Poetry Slam #5: Der Sprung ins kalte Wasser

MONTAG, 1. JULI 2019, WESTBAD, ERLANGEN

#Kathi Mock, #Kolumne, #Lesen für Bier, #Lucas Fassnacht, #Michael Jacob, #Poetry Slam

Fünf Meter. Das mag für den einen hoch sein, für die andere überhaupt nicht. Auf jeden Fall ist es eine der außergewöhnlichsten Slam-Bühnen im deutschsprachigen Raum: ein Sprungturm im Freibad. Bei "Splishy Splashy"-Poetry Slam erklimmen die Slammer*innen der 5-Meter-Turm, um von dort hinunterzuslammen, was das Zeug hält. Und wer ausscheidet, muss natürlich runterspringen.

Dieses Konzept hat sich die Augsburgerin Christina Maria Kestler vor vier Jahren ausgedacht. Nach drei erfolgreichen Abenden im Freibad Landsberg am Lech kommt der „Splishy Splashy“nun das erste Mal ins Erlanger Westbad.

Christina ist eigentlich Fotografin und Designerin und wollte einfach schon immer mal nachts im Freibad sein, ganz ohne halsbrecherische Zaunkletteraktionen. Ein Event sollte es sein, das Spaß mache und bei dem man auch noch baden gehen dürfe. Da sie Texte jeglicher Art sehr mag und mit ein paar Slammer*innen befreundet ist, lag es für sie also nahe, einen Poetry Slam zu veranstalten. Denn Poetry Slam bedeutet, mutig zu sein: seine eigenen Texte und somit Gedanken und Gefühle dem Publikum preiszugeben und sich dann auch noch der Bewertung durch eben jenes auszusetzen. Poetry Slam ist für Christina also ohnehin ein Sprung ins kalte Wasser, und nun ist er nicht mehr nur metaphorisch gemeint.

Der Ablauf beim „Splishy Splashy“ ist wie bei einem normalen Poetry Slam, nur dass die Slammer*innen in Badebekleidung auf einem 5-Meter-Turm stehen und das Publikum auf Decken und Bastmatten um das Sprungbecken herum sitzt. Das Ganze steht dabei unter dem Motto „Baden gehen für den guten Zweck“, da ein Teil der Eintrittsgelder dank des Engagements der Erlanger Stadtwerke gespendet wird. „Baden gehen“ ist ein essenzieller Bestandteil der Veranstaltung, denn vor Beginn des Slams und in der Pause dürfen auch die Gäste ins Wasser. Der Kiosk ist den ganzen Abend über geöffnet und man kann seine Kindheitserinnerungen mit Pommes und Süßkram auffrischen. Das ist auch der Hauptgrund für Christina, dieses Konzept weiter zu veranstalten: alle haben Spaß im Freibad, und dann gibt es noch großartige Unterhaltung durch einen Slam. Die Energie und Begeisterung des Publikums und der Slammer*innen ist jedes Mal deutlich spürbar.
Und die Slammer*innen müssen dann wirklich springen? Ja! Wer in der Vorrunde oder später im Finale ausscheidet, springt. Die allermeisten wagen sich dabei anmutig oder dilettantisch von den fünf Metern, ein paar wenige haben sich auch schonmal auf die Drei- oder Ein-Meter-Variante zurückgezogen, aber trocken geblieben ist noch niemand. Über die Fallhöhe darf also selbst bestimmt werden.

Bisher war bei allen „Splishy Splashy“-Slams Sonnenschein und Sommerhitze angesagt, die Veranstaltung findet aber bei jedem Wetter statt. Neben Badesachen und gemütlichen Decken sollte man sich auch bei heißen Temperaturen warme Kleidung für abends mitnehmen.

Unter den deutschsprachigen Slammer*innen ist der „Splishy Splashy“- Slam mittlerweile sehr bekannt und beliebt als ungewöhnlicher Ort für einen Poetry Slam. So wollen jedes Jahr viele Slam-Größen dabei sein. Es wird also sicherlich eine hochkarätige Veranstaltung inklusive abendlicher Freibad-Romantik.

[Fotos: Max Saufler Fotografie]

SPLISHY SPLASHY POETRY SLAM
FREITAG, 12.07., 19:30 UHR / WESTBAD ERLANGEN / VVK 8,-, AK 10,-
Das Publikum darf vor Beginn und in der Pause auch selbst ins Wasser gehen. Die Veranstaltung findet bei jedem Wetter statt. Der Einlass ins Bad ist um 18:30 Uhr, Slam ab 19:30 Uhr. Karten sind im VVK bei den Erlanger Stadtwerken, dem Westbad Erlangen, dem Rötelheimbad und im Kulturzentrum E-Werk zu erhalten, oder an der AK. estw.de/splishy-splashy

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NOCH MEHR POETRY SLAM SOMMERTIPPS:

POETRY BEACH SLAM
DO, 11.07., 19 UHR / STADTSTRAND / FREI
Von Lyrik bis Comedy ist alles dabei: Elena Hammerschmid (Regensburg), Markus Riks (ER), Helmuth Steierwald (FÜ), Steven Poetry Slam (ER), Barbara Gerlach (N), Jakob Schwerdtfeger (Frankfurt). Moderiert von Slammerin Lara Ermer und Hitradio N1-Moderator Flo Kerschner.

SUMMER SLAM FÜRTH
SO, 14.07., 19:30 UHR / KOFFERFABRIK / AK 6,-
Bei schönem Wetter im Hof, ansonsten in der Galerie im Erdgeschoss. Sommerpreis 6 Euro, Kulturschock e.V.-Mitglieder erhalten sogar freien Eintritt. Moderiert von Michael Jakob.

LESEN FÜR BIER - OPEN AIR SPECIALS
DO, 11.07., 19:30 UHR / PARKS, NBG / 7,- (5,- MIT TEXT)
FR, 26.07., 19:00 UHR / E-WERK, ERLANGEN / 7,- (5,-)
Open Air Specials mit Lucas Fassnacht samt Gast, bei der mitgebrachte Texte der Gäste vorgelesen werden und Leser wie Text pro Runde ein Bier gewinnen können. Lesegast im Parks ist Rebecca Heims. Lesehilfe im Erlanger E-Werk ist Estha Sackl.





 




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E-WERK ONLINE . Ein Stream kann ein Live-Geschehen eines Konzerts, eines Theaterstücks oder auch eines Poetry-Slams niemals ersetzen. Entsprechend lange hat das E-Werk-Slam-Team überlegt, ob Live-Streams aus dem E-Werk wirklich sinnvoll sind. Doch das E-Werk hat nun beschlossen: Ja! Und dank der Unterstützung von funklust, der studentischen Medieninitiative der FAU Erlangen, kann der Livestream-Slam nun realisiert werden. Bis in den Juni rein werden Euch insgesamt vier Streams präsentiert. Den Auftakt macht schon diesen Samstag Kathi Mock mit einer Poetry Slam Mixed Show.  >>
HERSBRUCK. Bahnhof FÜRTH

Auf der blauen Himmelsleinwand über dem sandsteinernen Bahnhofsgebäude wurde ein Pinsel mit weißer Tünche immer wieder über die ganze Fläche abgestreift, um die Farbe aus den Borsten zu bekommen. Daneben im grauen Hochhausklotz glotzten die hundert schmalen Fensteraugen in müder Verschlagenheit. Auf den Bahnsteigen hingen blau gerahmte Displays in der Luft und zeigten den Reisenden die nächsten und übernächsten Anschlüsse hin zu anderen Bahnsteigen. Ein Mädchen mit weißen Steinchen im Ohr bewegte die kreidebleichen Turnschuhe mit ihren munter wiegenden Füßen und sprach und lachte mit einer Person an einem anderen Ort. Sanft griff sie in eine lange Strähne und zwirbelte das blonde Haar. Der Mann daneben löste seine Maske vom Ohr und trank vorsichtig aus der Mineralwasserflasche. Ein anderer hielt sich fast klammernd am Riemen der Tasche.

Eine Bahn fuhr heran. Seine Beine liefen zu den sich öffnenden Türen. Er verschwand. Die Türen schlossen sich. Die Bahn fuhr davon. Eine Frau mit gradem schwarzen Scheitel ließ eine Tasche unter dem Hintern nach vorne und hinten baumeln. Sie trug noch einen Beutel über der Brust und einen Rucksack am Rücken, als wolle sie sich von allen Seiten beschweren, um der Gefahr zu entgehen davonzufliegen wie der fliegende Robert. Dann pfiff hinten eine braune Lok, die sogleich geschäftig vorbeirollte, als habe sie im Lotto gewonnen. Dem geduldigen Postgebäude zur linken war ein Lederdach aufgesetzt worden. Wie braune Kappen auf den Köpfen von Knechten die im Viereck, Schulter an Schulter stumpf mit gestrecktem Rücken nebeneinender harren, stand es da und wartete auf Befehle. Direkt davor hatte man schwarze und gelbe Tonnen in einen engmaschigen Zwinger gesperrt. Die Quer- und Längsverstrebungen eines grünen Metallmasten überkreuzten sich im Blick darauf. Mit einer daran befestigten grauen Stangenkonstruktion wurde die elektrische Oberleitung recht aufwendig in die Luft gehalten. Weiße parallele Streifen flankierten im Sonnenlicht die Bahnsteigkante. Der Kabarettist stieg in die nächste Bahn nach Hersbruck ein und setzte sich zum Grafiker, der schon  im Waggon saß.
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