Driftende Bauten – (Un)Mögliche Architektur

10. FEBRUAR 2018 - 25. MRZ 2018, KUNSTGALERIE FüRTH

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Natalie de Ligt über die Ausstellung „Driftende Bauten – (Un)Mögliche Architektur“ in der Kunstgalerie Fürth – Der Titel der Gruppenschau deutet das Thema an, um das die künstlerischen Positionen kreisen. Es geht um mögliche und unmögliche Architektur. Das passt in diesem Jahr nach Fürth. Denn die Stadt feiert das 200. Jubiläum seiner Erhebung zur eigenständigen Stadt.

Und weil an der städtebaulichen Verfassung und der Architektur jeder Stadt frühere und aktuelle Utopien, Visionen und mit ihnen deren Gelingen und Scheitern abzulesen sind, und weil der Traum vom Bauen, vom architektonischen Gestalten mindestens so alt ist wie der Traum vom Fliegen, liegt es auf der Hand, dass dieses Thema auch ein wiederkehrendes bei den Künstlern ist. Hans-Peter Miksch, Leiter der Kunstgalerie Fürth und Kurator der Schau, hat sich für sieben Künstler entschieden, in deren Werken sich «Architekturzitate, Architekturutopien und -dystopien» verschmelzen, wie es in der Ankündigung heißt.

Roland Bodens (Berlin) in düsterer Stimmung gehaltene Bilder sind Ausschnitte einer Stadtlandschaft mit einer dem Menschen abgewandten Architektur. Sie stellen ihr eigenes Scheitern zur Schau und könnten zugleich auch Modelle für etwas Zukünftiges sein. Dazu gesellt sich ein architektonisches Betonobjekt mit dem Titel «Rohbau» von Joachim Manz (Bremen). Es weist, wie auch andere Arbeiten des Künstlers, eine klare, wenn nicht strenge Form auf. Bei dem «Rohbau» weiß man nicht genau, worauf er hinausläuft. Auch, oder gerade weil hier lediglich die Möglichkeit von Architektur angedeutet wird, entfacht es die eigene Projektion und macht den Betrachter gewissermaßen zum architektonischen Vollbringer. Demgegenüber steht in schönem Kontrast die Arbeit «Ziegenturm» des Künstlerduos GODSDOGS (Berlin). Das wild- und weitverzweigte Natur- und Behausungskonglomerat erweist sich als Träger tausenderlei Geschichten. Hier ist Stadt als Turm gedacht, in dem sich Leben, Natur und Architektur zu einem Gebilde vereinigen. Bedingt trifft das auch auf die farbig gefassten Bronzen von Thomas Virnich (Mönchengladbach) zu, die mehr Skulptur denn Objekt sind und die ihren Reiz unter anderem aus dem Anteil an Malerei beziehen. Mit Filip Dujardin (Gent) und Philipp Schaerer (Zürich) sind zwei fotografische Positionen dabei, die Versatzstücke realer Architektur aus ihrem Zusammenhang lösen. Am Computer bauen sie daraus neuartig und gleichsam absurd wirkende Architekturen, die wiederum vorgeben, real zu sein. So findet man bei Schaerer als Angabe zur Technik passenderweise «Digital Image Montage» und zum Titel «Bildbau No 1, 2» etc.

Der Nürnberger Künstler Fredder Wanoth hat auf einem erhöhten Tisch eine Auswahl seiner aus Hölzern, Pappe, Schachteln, Drähten und anderem Fundmaterial gebauten Modellarchitekturen aufgereiht. Sie erscheinen zunächst als spielerische Visionen eines Versponnenen, gespeist aus dem Fundus eines Allessammlers. Der zweite Blick offenbart sie jedoch als weniger harmlos. Hier zeigt sich Spott und Kommentar, worauf auch Titel wie «Geniestabs-Marinekirche» oder «Der Hammer des Herrn» hinweisen. Es sind ins Satirische gewendete Anti-Monumente, die, vielleicht mit Wink in Richtung der deutschen Geschichte, Architektur als sich selbst entblößendes und entblödendes Herrschaftssymbol und als Ausdruck von irregeleitetem Machtstreben offenlegt. Zu dieser gelungenen Ausstellung erscheint ein ebenso gelungener Katalog.

Von 10. Februar bis 25. März 2018
KUNSTGALERIE FÜRTH, Königsplatz 1, Fürth. Mi-Sa 13-18 Uhr,
So/Feiertage 11-17 Uhr, Mo/Di geschlossen (auch an Feiertagen). kunst-galerie-fuerth.de




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