Punk‘s not dead: Navigator belebt die Nürnberger Szene

MONTAG, 4. JUNI 2018



Punk ist tot, Metal hat keine Fans mehr und die ganze Rockmusik-Branche ist sowieso dem Untergang geweiht. Mit seinem erfolgreichen Konzept aus Punk-, Hardcore- und Metal-Konzerten arbeitet Steffen Rose mit Navigator Productions seit mehr als 30 Jahren allen Hiobsbotschaften entgegen und lässt internationale Szenegrößen immer häufiger in Nordbayern in ausverkauften Hallen auftreten.

Egal, ob moshend bei Eskimo Callboy im Löwensaal, grölend bei Ignite im Hirsch oder schmachtend zu den herzzerreißenden Tönen von Nathan Gray im Stereo – wer in den letzten Monaten und Jahren ein Punk- oder Hardcore-Konzert in Nürnberg besucht hat, hat das mit großer Wahrscheinlichkeit Steffen Rose zu verdanken. Mit seiner Firma Navigator Productions holt der gebürtiger Wertheimer die ganz großen Bands der Genres nach Nürnberg, Würzburg oder Schweinfurt und lässt so die ganze Szene in Franken neu aufleben.

Wie so oft entstand auch die Idee zu Navigator vor über 30 Jahren aus der Not heraus: „Ich stamme aus einer Kleinstadt. Da war es in den frühen 1980ern als Punker nicht einfach, Bands live zu sehen. Also haben wir einfach deutsche Punk Bands angeschrieben und gefragt, ob sie bei uns im JUZ spielen wollen.“ Doch was es heißt, professionell Konzerte zu veranstalten, das war dem Punker damals weder klar noch wichtig. „Wichtig war uns damals nur genug Bier.“, erinnert er sich zurück. Heute kümmert er sich um viel Papierkram, verhandelt mit Agenturen und Labels und versucht dabei immer auch die Wünsche des Publikums bei seinen Buchungen nicht aus den Augen zu verlieren. Echtheit und Nähe steht für den Veranstalter immer im Fokus: „Ich denke, dass das Publikum wieder auf authentische Musik steht, direkt an der Bühne – face to face mit den Bands. Weg von den Stadien, zurück zu den Wurzeln.“

Über die Jahrzehnte wuchs Navigator zu einer festen Größe im Business, setzte sich gegen die harte Konkurrenz durch und hat mit dem Mission Ready Festival im vergangenen Jahr sogar ein neues Punk- Harcore-Open-Air in Nordbayern etabliert. Mit Bands wie Pennywise, WIZO und Sick Of It All ist das Ein-Tages-Festival auch dieses Jahr wieder ein absolutes Muss im fränkischen Konzertsommer (Samstag, 30.06., Giebelstadt Flugplatz).

Besonders in den letzten Monaten zeigte sich: Die totgesagte Szene wächst wieder stetig, große Locations wie Hirsch und Löwensaal platzen nicht selten aus allen Nähten und auch im Z-Bau fühlen sich Punks, Metaler und Corler seit der Wiedereröffnung 2015 heimisch. Alleine im Juni steigen fünf Navigator-Shows im Z-Bau (Emmure 12.06. / All Them Witches 15.06. / Lionheart 19.06. / Being As An Ocean 20.06. und Plini 24.06. – präsentiert von curt) und der ganze Sommer ist nur so gespickt mit großartigen Konzerthighlights.
Mit brachialem Sound und viel Authentizität reißen die Hardcore-Punker von Terror am 25. Juni den Hirsch ab. Besonders freut sich Steffen Rose auf seine alten Freunde von Boysetsfire (26.06., Löwensaal): „Wer eine gute und ehrliche Band auf der Bühne sehen will, die es schafft, eine tiefe Atmosphäre zu entwickeln, sollte sich die Show im Löwensaal nicht entgehen lassen.“



INTERVIEW MIT STEFFEN ROSE VON NAVIGATOR PRODUCTIONS
 
CURT: Die Punk- und Hardcore-Szene wächst besonders in Nordbayern entgegen aller Prophezeiungen in den letzten Monaten und Jahren wieder stetig und immer häufiger treten Acts dieser Genres in ausverkauften Hallen auf. Liegt das daran, dass du mit Navigator Productions ihr immer mehr hochkarätige Bands nach Franken holst, oder hast du den Bedarf erkannt und darauf reagiert?
STEFEN ROSE: Ich habe eher nicht auf einen Trend reagiert. Ich mache genau das, was ich schon seit mehr als 30 Jahren machen. Ich denke, dass das Publikum eher wieder auf authentische Musik steht, direkt an der Bühne  - face to face mit den Bands. Weg von den Stadien, zurück zu den Wurzeln, weg von den Bombast-Produktionen, die nur die Tickets überteuern.

Alleine im Juni finden zahlreiche Hardcore- und Metalcore-Konzerte im Z-Bau in Nürnberg statt.  Emmure, All Them Witches, Lionheart und Being As An Ocean geben sich hier die Klinke in die Hand. Kristallisier sich da eine neue Szene-Hochburg heraus?
Das liegt zum einem an der Location, die es ja bis vor zwei Jahren so nicht in Nürnberg gab und wir somit einfach nicht die Möglichkeit hatten, die Bands in diesem Rahmen zu buchen. Dazu hat Nürnberg ein sehr großes Einzugsgebiet und ein sehr offenes und dankbares Publikum .

Seit über 30 Jahren veranstaltest du Punkrock- Hardcore und Metal-Shows in Würzburg, Schweinfurt und Nürnberg. Wann und wie war die Idee geboren, eigene Konzerte zu veranstalten?
Ich stamme aus einer Kleinstadt (Wertheim). Da war es in den frühen 1980ern als Punker nicht einfach Bands live zu sehen. Also haben wir einfach deutsche Punk Bands angeschrieben und gefragt, ob sie bei uns im JUZ spielen wollen. Das zwar funktioniert, nur hatten wir keine Ahnung, wie das durchzuführen ist. Aber als Punker war uns das auch nicht so wichtig. Wichtig war: genug Bier! Dann lief das nach dem Schneeballsystem und wuchs immer weiter. Zudem gab es damals noch nicht so viele Clubs, die Punk-Rock-Shows in Deutschland veranstalteten, außer in Köln, Hamburg oder Berlin.
 
Wie kommst du an internationale Spitzenbands wie Boysetsfire, Hatebreed und Lagwagon ran?
Diese Bands waren ja auf ihren ersten Touren noch keine internationalen Spitzenbands.
Die haben alle auch erst mal kleine Shows gespielt, mit 80 bis 200 Besuchern. So lange kenne ich auch diese Bands und es haben sich dadurch zahlreiche Freundschaften ergeben. Diese Kontakte bestehen bis heute.
 
Ist Navigator eine Ein-Mann-Firma oder hast du ein Team um dich?
Navigator ist als Firma eine One-Man-Show. Den ganzen Papierkram mache ich alleine. Ich habe aber jeweils in Nürnberg und Schweinfurt ein sehr fähiges Team vor Ort, das mich bei den Shows unterstütz und mir viel Arbeit abnimmt. Ohne diese Menschen könnte ich die Anzahl der Shows nicht abwickeln.

 
Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus?
Da unterscheide zwischen Büro- und Show-Tagen. An Büro-Tagen stehe ich gegen 6 Uhr auf, dann lasse ich mir Zeit bis ich aus der Wohnung gehe. Drei Mal pro Woche gehe ich morgens zum Crossfit, um den Kopf frei zu bekommen. Erst dann lese ich meine ersten Mails, mit denen ich bis Mittag zu tun habe. Meine Mittagspause verbringe ich mit meiner Frau und gehe anschließend nochmal ins Büro. Showtage und große Produktionen sind oft mit 16 Stunden Arbeit vor Ort verbunden. Nach so einer Großproduktion brauche ich den nächsten Tag erstmal zur Erholung. Mein Lebensstil ist grundsätzlich sehr ruhig, ganz im Gegensatz zu der Musik, mit der ich zu tun habe. Ich ernähre mich vegan, habe zu Hause kein Fernseher, keine Tageszeitung, noch nicht einmal eine Stereo-Anlage.  Meine freie Zeit nutze ich für Sport und Bewegung, um dieses schnelle Business verarbeiten zu können .
 
Was macht dir am meisten Spaß, warum gefällt dir dein Job so gut?
Die Zusammenarbeit mit Menschen, egal ob Publikum, Bands oder Crew, macht mir am meisten Spaß. Man lernt ständig neue Leute kennen, mit vielen kommt man gut klar und freut sich, sie bei der nächsten Show wiederzusehen. Mit anderen kommt man eher weniger klar, aber das zieht man dann profimässig durch, ohne, dass die Show drunter leidet.
 
Was nervt dich am meisten an deinem Job?
Der wirtschaftliche Erfolgsdruck, der auf den örtlichen Veranstaltern lastet, ist schon enorm. Das wirtschaftliche Risiko liegt zunächst bei uns. Bands bzw. deren Agenturen sichern sich in 95 Prozent der Fälle so ab, dass sie zumindest kein Geld verlieren .
 
Was hat sich in den letzten Jahren bei der Arbeit mit Künstlern am markantesten verändert?
Die Geschwindigkeit Entscheidungen zu fällen.
 
Bands haben oft sehr ausführliche Wunschlisten für die Ausstattung im Backstage-Bereich. Was war das Kurioseste, das du je auf einem Catering-Rider gelesen hast?
Das ist bei uns alles im Rahmen, aber alles was nicht mit Essen und Trinken zu tun hat streiche in Konsequent raus.
 
Wie suchst du die Bands für deine Shows aus? Danach, was die Leute wollen, oder was du gerne selbst live sehen möchtest?
Wenn es hier nur um mich gehen würde, wären es mit Sicherheit weit aus weniger Shows. Ich probiere eine Mischung über das Jahr hin zu bekommen - ein Mix aus ganz neuen Bands, Wünschen vom Publikum und auch den Angeboten, die über die jeweiligen Agenturen kommen. Ganz klar aber auch Bands, mit denen Geld zu verdienen ist und meine Rechnungen zu bezahlen sind.
 
Mit dem Mission Ready Festival hast du im vergangenen Jahr Nordbayern um ein weiteres Open Air bereichert. Die Besucher schätzten besonders die kurzen Wege, das regionale Bier und keine Überschneidungen im Line-up. Auf zwei Bühnen sind dieses Jahr Bands wie Pennywise, Sick Of It All und WIZO auf dem ehemaligen US-Flugplatz in Giebelstadt am Start. Womit setzt ihr in diesem Jahr noch einen drauf?
Ich freue mich sehr aufs MRF als mein Highlight des Jahres. Meine Kollegen und ich arbeiten zwölf Monate dran. Vor allem jetzt in den Wochen vor dem Festival gibt es besonders viel zu tun. Einen bestimmten Act kann und will ich gar nicht hervorheben. Der Vorverkauf ging schon heftig los, da hatten wir das Line-up noch gar nicht bekannt gegeben. Das zeigt uns, die Leute haben richtig Bock auf so ein Festival. Eine Neuheit gibt es aber in diesem Jahr: Am Abend vorher gibt der Singer-Songwriter Markus Rill ein chilliges Warmup-Konzert auf dem Campingplatz.
 
In diesem Sommer gibt es auf den Nürnberger Live-Bühnen mit Bands wie beispielsweise Plini (24.06., Z-Bau), Terror (25.06., Hirsch) und  Boysetsfire (26.06., Löwensaal) wieder ordentlich auf die Mütze. Auf welches Konzert freust du dich besonders?
Ganz besonders freue ich mich auf Boysetsfire. Mich verbindet eine enge Freundschaft mit der Band. Diese Jungs hat noch nie eine schlechte Show abgeliefert. Wer eine gute und ehrliche Band auf der Bühne sehen will, die es schafft eine so tiefe Atmosphäre zu entwickeln, sollte sich die Show im Löwensaal nicht entgehen lassen.

www.facebook.com/NavigatorProduktions

[Text:Olivia Barth-Jurca]




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