Claudias Kinoempfehlungen im Februar

DONNERSTAG, 1. FEBRUAR 2018

#Admiral, #Babylon Kino, #Casablanca, #Cinecitta, #Claudias Welt, #Film, #Kino

Frozen Februar – Dieser Februar geht an die Substanz. Wer ins Kino geht, der schwitzt. Ist das nicht eigentlich eine gute Nachricht nach 200 Wochen Winter?

FREDDY/EDDY
AB 01.02. // CASABLANCA
Verunsicherung ist richtig fies. Wenn du nicht mehr weißt, ob du dir selbst trauen kannst. Wenn Unerklärliches immer wieder passiert. In FREDDY/EDDY geht es um die Doppelgänger-Nummer, oder aber Schizophrenie. Vielleicht erfindet der nette Freddy (Felix Schäfer) den nerdy Eddy nur. Schließlich wäre es ganz gut, wenn es einen bösen Anderen gäbe. Denn der smarte Künstler soll seine Frau so geschlagen haben, dass er deswegen vor Gericht steht. Sofort in den ersten Minuten krallt sich dieser bei den Hofer Filmtagen ausgezeichnete Psychokrimi den Zuschauer. Viele Schnitte, ein verwirrender Einstieg, die Regisseurin packt zu, schleudert gleich mal meinen Kopf an den Laternenmast und ich beginne zu schwitzen. Denn hier ist alles denkbar, jede Idee wird unterstützt oder zunichte gemacht. Man wird mit grusligen Infos gefüttert und hat doch wenig Ahnung, was vor sich geht. Felix Schäfer spielt die zwei Typen großartig anhand eines Drehbuchs, das ordentlich verstört und demnach alles richtig macht. Durch kleine Haken und Ösen erlebt man eben keine Copy&Paste-Story und außerdem so gute Schauspieler wie Katharina Schüttler, Jessica Schwarz und Burghart Klaußner. Wer „Stereo“ mit Jürgen Vogel mochte, sollte auch FREDDY mögen und darf sich freuen, dass Regisseurin und Drehbuchautorin Tini Tüllmann am 9. Februar ins Casablanca kommt. Über diesen Film mit der Macherin zu sprechen, ist – wie ich finde – sehr cool .
 


LICHT
AB 01.02. // CINECITTA
Es gibt eine Menge Klaviermusik in dieser Buchverfilmung, denn Mademoiselle Paradis liebt das Piano. Die 18-jährige Resi Paradis wäre ein Wunderkind der Wiener Gesellschaft, wenn sich deren Snobs nicht so gerne an Äußerlichkeiten festbissen. Das Mädchen ist blind und die ehrgeizigen Eltern setzen ihr Kind etlichen Fehlbehandlungen aus, schließlich ist es das oberste Ziel, normal zu sein. Dann kommt der umstrittene fortschrittliche Arzt Franz Anton Mesmer (der aussieht wie Devid Striesow) ins Spiel – und öffnet der Patienten die Augen. Nun ist das eine Riesengeschichte, die Alissa Walser schrieb: Denn als das talentierte Mädchen anfängt zu sehen, schwindet ihr Talent! Diese Idee, inszeniert in einem pompösen Wien, das Mozart kennt, müsste wirklich von alleine laufen. Und auch wenn mit der österreichischen Regisseurin Barbara Albert eine Frau hinter der Kamera steht, die bisher mit gutem Blick Filme gemacht hat, muss ich sagen: virtuos ist das nicht. Dass der Film so stocksteif ist, mag in seiner Natur liegen. Was stört, ist die Extrovertiertheit, mit der die Kamera auf das blinde Mädchen hält. Das ist beinah das Gaffen, wie es die „Kulturinteressierten“ der Wiener Gesellschaft an den Tag legen. Bei all der Bosheit und Dummheit in den Dialogen geht es zu viel um das Weltbild und zu wenig um den Mensch und die Geschichte.  
 

WIND RIVER
AB 08.02. // CINECITTA, ADMIRAL
Zieht Euch warm an, wenn Ihr in WIND RIVER geht, denn es wird Euch frösteln, spätestens, wenn Ihr nachts ins Bett kriecht und Euch an das Indianerreservat erinnert. Denn dann wird das Grauen beherzt aus dem Hintergrund hervortreten, das sich im Film zurückhielt. Es hielt sich zurück, solange eine tolle, langsame Kamera die Geschichte eines Mädchenmords erzählt. In der Kälte des weitläufigen Wind River Reservats gibt es wenig Anhaltspunkte: Ein Jäger und Fährtenleser hat das Mädchen gefunden, als er seinen Job machen, die Leute vor einem wildernden Puma beschützen wollte. Im eingeschneiten Wyoming ist wenig Raum für Gefühle, aber man hält zusammen in einem Landstrich, der so rau ist, dass es kaum eine Gegenwart gibt und noch unwahrscheinlicher eine Zukunft. Jäger Cory, der von Jeremy Renner fast zu gut gespielt wird, arbeitet mit dem FBI (in Form von Elizabeth Olsen) zusammen, obwohl er an den Tod seiner eigenen Tochter erinnert wird. Alles sehr stimmig und auch wenn es ums Leiden geht, wird es nicht depressiv. Das sind die wahren epischen Dramen, die nicht kreischen und toben, sondern ihre Botschaft einfach zum Schluss kurz einblenden.
 

PLAYING GOD
AB 15.02. // BABYLON FÜRTH, ADMIRAL
Ich wollte nicht auf dem Thema rumhacken, aber PLAYING GOD ist der dritte Film in dem Monat von einer Frau, das ist manchmal der Jahresschnitt. In dieser Doku begegnen wir einem sehr ruhigen älteren Mann. Einem Menschen, der Menschenleben berechnet. Der die Unterschiede erklärt zwischen verstorbenen Börsenmaklern, Kellnern und Feuerwehrmännern. Geschmacklos? Absolut. In unserer Welt gibt es Entschädigungsspezialisten, weil aus Bohrlöchern Rohöl ins Meer fließt, Renten veruntreut werden und Rettungsschirme die Falschen beschützen. Der Krieg und Flieger, die in Wolkenkratzer krachen, sorgen dafür, dass Mediator Ken Feinberg hochbeschäftigt ist. Hier zeigt er seine Rechenmodelle über unseren wirtschaftlichen Wert. Wer sich mal wieder richtig ekeln will, beispielsweise über vom amerikanischen Kongress beschlossene Regeln, der ist in diesem Film leider richtig.
 

SHAPE OF WATER
AB 15.02. // CASABLANCA & CINECITTA
Wasser ist ein perfektes Mittel, um besondere Geschichten zu erzählen. In diesem Fall tut das der Mann, der sich schon in „Pans Labyrinth“ durch eine eigene Welt der Mystik träumte. Guillermo del Toro hat diesmal ein wundervolles Märchen mit Sally Hawkins geschaffen, bei dem einem möglicherweise Herzen um die Ohren fliegen. Zu sagen, dass SHAPE OF WATER eine poetische Lovestory zwischen einem Amphibienmenschen und einer stummen Putzfrau ist, wirkt eher abschreckend. Versuchen wir es anders: Immer, wenn Guillermo del Toro Doug Jones anrief und ihm gesagt hat „Ich hab eine Rolle für dich“, war das ein besonderer Film. Denn der Schlangenmensch Jones tauchte schon, animiert oder verkleidet, in „Hellboy“, „Pans Labyrinth“ oder als „Silver Surfer“ auf. Jetzt schwimmt er zu Zeiten des Kalten Krieges als geheimes Experiment in einem Wasserbottich der Regierung, die ihn als Waffe einsetzen wird. Und das wird gut, glaubt mir …
 
 




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