetze und versuche, verschiedene Stofflichkeiten und Oberflächen, wie hier den Schlamm auf der Haut, in der Malerei darzustellen. Mit der letztendlichen Farbgebung, der Wahl des Hintergrunds und dem Verdichten und Auflösen der Malerei - und der ganzen Zeit die man investiert - wird das alles am Ende etwas ganz Persönliches.

Warum war genau dieses Bild für dich das Richtige, um es einzurechen?

Das war gar keine so einfache Entscheidung - das Bild ist etwas älter als meine anderen beiden Einreichungen und ich hatte auch den Gedanken, stattdessen ein noch "aktuelleres" zu nehmen. Es ist zwar schon eines meiner "Lieblinge" - weil es irgendwie was ganz besonders Intimes und Authentisches für mich hat - der letzte Impuls, dieses Bild zu wählen, kam dann aber von meiner Mutter.




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