Theobald O.J. Fuchs: Neues aus der Neuropsychologie

MITTWOCH, 27. SEPTEMBER 2017

#Autor, #Comedy, #Galerie Bernsteinzimmer, #Kabarett, #Kolumne, #Krimi, #Theobald O.J. Fuchs

»Was heißt Zuhören?« – diese Frage stellten amerikanische Hirnforscher am Peter-Paul-and-Mary-College in Boise, Idaho. Und zwar stellten sie mir diese Frage, während ich zwischen Ihnen eingeklemmt in der Schlange am Check-in-Schalter in Frankfurt stand und leider meine Kopfhörer schon in den Koffer gepackt hatte.

Schwierige Frage – schwierige Antwort! Der Begriff »Zuhören« klingt ja unglücklicherweise sehr ähnlich wie sein exaktes Gegenteil, nämlich »Reden«. Viele Menschen haben daher Schwierigkeiten, die beiden Tätigkeiten auseinanderzuhalten. Das hätte ich den PP&M-Wissenschaftlern auch bestätigt, wenn sie mich während der vier Stunden unserer anregenden Diskussion zu Wort kommen gelassen hätten.

Aber schauen wir uns beide Begriffe etwas genauer an: Die Wörter »Reden« und »Zuhören« klingen nicht nur fast gleich, beide dabei implizierten Tätigkeiten haben auch etwas mit den Ohren zu tun. Input und Output, das wohl berühmteste Schabrackentapirpärchen der Filmgeschichte. »Hinten wieder raus wie vorne rein«, wie meine Oma es so trefflich auf den Punkt brachte, wenn sie Opas Heldentaten auf dem Volksfest beschrieb. Es gibt zum Glück einen winzigen Unterschied, der allerdings nur geschulten Fachleuten sofort auffällt: beim »Zuhören« bleibt der Mund zu. Und hier haben wir die Eselsbrücke, die wir gesucht haben: ZU-hören und Mund ZU. So sollte es sich auch ein Laie merken können!
Umgekehrt natürlich beim Reden – Mund auf. Mit dem kleinen caveat: Essen und Reden sind ebenfalls zwei eng verwandte Tätigkeiten, die ein gewisses Verwechslungsrisiko bergen. Insbesondere während der Mahlzeiten. Die Folgen einer ungenauen Handhabung von Essen und Reden sind dementsprechend. Fragen Sie bloß mal Ihre Mutter!

Doch zurück zum Zuhören. Das gibt es in drei verschiedenen Varianten: im Liegen, im Stehen und im Sitzen. Die alte Frage, ob Zuhören im Sitzen besser funktioniert als im Liegen, wurde letzthin endgültig geklärt. Eine andere Gruppe amerikanischer Wissenschaftler hat es nämlich herausgefunden, das kam in dieser Wissenschaftssendung
im Radio. Leider lag ich dabei im Bett und bin ich recht schnell eingeschlafen, so dass ich nicht mehr weiß, was die Antwort war, aber das könnte man sicherlich in Ruhe nachgoogeln. Mit jeder beliebigen Suchmaschine. Was rein sprachlich natürlich Unsinn ist, denn was alle haben wollen, ist eine Findmaschine. Doch das ist ein ganz anderes Thema …

Anfänger schaffen es meistens nach weniger als zehn Unterrichtsstunden, zum ersten Mal für einige Minuten zuzuhören. Auch hier ist die regelmäßige Übung das A und O … Moment, gleich geht’s weiter, ich muss kurz den Anruf entgegennehmen … Hallo, ja, geht grad schlecht, muss jemandem Zuhören erklären … wie gesagt: ich bin gerade … ja? Aufgelegt. Keine Ahnung wer das war. Aber wo waren wir stehen geblieben? Nein! Sagen Sie nichts, ich komme von alleine drauf!

Genau – bei dieser Gelegenheit darf ich Sie noch auf mein sensationelles Buch hinweisen: »Zuhören – wie leicht ist das denn, Alter?«, das demnächst im Ratgeberverlag DER RATGEBERVERLAG erscheinen wird. Nur Neunundreißig-siebenundsiebzig, erhältlich bei jedem halbwegs brauchbaren Internethändler oder bei den Subventionsopfern vom lokalen Buchhandel, die außer Jammern und Bücherregalabstauben nichts Gescheites gelernt haben. Wie zum Beispiel einen Lieferwagen steuern.

Krasse Meinung, wa? Und war nur Spaß! Alles in Ordnung, kein Grund zur Beunruhigung! Ironie – Hallo? Wirklich! In Echt!
Nichtsdestotrotz – bitte denken Sie daran: Jeder Mensch freut sich über Trinkgeld. Auch der Paketbote, der gewöhnlich viel Zeit mitgebracht hat und sicherlich gerne zuhört, wenn Sie ihm in epischer Breite den Traum erzählen, aus dem er sie um elf Uhr früh heraus geklingelt hat.

[Immer im Bilde: Theo. O.J. Fuchs; Alle Fotos: Katharina Winter]

UND WAS MACHT THEO WIRKLICH UND SONST SO?
Bei der Langen Nacht der Wissenschaften (21.10.) hält er im JOSEPHs seinen Vortrag zur „Zukunft der Vergangenheit“ (20 und 22 Uhr). Und er arbeitet fieberhaft an seinem zweiten Roman mit dem Titel: „Altstädter Friedhof in Erlangen, 14. Mai, 10 Uhr 30, meine 35. Beerdigung, die zahlreichen Nachkommen streiten am Grab um den Fernsehsessel des 73-jährigen.“
Den Rest der Zeit tag- und nachtträumt Theo von den CURT-Redakteuren.




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