Die Wiederkehr des Herrn Bryce Taylor

FREITAG, 7. DEZEMBER 2018

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Am 18. November verloren die Brose Basketballer gegen den ewigen Rivalen Alba Berlin mit 92:88. Der Bamberger Shooting Guard Bryce Taylor dürfte sich trotzdem gefreut haben, 350 Tage zuvor ist ihm beim Spiel gegen Bonn die achillessehne gerissen. Eine Verletzung, die für Vater Brian Taylor das Karriereende mit 28 Jahren in der NBA bei den San Diego Clippers bedeutete. Ein Jahr hat er für sein Comeback geackert, für die ersten vierzehn Minuten Einsatzzeit und sechs Punkte. Das Karriereende kann noch viele Jahre auf den 32-Jährigen warten. 

curt: Gratulation zum Spiel gegen Alba Berlin. Als Mannschaft verloren, aber für sie persönlich ein Sieg. Das darf man bei allem sportlichen Ehrgeiz sicher so sagen. Wie fühlt es sich an wieder auf dem Parkett zu stehen?

BRYCE TAYLOR: Es waren gemischte Gefühle. Es war Erleichterung, aber die Freude überwog. Dass mein Comeback in Berlin war, wo ich zwei Jahre unter Vertrag stand, war nichts Besonderes für mich. Vielmehr, endlich wieder auf dem Feld zu stehen.

curt: Ein Jahr ist eine verdammt lange Zeit und auch länger als geplant. Kommen da nicht auch mal Zweifel auf oder hilft ein sonniges kalifornisches Gemüt?

Ich hatte viel mehr Freizeit. Das hat mir die Möglichkeit gegeben zu erleben, wie es sein wird, wenn ich einmal kein Basketballprofi mehr sein werde. Hoffentlich dauert das noch ein paar Jahre. Ich habe das Spiel vermisst, es hat mir gefehlt, mich mit anderen zu messen. Das hat mir gezeigt, dass ich als Profi so lange spielen möchte wie irgendmöglich. Außerdem hatte ich Zeit Deutsch zu lernen. Es ist schon ganz gut geworden.

curt: Apropos Deutsch lernen. Während der Verletzungspause hat ihnen der Bamberger Oberbürgermeister Starke ihre Einbürgerungsurkunde überreicht. Den amerikanischen Pass haben sie abgegeben. Auch ein wenig politisches Statement oder einfach eine persönliche Entscheidung für den eigenen Lebensweg und die Karriere?

Das war ein sehr großer Schritt für mich. Ich freue mich sehr, dass es geklappt hat. Ich fühle mich richtig gut. Mein Lebensmittelpunkt ist seit neun Jahren Deutschland, hier will ich auch nach meiner Karriere bleiben. Daher war es nur logisch für mich, die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen. Auch wenn ich zugeben muss, dass es schon ein komisches Gefühl war, als ich meinen amerikanischen Pass abgegeben habe.

curt: Also Weihnachten ab jetzt ganz klassisch fränkisch mit „Sauren Zipfeln“, Kartoffelsalat oder Bockwurst? Oder sind Sie gar nicht zu Hause, schließlich spielen Sie zwei Tage vor Weihnachten im Pokal und am zweiten Weihnachtsfeiertag in der Liga in Göttingen. Da lohnt es sich fast nicht heimzufahren, oder? :-)

Meine Heimat ist Deutschland. Ich fühle mich in Bamberg unglaublich wohl. Meine Freundin ist bei mir, daher kann ich mir kein schöneres Weihnachten vorstellen. Wir spielen ja am 22., fahren dann aber natürlich wieder nach Hause und trainieren auch am 23. und 24. Am 25. Dezember fahren wir wieder nach Göttingen. Es wird also eher ein stressigeres Fest werden…

curt: Insgesamt ist der Terminplan rund um die Feiertage ziemlich voll. Nach der Länderspielpause stehen vom 8. Dezember bis Ende Januar 16 Spiele auf dem Programm. Da wird jeder Mann benötigt. Gut für Sie oder besteht die Gefahr, auch mal zu überpacen?

Ich erwarte nicht mehr 25 bis 30 Minuten zu spielen. Aber ich kann 15 bis 20 Minuten mit hoher Energie für das Team da sein, den Ball werfen, gut verteidigen und Erfahrung aufs Feld bringen. Ich habe jetzt eine andere Rolle. Von der Bank zu kommen, finde ich gut. Ich freue mich auf das neue Kapitel in meiner Karriere, werde aber immer Bryce Taylor bleiben. Ich bin ein harter Arbeiter und denke immer positiv. Mental bin ich stärker als vor meiner Verletzung.

curt: Weil Sie es wieder ins Team geschafft haben? Ihr Vater musste seinerzeit seine NBA-Karriere wegen dieser Verletzung mit 28 Jahren beenden.

Ja. Als Athlet hast du das Gefühl, unbesiegbar zu sein. Du rennst, springst, wirfst. Man denkt, das kann dir keiner nehmen. Wenn du plötzlich gar nicht mehr laufen kannst, oder nur noch an Krücken, dann zweifelst du, ob du jemals wieder der Alte sein wirst und weißt, dass du einen langen Weg vor dir hast. Das macht dich erst einmal fertig. Aber dann merkst du die kleinen Fortschritte, Monat für Monat wird es besser. Plötzlich kannst du wieder rennen. Ich habe viele Meilen auf dem Ergometer runtergestrampelt. Aber viel wichtiger waren die kleineren Übungen, um die Muskulatur und die Wade wieder zu stärken. Ich bin stolz, dass ich das alles geschafft habe. Bei einer so schweren Verletzung, wie ich sie erlitten habe, wäre es leichter gewesen zu sagen: das war‘s.

curt: Stichwort Länderspielpause. Wäre die Nationalmannschaft auch mal eine Option? Die Championsleague, in der die Bamberg seit diesem Jahr spielen, nimmt im Gegensatz zur Euroleague ja auch Rücksicht auf die Termine der Nationalmannschaft.

Zunächst einmal bin ich froh, dass ich einfach wieder Basketball spielen kann. Ich konzentriere mich jetzt darauf, dass ich wieder zu 100 Prozent fit werde, um meiner Mannschaft bestmöglich zu helfen. Alles was danach kommt, werden wir sehen, wenn es soweit ist.

curt: Bleibt noch die Frage: Welche sportlichen Ziele haben Sie für 2019?

Zum ersten Mal in meiner Karriere eigentlich keine. Jeder Spieler wird sagen, er will in erster Linie gewinnen. Aber das ist nicht immer wahr. Einige denken zuerst an ihre eigenen statistischen Werte, oder das Gehalt, oder den nächsten Vertrag. Aber ich kann ehrlich sagen, dass es mein Ziel ist, dem Team zu helfen. Auch wenn das nur zehn Minuten pro Spiel sein sollten. Meine statistischen Zahlen sind mir egal. Ich werde hart arbeiten und versuchen, einen positiven Einfluss auf das Team zu nehmen. 

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BRYCE TAYLOR, Jahrgang 1986, geboren in Encino (Kalifornien / USA), 1,95 m, #44, Shooting Guard, Stationen: 2008–2009 Sutor Montegranaro, 2009–2010 Telekom Baskets Bonn, 2010-2012 ALBA Berlin, 2012-2013 Artland Dragons, 2013-2017 München, seit 2017 Brose Bamberg.

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