Über ein Solitär - Der Künstler Dashdemed Sampil zeigt neue Bilder

29. JUNI 2019 - 3. AUGUST 2019, OECHSNER GALERIE

#Atelier- und Galeriehaus Defet, #Ausstellung, #Kunst, #Natalie de Ligt, #Oechsner Galerie

Der 1971 im Nordwesten der Mongolei geborene Künstler Dashdemed Sampil kam zum Studium nach Deutschland, genauer gesagt, an die Nürnberger Kunstakademie. Hier besuchte er die Malereiklasse von Professor Peter Angermann, die er 2008 als Meisterschüler abschloss.

Sampils Bilder waren schon immer auffällig und auch ein wenig verstörend durch das, was der Maler auf den groben Leinwänden suchend und gleichsam unbeirrbar mit breitem Pinsel heraufbeschwört. Rätselhaft geformte Figuren, von unerklärlicher Anatomie besetzen flächenfüllend die meist großformatigen Bildräume und erzeugen Situationen von archaischer Anmutung und großer Ambivalenz. Gegenläufige Assoziationen wie Bedrohlichkeit, Ausgeliefertsein, Grobheit und Zartheit können im selben Moment evoziert werden. Der Künstler baut und organisiert seine Bilder Schicht um Schicht, lässt die Figuren nach und nach entstehen und mit ihnen ihr suggestives Potential. «Sie werden nicht einfach gezeigt, sie treten aktiv in Erscheinung, bewusst und mit Entschiedenheit, (...) in zwingend schlüssigen Kompositionen» (Peter Angermann). Sampils Figuren rekurrieren nicht auf das Individuum oder ein konkretes Narrativ, sie sind eher Archetypen oder Repräsentanten für etwas Umfassendes. Es sind elementare, die Kreatur betreffende Themen wie Geburt, Tod, Sexualität, Angst, die sich in den Bildern manifestieren.

Vielfach machte Dashdemed Sampil in Nürnberg schon auf sich aufmerksam mit Präsentationen auf AEG, wo er sein Atelier hat, im Galeriehaus Nord oder auch in der Oechsner Galerie, wo er zuletzt mit einer Serie von Papierarbeiten überraschte. Der Künstler experimentiert gern und erweitert für sich das Medium der Malerei in alle möglichen Richtungen. Seit etwa zwei Jahren entstehen die sogenannten Putzarbeiten, die auch im Fokus seiner Galerieausstellung stehen. Angemessen zu beschreiben, was der Künstler mit diesen teils monumentalen bis zu 80 kg schweren und 20 cm tiefen Bildern schafft, ist eine Herausforderung. Noch weniger als bei den Leinwänden und Zeichnungen lassen sich hier herkömmliche kunsthistorische oder kunsttheoretische Zuordnungen vornehmen. Im Prinzip entstehen sie wie ein traditionelles Fresko, bei dem Farbe auf den nassen Putzuntergrund aufgetragen wird. Doch anstelle von Farbe verwendet Dashdemed Sampil dick angerührte Mörtelmasse, die er in immer großzügigeren Mengen auf die schweren, übermannshohen Bildträger aufbringt. Paarweise oder einzeln treten hier die Figuren um ein Vielfaches abstrahierter hervor. Massige Batzen und dicke Schlieren von hell belassenem oder mit Pigment eingefärbtem Mörtel werden wie Teigmasse hin- und hergeschoben und buchstäblich in Form gebracht. Die wie aus Raum und Zeit gefallenen Gestalten erscheinen gleichsam wie eine zerklüftete von Wind und Erosion bearbeitete Landschaft oder als seien sie aus derlei Naturkräften erwachsen. Jüngst entstanden Arbeiten, bei denen der Künstler von der erkennbaren Figur abrückt und sich abstrakten Formen zuwendet. Auch sie werden nicht einfach gezeigt, sondern treten in Erscheinung, werden zu einem Gegenüber. Auch hier lässt der Künstler den Betrachter am Prozess der Bildorganisation, der Entfaltung der Vision und an der Formwerdung teilhaben (Angermann). Abermals zeigt sich hier die künstlerische Stärke von Dashdemed Sampil, dem es gelingt, intuitiv und mit einer vagen Idee ins Bild einzusteigen, sich der Unkontrollierbarkeit des Materials auszusetzen und zugleich die innere Vorstellung souverän und konzentriert in die für das Bild «richtige», schlüssige Form und Komposition zu bringen. Die Ausstellung dieses solitären Künstlers sollte man keinesfalls verpassen.

Am Mittwoch, 10. Juli, 19 Uhr gibt es einen Rundgang durch die Ausstellung mit Natalie de Ligt.

[Text von Natalie De Ligt]

Bis 3. August 2019
DASHDEMED SAMPIL: NEUE BILDER

OECHSNER GALERIE
im Atelier- und Galeriehaus Defet
Gustav-Adolf-Str. 33, Nbg
Mi-Fr, Fr 13–18 Uhr, Sa 11–15 Uhr  u.n.V
oechsner-galerie.de




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