Im Interview: YUCCA

DONNERSTAG, 4. APRIL 2019

#Band, #Interview, #Konzert, #Musik, #Tommy Wurm

Die alten Haudegen aus Hersbruck wollen es nochmal wissen: Nach 18 Jahren Bandgeschichte, unzähligen Auftritten und einigen Besetzungswechseln haben sie heimlich, still und leise Album No.5 mit ihrem Haus- und Hofproduzenten Oliver Zülch aufgenommen. Grund genug, den mittlerweile gereiften Herren auf die Zähne zu fühlen.

TOMMY: Fünf Jahre seit eurem letzten Album – das ist eine kleine Ewigkeit. Warum die lange Pause?

YUCCA: Unser letztes Album „Seasons“ wurde 2014 released, das ist im Musikgeschäft schon eine ganze Weile. In den letzten Jahren gab es ein paar Veränderungen, privat & beruflich, das ist der Lauf der Zeit. Auch wenn wir nicht in Clubs oder bei Festivals auf der Bühne standen, waren wir doch mindestens jede Woche im Proberaum zum Jammen, Songs für unser neues Album “Lieblingsmomente” Schreiben, Quatschen und Feiern. Eine wirkliche Pause gab es also nicht.
 
TOMMY: Auf eurem letzten Album „Seasons“ gab es einen Song in deutscher Sprache. Mit dem neuen Album seit ihr jetzt komplett geswitched. Wie kam es zu dieser Entscheidung?
 
Es war keine wirkliche Entscheidung, es hat sich einfach so ergeben. Klar war der Song “Lass mich ich sein” ein erster Schritt in diese neue Richtung, und diese hat uns sofort sehr gut gefallen – deshalb jetzt auf Deutsch. Was man allerdings sagen muss, bei muttersprachlichen Texten macht man sich doch etwas mehr Gedanken über den Inhalt und die Aussage. Der Inhalt, den man transportiert, wird gewichtiger und die Worte wirken intensiver. 
 
TOMMY: Textlich kann man eine gewisse Verbitterung hören. Viel Anklage, wenig Lösung. Keinen Bock zu helfen?
 
Wir möchten natürlich kritisch auf einige Themen hinweisen, erlauben uns aber nicht, mit Lösungen um die Ecke zu kommen – diese darf sich jeder selbst überlegen und ist für sein Handeln verantwortlich. In unseren Songs geht’s aber hauptsächlich um Lieblingsmomente, Augenblicke, Momentaufnahmen und wie wir diese in uns tragen. 


TOMMY: Erzählt doch ein wenig über den Entstehungsprozess dieses Albums. Wer schreibt, wer bestimmt? Demokratie oder Diktatur?
 
Songs entstehen auf unterschiedliche Weise. Einige beginnen am Reißbrett, andere ergeben sich aus dem Jammen heraus und werden im Anschluss verfeinert. „Lieblingsmomente“ ist etwas Besonderes, da hat sich der Entstehungsprozess tatsächlich über die fünf Jahre seit „Seasons“ hingezogen. Natürlich machen wir jetzt schon sehr lange Musik und haben so einige Songs in unseren Leben aufgenommen, dennoch haben wir einen gewissen Anspruch an uns selbst und den Sound – deshalb kann es auch manchmal etwas länger dauern. Sei es die besondere Note, das i-Tüpfelchen im Arrangement usw. Allerdings haben wir am Ende noch immer das gewisse Element Punk, das die Songs zu keinen sterilen und kühl-digitalen Kreationen werden lässt.
 
TOMMY: Das neue Album wurde wieder von Oliver Zülch aufgenommen und gemischt. Wie groß ist sein Einfluss auf euren Sound?
 
Das Spezialwissen, das Oliver mit sich bringt, ist wahnsinnig umfangreich. Sounds oder digitale Instrumente, die für sich eher steril klingen, werden über analoge Effektierung zu einem neuen Soundbild gemischt, was am Ende dem Song einen modifizierten Charakter verleiht. Daraus ergibt sich ein breites Potpourri an Möglichkeiten, vom 60er Jahre Federhall oder Bandschleifenecho bis hin zu Bodentretern, die durch gezielte Kombination unseren typischen Klang ausmachen. Dies hört aber wahrscheinlich nur der Nerd. Olli ist über die Jahre nicht nur unser Produzent, sondern auch zu einem sehr guten Freund geworden und wir verlassen uns auf sein Können und sein Gehör. Seine Meinung zu unseren Songs ist uns sehr wichtig und wir probieren gemeinsam so einiges aus, bis der richtige Sound steht …
 
TOMMY: Ihr seid mittlerweile gestandene Mannsbilder, teils verheiratet, kurz davor, mit guten Jobs. Welchen Stellenwert hat Yucca in eurem Leben?
 
Gute Jobs? Wer sagt das? (Lachen) Musik und Yucca gehören schon so lange dazu, dass wir es uns gar nicht mehr ohne vorstellen können. Mit Freunden Musik machen, Songs aufnehmen und dann auch noch auf Tour gehen zu dürfen – das ist doch eines der schönsten Hobbies, welches man überhaupt haben kann, oder?

TOMMY: Die Musikindustrie hat sich im Laufe eures Bestehens stark verändert. Alles anders in 2019. Besser oder schlechter oder egal?
 
Besser oder schlechter kann man nicht sagen, eher anders. Es ist gefühlt etwas unübersichtlicher geworden. Noch vor ein paar Jahren hat man hauptsächlich CDs produziert und auch damit mehr oder weniger gut planen können. Vinyl hat in gewissen Kreisen ein Comeback erlebt. Mittlerweile läuft alles digital und eben anders. Streaming hat den Musikkonsum verändert, was zum einen den Zugang zu einem größeren Publikum ermöglicht, zum anderen aber durch die größere Vielfalt die Auswahl erschwert. Was will man eigentlich hören? Hört man Alben oder springt man über generierte oder kuratierte Playlists, die einem zum bisherigen Hörerlebnis scheinbar passende Tracks vorschlagen? Sucht man selbst nach neuem Input? Viele Bands findet man nicht mehr wie früher über Konzerte oder Magazine, sondern im Internet über offizielle Seiten, als auch über private Blogs, die eigene Zielgruppen und Sparten adressieren. Das macht es irgendwie auch interessanter, weil es nicht mehr DEN Musikgeschmack gibt. Steckte man früher Geld in physische Dinge wie CDs, muss man heute in immaterielle Sparten wie Social Media investieren.
 
TOMMY: Nürnberg, deine Künstler! Wie seht ihr die hiesige Szene?
 
Es gibt vielfältige Fördermöglichkeiten, auch für junge Bands, die ziemlich gut sind. Da ist Nürnberg anderen Städten immer noch voraus. Seit einigen Jahren etablieren sich auch private Veranstalter, die speziell im Bereich Indie/Alternative eine Nische füllen können. In Nürnberg geht so einiges!

TOMMY: Ihr geht bald auf Tour. Warum, wohin und was ist zu erwarten?
 
Wir haben einfach Bock drauf, das ist gar keine Frage. Berlin, Hamburg, Minden, München und Nürnberg stehen fürs erste auf der Liste. Nach der etwas längeren Pause sind wir natürlich extrem heiß auf die Shows. Live macht uns einfach noch immer den größten Spaß, wir können unserer Energie freien Lauf lassen und das werden wir auch tun.

TOMMY: Los, jeder von euch drei Platten, die euch wichtig sind!
 
Es gibt echt sehr viele Bands, welche uns wichtig sind (z.B. The Cure, Interpol, Santigold, The Get Up Kids, Jimmy Eat World, Ted Leo, Veto, Q and not U, Modest Mouse, Hot Chip, Does it Offend You Yeah?, Arcade Fire u.v.m.). Wir wollen jetzt nicht 15 Platten nennen, sondern haben uns auf diese drei einigen können: The Faint - Blank Wave Arcade, The Notwist - Neon Golden, Atom and his Package - A Society of People Named Elihu.
 
YUCCA LIVE​
24.04.2019 Berlin / Monarch
25.04.2019 Hamburg / Astra Stube
26.04.2019 Minden / Ameise
27.04.2019 München / Cord Club
03.05.2019 Nürnberg / Club Stereo 

www.yucca-music.de
 




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