Die Stelle des Schnitts

20. APRIL 2018 - 24. JUNI 2018, KUNSTVEREIN NüRNBERG

#Ausstellung, #Kunst, #Kunstverein Nürnberg, #Natalie de Ligt

Natalie de Ligt hat mit Milan Ther, den neuen Leiter des Kunstverein Nürnberg, über seine erste Ausstellung und seinem Verständnis von Kunst gesprochen.

Seit Anfang des Jahres ist Milan Ther neuer Leiter des Kunstverein Nürnberg - Albrecht Dürer Gesellschaft. Er löst Simone Neuenschwander ab, die turnusgemäß nach fünf Jahren den Leitungsposten abgab. Kaum hat Milan Theran bei der Kestner Gesellschaft in Hannover, wo er zuvor als Kurator arbeitete, seine Zelte abgebrochen, wartet er hier an seiner neuen Wirkungsstätte mit der ersten von ihm kuratierten Schau auf. Sie heißt «Die Stelle des Schnitts», was zugleich ein Wortspiel mit dem Begriff Schnittstelle ist. Die Ausstellung versammelt Film- und Soundarbeiten von vier Künstlern, die sich auf unterschiedliche Weise die digitalen Medien zunutze machen und sich ebenso mit deren Möglichkeiten sowie deren wahrnehmungswandelnder Wirkung auseinandersetzen. Die US-Künstlerin Renée Green (*1959), die Städelschulabsolventin Thuy-Han Nguyen-Chi und die englische Künstlerin Cosey Fanni Tutti (*1951) zeigen Filmarbeiten und der Engländer James Richards (*1983, lebt in Berlin) ist mit einer Soundinstallation vertreten. Vereinfacht gesagt thematisieren sie das Individuum an der Schnittstelle des Analogen und Digitalen in der heutigen Zeit. In der Ausstellung werden darüber hinaus Themen vom Dasein angesprochen, so Milan Ther. Es geht um das Körperhafte und um körperliches Empfinden. Das zu thematisieren, werde immer wichtiger in einer Welt, in der vieles – und immer mehr – immateriell stattfinde. Vor allem die Soundinstallation von James Richards wird das wohl gut verdeutlichen. Hierbei befindet sich der Besucher in der Mitte eines von sechs Lautsprechern gesäumten Kreises. Geräusche wie Wasser, Stadtlärm, Choralgesänge oder EKG-Töne kommen von allen Seiten und führen unweigerlich zu einem physischen Klangerlebnis. Etwas Immaterielles, mit digitalen Mitteln Erzeugtes, erhält eine körperliche, analoge Präsenz. Der Besucher ist hier gewissermaßen selbst an einer Schnittstelle, wo das Digitale und Analoge in eins fällt.
Für Milan Ther ist Kunst interessant, die mit den Grenzen der Kunst experimentiert, die sich mit den Rahmenbedingungen der Kunst und des Kunstbetriebs auseinandersetzt und die dabei theoretisch-inhaltlich und gleichermaßen ästhetisch fundiert ist. Insofern darf bereits seine erste Ausstellung im Kunstverein auch als Auskunft über sein Selbstverständnis von Kunst und vom Kuratieren verstanden werden. Mit Milan Ther ist außerdem eine junge Kuratoren-Generation am Start, die nicht zwangsläufig die klassische kunsthistorische Ausbildung vorweist. Bevor Ther in Frankfurt/Main ein Studium der Curatorial Studies absolvierte, studierte er in New York Kunstgeschichte – «bei einer Professorin, die Fluxus-Expertin ist und bei der die Kunstgeschichte da beginnt, wo Jackson Pollock stirbt». Er merkt an, dass man heutzutage Kunst nicht nur z.B. von der Malerei aus denken könne und als Maßstab hernehmen, an dem sich alles messe. Daher seien für ihn auch Ausstellungen wie die letzte documenta wichtig. All das muss jedoch die Kunstgeschichte oder Kunst, die mehr oder weniger an einen tradierten Kunstbegriff geknüpft ist, nicht ausschließen. Für den Sommer ist jedenfalls eine Ausstellung mit Malereipositionen geplant.

Eröffnung: Donnerstag, 19. April, 19 Uhr
20. April bis 24. Juni 2018
KUNSTVEREIN NÜRNBERG - ALBRECHT DÜRER GESELLSCHAFT
Kressengartenstr. 2, Nbg.
Di-Fr 14-18 Uhr, Sa/So 13-18 Uhr u.n.V.
kunstvereinnuernberg.de
 




Twitter Facebook Google

#Ausstellung, #Kunst, #Kunstverein Nürnberg, #Natalie de Ligt

Vielleicht auch interessant...

Bahnsommer_7
20180721_Berg_Personal