Im Gespräch mit: Elias Harris

MITTWOCH, 8. MAI 2019

#Basketball, #Brose Bamberg, #Im Gespräch mit, #Interview, #Sport

Dass Elias Harris noch einmal seiner Familie eine Pokalsieg-Medaille zeigen könnte, stand lange Zeit auf wackeligen Knien. Nach zwei schweren Verletzungen derselben konnte der ehemalige Bamberger Kapitän seinem Team über ein Jahr nur von der Tribüne aus zusehen. Doch aufgegeben hat er nie. Letzten Oktober gab er sein Comeback. Seitdem wirft sich der sympathische Familienmensch unter den Körben wieder voll ins Zeug und ins Interview mit curt.

Du bist in dieser Saison weitgehend verletzungsfrei geblieben. Wie fühlst du dich?

Ich fühle mich gut. Das Knie hält, ich bin fit. Das ist die Hauptsache. Zudem bekomme ich immer mehr Sicherheit in meinem Spiel.

Nach deiner Leidensgeschichte in den vergangenen zwei Jahren, gab es nicht wenige, die der Meinung waren, deine Karriere wäre nun eigentlich vorbei. War das eine besondere Motivation, um stark zurückzukommen?

Das klingt ein wenig abgedroschen, aber du darfst nie aufhören, positiv zu denken. Diese Einstellung hat mir während der Zeit extrem geholfen, auch wenn es nicht immer leicht war. Ich habe darum versucht, nur auf mich und meine Gesundheit zu schauen, damit ich in dieser Saison wieder angreifen kann. Gleichzeitig bringe ich dem Sport nun eine ganz andere Wertschätzung entgegen. Ich kenne es ja selbst von früher, wo ich aufgestanden bin und mal keine Lust auf die Vorbereitung oder ein Spiel hatte. Durch eine solche Verletzung bekommt man die Augen geöffnet, wie kurz und kostbar diese Zeit ist, in der man sein Hobby zum Beruf machen darf.

Bambergs Saison war bis hierhin sehr wechselhaft. Die Mannschaft überzeugte nicht immer, andererseits habt ihr den Pokal gewonnen und seid in der Champions League im Top 4 (Anm.: 3.–5. Mai in Anderlecht). Bei welcher Bilanz ist man am Ende als Spieler zufrieden?

Perfekt ist deutscher Meister, aber das ist ein sehr hoher Anspruch. Der Gewinn des Pokals ist doch schon mal ein schönes Etappenziel. Dazu das Erreichen des Final Fours. Das hätte uns im Januar auch niemand zugetraut. Ich nehme gerne alles mit, was die Saison noch so an Erfolgen und erfreulichen Dingen zu bieten hat.

Was macht Coach Perego anders als Ainars Bagatskis, sodass es nun anscheinend besser läuft?

Er hat jahrelang bei Trinchieri gelernt. Strukturen, Taktik, generelles Basketball-Verständnis, wie zum Beispiel eine geschlossene Verteidigung, aber auch zahlreiche Details unterscheiden sich deutlich. „Fede“ hat innerhalb von vier bis fünf Wochen bereits viel geleistet. Wir arbeiten härter, werden unsere Physis weiter steigern.

Ist es für die Spieler manchmal schwierig, damit umzugehen, dass die Erwartungshaltung der Fans in Bamberg durch den großen Erfolg so hoch ist?

Es ist Last und Anspruch zugleich. Natürlich wollen wir in jedem Spiel das Maximum erreichen. Manchmal ist es aber, warum auch immer, einfach nicht möglich. Die letzten Jahre und der Basketball, den wir gespielt haben, hat sicherlich viele Fans verwöhnt. Aber nicht nur Fans von uns, sondern auch Anhänger anderer Teams haben uns tollen Basketball bescheinigt. Das „hängt“ uns sicherlich noch nach. Allerdings haben unsere Zuschauer eine Menge Sachverstand, sodass die meisten die aktuelle Situation schon richtig einschätzen.

Du hast auf der Position 3 angefangen und wirst teilweise noch so gelistet. Du spielst aber häufiger auf der 4. Unter Trinchieri warst du sogar zeitweise Center. Wo würdest du dich selbst hinstecken? Wo kommen deine Stärken am besten zum Tragen?

Ganz ehrlich: eigentlich ganz egal. Als Dreier kann ich meine Größe ausspielen, als Vierer ebenso. Mittlerweile habe ich auch die Masse für einen Center. Zudem wird mein Schuss wieder solider. Über weite Strecken meiner Karriere war ich immer für circa 15 Punkte pro Spiel gut. Die aktuelle Trefferquote ist also nichts Außergewöhnliches. Das hatte sich unter Coach Trinchieri etwas geändert, weil ich weniger Minuten bekam. In den Jahren zuvor habe ich meinem Team neben Energie auch stets Punkte gegeben.

Du sagst, dein Ex-Teamkollege Daniel Theis sei wie ein Bruder für dich. Wie oft habt ihr Kontakt, seitdem er in Boston spielt? Wie beurteilst du seine Saison?

Wir telefonieren, skypen und schreiben uns mehrmals in der Woche. Seine Saison ist gut, auch wenn ich persönlich denke, dass er mehr Minuten verdient hätte. Jetzt stehen sie aktuell in der zweiten Playoff-Runde und ich traue dem Team noch eine Menge zu. Wer weiß, vielleicht kommt ja mal wieder ein NBA-Champion aus Deutschland?!


ELIAS JOHN MICHAEL HARRIS, 29, geboren in Speyer, #20, Small / Power Forward, 2.02 m, 108 kg, spielt seit 2013 für Brose Bamberg. Zuvor war er während seines Studiums an der Gonzaga University für die Gonzaga Bulldogs aktiv und stand danach zweimal für die Los Angeles Lakers in der NBA auf dem Parkett. Nach über einem Jahr Verletzungspause gab der ehemalige Bamberger Kapitän und 36-fache deutsche Nationalspieler am 15. Oktober 2018 sein Comeback und erreichte bisher einen Durchschnitt von 10.35 Punkten pro Spiel. 




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