Auf dem Sofa mit den Egersdörfers

FREITAG, 19. JANUAR 2018, OPERNHAUS



Im Mai 2018 bringen Matthias Egersdörfer und seine Gemahlin Carmen – im „echten“ Leben Regisseurin und Autorin Claudia Schulz – schon ein Jahr lang Kultur ins Opernhaus. Vor dem nächsten Blick in die unheile Welt der Egersdörfers im Januar befragen wir die Beiden, wie es dazu gekommen ist, es ihnen mit diesem Dauerbrenner und Erfolg ergangen ist, was kommt – und überhaupt. Und Medienpartner sind wir auch noch.

curt: Wie empfandet Ihr die ersten beiden Shows im Opernhaus?

Matthias Egersdörfer: Beim ersten Mal wäre ich fast gestorben vor Aufregung. Ich habe Kaffee getrunken in der Kantine, wo die Opernsänger Kaffee trinken. Ich habe mich umgezogen, wo die Opernsänger sich umziehen, und dann wurde ich von der Frau geschminkt, die auch die Opernsänger schminkt. Mitten auf der Bühne ist mir dann eingefallen, dass ich gar keine Oper singen muss, und ich war sofort sehr erleichtert.

Carmen: Ich liebe heilige Räume! Ich kann davon gar nicht genug bekommen, mir geht da total einer ab dabei. Und ich liebe meine T-Shirts mit den putzigen Tiergesichtern drauf. Anne und Lena, unsere beiden Ausstatterinnen, sagen immer, Carmen, du kannst so was tragen, weil du von Natur aus eine Vulgärheit in dir trägst. Ich habe zu den beiden hundertprozentiges Vertrauen.

curt: Ist das Publikum anders als sonst? Ist es ein Opernhaus-Publikum, das neugierig ist oder sich gar verirrt hat?

Egersdörfer: Im Opernhaus ist außerordentlich viel Luft über den Köpfen des Publikums. Da können die Gedanken und Gefühle gut abziehen. Sonst spiele ich in niedrigeren Räumen. Da bildet sich schnell ein brackiger Gedankennebel. Das kann sehr unangenehm sein.

Carmen: Keine Ahnung, wegen mir ist das Publikum eh nicht da. Für das Publikum bin ich ein quer sitzender Furz, der halt irgendwann mal raus muss. Manchmal feucht, manchmal mit Substanz, aber immer stinkend und somit unangenehm.

curt: Wie schick muss man sich anziehen? Oder spielt das trotz der Location keine Rolle?

Egersdörfer: Wenn ich in die Oper gehe, habe ich immer meinen braunen Cord-Anzug an. Ich bin eigentlich froh, dass nicht jeder andere auch einen braunen Cord-Anzug anhat. Eine Vielfalt, auch in der Kleidung, macht das ganze irgendwie viel reizvoller.

Carmen: Location, Location, Location, ich höre immer nur Location … dabei ist das nicht mal eine Band, sondern nur die Musik in meinem kranken Hirn. Mir persönlich ist es nur wichtig, dass niemand besser als ich gekleidet ist.

curt: Die Studiogäste sind ja sehr bunt, von der Operndiva bis zur Garderobiere, von Comedians bis zu Hans Mayer (ehemaliger Trainer des 1. FCN) oder Professor Hörl (Künstler und Präsident an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg). Nach welchen Kriterien wird eingeladen?

Egersdörfer: Die Carmen darf immer als erstes Vorschläge machen, wen sie einladen möchte. Nacheinander rede ich ihr dann die Leute aus. Das hat in den meisten Fällen auch gar keinen Sinn, weil sie ja auch Menschen einladen möchte, die gar nicht mehr leben. Dann sage ich, wen ich einladen möchte. Carmen ist damit bislang immer einverstanden gewesen.

Carmen: Ich bin immer mit allem, was Matthias sagt, einverstanden. Und wenn ich mal nicht einverstanden bin, schweige ich trotzdem, damit sind wir Deutsche schon immer gut gefahren.

curt: Habt Ihr bei den Gästen freie Hand, oder darf das Opernhaus auch Wünsche äußern?

Carmen: Ich persönlich sage mir immer: Ich bin zu alt, um nur zu spielen, zu jung, um ohne Wunsch zu sein. Wir alle haben doch Wünsche. Das gilt auch für das Opernhaus, wir setzen uns im Vorfeld bei Tee und Keksen zusammen, dann darf jeder seine Wünsche äußern und am nächsten Tag sagt uns Matthias dann, dass sein Wunsch der beste gewesen sei.
(Egersdörfer kratzt sich an den Eiern und sucht mit zwei Fingern nach seinem kleinen Schwanz)

curt: Auf wen dürfen wir uns im Januar freuen?

Carmen: Im Januar kommt der Flo Kerschner zu uns, den bewundere ich sehr. Ich stelle mir jeden Morgen extra den Wecker, um seine Show auf Hit Radio N1 zu hören. Ich glaube, nein, ich weiß, wenn es den Flo Kerschner nicht gäbe, hätte ich mich schon längst umgebracht. Ich bin sehr froh, ihm das dann persönlich sagen zu können.

Egersdörfer: Den ganzen Tag höre ich nur flokerschnerflokerschnerflokerschner von der Carmen. Das macht mich komplett wahnsinnig. Der Kerl hat das Weib verhext mit seiner Stimme. Am liebsten hätte ich ihn sofort wieder ausgeladen. Aber dann vermute ich, dass die Carmen mir was in den Kaffee geschüttet hat, und ich bin plötzlich sehr müde geworden und dann war es zu spät. Und dann kommt noch das mongolische Musikensemble Egschiglen. Obertongesang vom Feinsten!

curt: Was wären Wunschgäste fürs Sofa?

Carmen: Ich würde mich gerne mal mit Mutter Teresa unterhalten, ob sie wirklich die Medikamente den Kranken weg gemampft hat, und sie fragen, ob Krankheit wirklich ein Geschenk Gottes ist, das wäre sehr wichtig für mich und mein weiteres Leben.

Egersdörfer: Was redest du da für einen Unsinn. Die schwarze Lebenskerze von Mutter Teresa hat der liebe Gott schon längst sauber ausgeblasen. Da kannst Du noch so sehr wünschen. Die kommt nicht mehr. Ich würde gern ein Gespräch mit Hans Moser führen. Ich kann auch ein bisschen wienerisch sprechen, weil ich unlängst dort war. Das wäre bestimmt sehr lustig, und der Moser versteht ja einen Spaß.

curt: Eure Rollen wirken durchaus etwas gemäßigter als z.B. bei „Egersdörfer & Artverwandte“. Wem ist das geschuldet? Oder wird das subtil aufgebaut bis zum Exzess?

Egersdörfer: Um Gottes Willen, mit der Frage hatte ich gerechnet. Ich muss jetzt erst einmal ein Bier trinken und vielleicht einem Pudel in den Bauch treten. Außerdem krieg ich kaum mehr Luft. Findest du auch, dass meine Haut leicht grünlich schimmert?

Carmen: Ich weiß nicht, was subtil bedeutet. Aber das Wort gefällt mir, klingt irgendwie lustig. Aber wenn es um Schuld geht, dann sagt Matthias, dass sie immer bei mir liegt, weil die Schuld immer bei den Menschen liegt, die zu dumm oder zu schwach sind, sie von sich zu weisen. Was das Ding mit den Rollen angeht, klar, war früher auch mal eine Flugrolle drin, aber wir werden ja auch älter, wir sind froh, wenn uns in der Missionarsstellung nicht die Beine einschlafen.

curt: Wie viele Shows sind 2018 geplant?

Carmen: Das hängt ganz vom neuen Intendanten ab. Matthias meint, ich sollte mich ihm sexuell gefällig zeigen. Ich bin froh, wenn ich auch mal etwas beitragen kann.

Egersdörfer: Kannst du die Antwort bitte streichen. Das ist jetzt definitiv die falsche Zeit für so einen Witz. Streich am besten die ganze Frage. Sag mal: Habt ihr Schnaps oder was zum Rauchen? Ich hätte so Bock auf die blauen Tabletten. Lampe, sag mal, hast du noch was von den blauen Dingern, die so Spaß machen?

curt: Seid Ihr eigentlich glücklich, dass Ihr das im Opernhaus machen dürft?

Carmen: Ja.

Egersdörfer: Ja.


BEI EGERSDÖRFERS UNTERM SOFA - präsentiert von curt.
Am Freitag, 19. Januar 2018, im Opernhaus Nürnberg, Nbg.
 
Mit Matthias Egersdörfer, Claudia Schulz (Carmen), Florian Kerschner (Radiomoderator, Hitradio N1), Piet Klocke (Comedian, Musiker) und Nicole Johänntgen (Jazzmusikerin/Saxofon), Armin Häfner (Maskenbildner), Egschilen (fränkisch-mongolisches Musikensemble).

Beginn 20 Uhr. Karten: 24,-/27,- Euro.
staatstheater-nuernberg.de

ACHTUNG: curt vergibt 3x 2 Tickets!
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Teilnahmeschluss ist der 17. Januar 2018.

 




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