Nico: Sogar der Himmel betet sie an

7. APRIL 2019 - 6. JULI 2019, ATELIER- UND GALERIEHAUS DEFET

#Atelier- und Galeriehaus Defet, #Ausstellung, #Institut für moderne Kunst Nürnberg, #Kunst, #Natalie de Ligt

Eine Ausstellung über Nico im Institut für moderne Kunst besprochen von Natalie De Ligt. 

Mit einer Hommage an die Sängerin und Schauspielerin Nico meldet sich das Institut aus einer längeren Ausstellungspause zurück. Nico, eigentlich Christa Päffgen, «ist Pop und zugleich war ihr das ‚Populär-sein’ immer egal (...) Sie nahm in der Subkultur der 1960er-, 1970er- und 1980er-Jahre eine Schlüsselrolle ein und ist für viele Künstlerinnen und Künstler bis heute ein wichtiger Bezugspunkt» (Pressetext). In der Tat kennen auch jüngere Generationen ihre mit einem unverwechselbar dunklen Timbre gesungenen Songs wie «Femme Fatale» oder wissen um ihr unkonventionelles wie selbstzerstörerisches Leben. Auch Aspekte wie ihr Aussehen, ihre Nähe zu Andy Warhol und ihr Beharren auf Unabhängigkeit vor allem in künstlerischer Hinsicht, die sich vor dem Hintergrund eines zu der Zeit ausschließlich von Männern dominierten Musik- und Kunstbetriebs ereigneten, tragen zum Mythos Nico bei. Grund genug, dieser zeitlosen Figur eine vielgestalte Hommage zu widmen. In der Ausstellung sind neben Zeitdokumenten, die Nico u.a. als junges und fast bieder wirkendes Fotomodell zeigen, auch Arbeiten von rund 30 Künstlern versammelt, die das Institut eingeladen hatte, sich mit dem Phänomen Nico auseinanderzusetzen. Eine zwangsläufig disparate Präsentation ist so zustande gekommen, die aber nicht zerfällt in der wunderbaren Raumgestaltung, die der ebenfalls mit einem Werk beteiligte Künstler Andreas Oehlert übernommen hat. Zwei zusätzliche Wände gliedern den Raum. Alle Flächen wurden in Grautönen gestrichen, was die Arbeiten in einen wohltuend intimen Rahmen einbettet und den Besucher wie in eine Höhle eintreten lässt. Über die Zeitdokumente erfährt der Besucher das ein oder andere bisher Nichtgewusste über die Ikone. Hingegen führen die künstlerischen Beiträge, die u. a. von etablierten Künstlern wie Jonathan Meese, Michaela Meise, Gert & Uwe Tobias oder Rosemarie Trockel stammen, nicht wirklich zu einer tiefergehenden Annäherung an das Phänomen Nico. Aber das liegt wohl in der Natur der Sache einer Hommage, bei der ja die Urheber mit ihrem Beitrag sich zwangsläufig selbst neben die öffentlich geehrte Person stellen und es überhaupt kompliziert ist, dem Bezug, den man zu einer Person oder einem Werk hat, künstlerischen Ausdruck zu verleihen. Da kann viel schiefgehen, aber irgendwie läuft doch alles rund – weil die Beiträge getragen sind von einem empathischen Moment, was sie ohne Ansehen einer formalen oder inhaltlichen Sinnhaftigkeit sympathisch macht. Es sind so unterschiedliche Werke zu sehen wie die von Rosemarie Trockel eingereichte ältere Schwarzweißfotografie mit zwei Männern in schickem Anzug – der Bildausschnitt zeigt sie ohne Kopf. Der eine hält das berühmte Plattencover mit der Banane «The Velvet Underground & Nico» auf eine Weise zwischen den Fingern, die den Gegensatz der Welten von Underground und Establishment, die hier aufeinandertreffen, zum Ausdruck bringt. Oder jene ins Pubertäre abgleitende Arbeit des Künstlerinnenduos Kitty & Joy, die – in Anspielung auf Andy Warhols Bildserie «Oxidation» von 1978 – auf eine zum Kreuz geschnittene Kupferplatte gepinkelt und entsprechende harnöse Oxidationsmarken hinterlassen haben. Doch gerade die Unbeholfenheit mancher Arbeit oder ein gewisses Maß an Sentimentalität, das sich Künstler ansonsten verbieten, machen den Reiz der Schau aus. Und daraus spricht zugleich die bis heute virulente Begeisterung für diese nicht zu fassende Frau, die sich Nico nannte und die ein singuläres, monolithisches wie inspirierendes Phänomen bleibt. 

Zum Ende der Schau erscheint eine umfangreiche Publikation.

BIS 6. JULI 2019
NICO: WIE KANN DIE LUFT SO SCHWER SEIN AN EINEM TAG AN DEM DER HIMMEL SO BLAU IST

INSTITUT FÜR MODERNE KUNST
im Atelier- und Galeriehaus Defet
Gustav-Adolf-Str. 33, Nbg
Sa/So 12-17 Uhr u.n.V.  
moderne-kunst.org 




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