Erzähl mir was ... Siegfried Straßner

MITTWOCH, 8. MAI 2019

#Buch, #Im Gespräch mit, #Interview, #Kulturladen Nord, #Lara Sielmann, #Literatur

Seit 20 Jahren ist Siegfried Straßner der Literaturkoordinator des Kulturladen Nords. Im Interview erzählt er über fränkische Nachwuchsschreiber und wo es literarisch für die Stadt hingehen kann.

Lara Sielmann: Herr Straßner, bekannt ist die Nürnberger Kulturlandschaft nicht für ihre Literatur. Sie sind seit 1999 Literaturkoordinator des Kulturladen Nords – ein problematisches Unterfangen?

Siegfried Straßner: Nürnberg ist nun einmal keine Verlagsmetropole wie München, Berlin oder Frankfurt. Und die Stadt beherbergt auch kein kommunales Literaturhaus, das eine den Häusern in Deutschland vergleichbare Literaturförderung oder Verwurzelung mit der regionalen Literaturlandschaft ermöglichen würde. Die Übernahme dieser Aufgaben durch andere Kultureinrichtungen gelingt bisher nur im Rahmen der begrenzten finanziellen und personellen Möglichkeiten. So verwundert es kaum, wenn erfolgreiche AutorInnen regionaler Herkunft früher oder später ihre Fühler in literarisch erfolgversprechendere Regionen ausstrecken.

Abgeschreckt haben Sie diese Strukturen bisher nicht.

Literatur als kulturelle Errungenschaft, und damit auch kritisches Lesen und Schreiben, gilt es unbedingt zu bewahren. Sie bedarf einer ausreichenden und gleichberechtigten Förderung im Sinne der geistigen, menschlichen und solidarischen Weiterentwicklung unserer Gesellschaft. Literatur hat Einfluss, und auch wenn marktschreierische Vereinfacher bisweilen die Oberhand zu gewinnen scheinen, so gelten doch gerade in vielen autoritären Systemen VertreterInnen des geschriebenen Wortes noch immer als Bedrohung der Macht.

Sie sind vor allem auch in die literarische Nachwuchsförderung involviert und vergeben den Fränkischen Literaturpreis für junge AutorInnen.

Und das seit drei Jahrzehnten. Ob beim Literaturpreis, Slam- und Lesebühnenprojekten oder AutorInnengruppen, es treten immer wieder neue, interessante ProtagonistInnen und Veranstaltungsformen in Erscheinung. Hier muss sich der fränkische Literaturnachwuchs keineswegs hinter dem Rest der Republik verstecken.

Seit Anfang des Jahres regt sich etwas in der städtischen Literaturlandschaft: Ein/e Literaturbeauftragte/r wird gesucht, verschiedene Literaturevents sind geplant, auch einen Runden Tisch der Literatur gibt es mittlerweile zur Vernetzung.

Ob runder Tisch oder neuartige, literarische Veranstaltungen: ich begrüße alle Aktivitäten, die das literarische Leben in Nürnberg bereichern und vernetzen. Nicht jedoch brauchen wir in Nürnberg eine 
Kopie des schönen Erlanger Poetenfests, auch kein Namedropping-Literaturfestival zu den umsatzstärksten Titeln der großen Verlage. Nötig sind begleitende Formate, die auch beim Publikum die Neugierde auf spannende Literatur abseits der Bestsellerlisten wecken.

Irritation gab es allerdings auch schon: Bei der Planung eines Literaturtages wurden die regionalen Literaturschaffenden übergangen.

Der Unmut resultierte aus einer punktuell unzureichenden Kommunikation zwischen einzelnen AkteurInnen, konnte jedoch in nachfolgenden Gesprächen in zukunftsorientierte Gemeinsamkeit gewandelt werden. Das Ziel der Stärkung der Nürnberger Literaturlandschaft verbindet alle Beteiligten, und so ist auch die Suche nach einem Literaturbeauftragten ein Projekt, das ich mit Spannung verfolge.

Welche Rolle kann und soll Literatur bei der Bewerbung um den Titel Europäische Kulturhauptstadt 2025 spielen?

Literatur muss in meinen Augen eine unübersehbare Rolle bei der Bewerbung spielen, gleichberechtigt mit den anderen Sparten und kulturellen Aktivitäten. Literatur darf in einer möglichen Europäischen Kulturhauptstadt Nürnberg nicht nur als Irgendwie-auch-Anhängsel, als schmückendes Beiwerk zu Events in Erscheinung treten, sondern selbstbewusst und sichtbar als ebenso unverzichtbarer wie bedeutender Bestandteil der lebendigen kulturellen Identität dieser Stadt.

TIPP: Am 29. Mai findet im Kulturladen Röthenbach die Vergabe des 31. Literaturpreises der Nürnberger Kulturläden statt.

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Unsere Kolumnistin LARA SIELMANN, geboren und aufgewachsen in Berlin, arbeitet als Kulturschaffende und Journalistin in Nürnberg und Berlin. Lara freut sich über themenbezogene Fragen, Anregungen und Tipps – einfach per E-Mail an Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, du musst Javascript aktivieren, damit du sie sehen kannst senden! 




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NüRNBERG. Wir sagen mal nur Folgendes: Ski-bi dibby dib yo da dub dub. Yo da dub dub. Ski-bi dibby dib yo da dub dub. Yo da dub dub. Und wenn ihr jetzt einen Ohrwurm habt, dann wisst ihr, was gemeint ist: Scatman, das One-Hit-Wonder von Scatman John aus dem Jahr 1995. Den Song kennt wahrscheinlich jede*r und man denkt sich nicht viel dabei, wenn er nochmal im Radio läuft: Bisschen kurioser Eurodance halt. Dass sich in diesem Song tatsächlich die berührende Geschichte des lange erfolglos gebliebenen, stotternden Jazzmusikers John Larkin verbirgt, wissen auch wir erst seit Who‘s The Scatman, der preisgekrönten Graphic Novel des Nürnbergers Jeff Chi. Wir haben mit Jeff über dieses Comic-Meisterwerk gesprochen – und verlosen zwei Exemplare!  
Jeff hat‘s übrigens ganz richtig gemacht und uns sein Thema mundgerecht angeboten. Wir freuen uns und machen was drüber und dann freut sich der Jeff und ihr euch auch. Macht‘s wie Jeff, machts‘s besser und macht mit – per Mail an info @curt.de!  >>
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